Die Don Quijotes aus Klein-Harras

Erstellt am 03. Dezember 2022 | 05:38
Lesezeit: 3 Min
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Nein zu zwei Windrädern innerhalb des Mindestabstandes: Die Bürgerinitiative „Gegenwind“ stellt sich gegen das Projekt in Bad Pirawarth.
Foto: privat
Bürger aus Klein-Harras fürchten unter anderem Wertminderung der Grundstücke. ÖVP-Ortschef: „Das Projekt wurde in dieser Form abgelehnt.“

Heftiger Protest regt sich in der kleinen Matzener Katastralgemeinde gegen das geplante Windenergie-Projekt in Bad Pirawarth. Die Bürgerinitiative „Gegenwind“ sprach sich mit 84 Prozent der Wahlberechtigten gegen eine Umsetzung in der vorgelegten Form aus. Der Hauptgrund: Die Windkraftanlagen hätten mit rund 1.200 und 1.900 Metern den Mindestabstand zur Verbauungsgrenze in Klein-Harras unterschritten.

„Wir sind keine Windkraftgegner“, betont der Sprecher der Bürgerinitiative „Gegenwind“ Wolfgang Eichinger. Und weiter: „Es stehen bereits zehn Anlagen in unmittelbarer Nähe auf unserem Gemeindegebiet. Das ist genug.“ Erstmals hätten in Bad Pirawarth zwei Windräder errichtet werden sollen. Die Gemeinde ließ die Bevölkerung Anfang Oktober abstimmen.

70 Prozent stimmten für die zwei Windräder

Knapp 70 Prozent stimmten dafür. Zwar gab es in Klein-Harras – ebenso wie in Bad Pirawarth – eine Informationsveranstaltung, aber eben keine Abstimmung. „Das Projekt hat zu spontanem Widerstand in der Bevölkerung geführt und uns war schnell klar: Wir müssen selbst unseren Willen kundtun“, berichtet Eichinger. Eine Unterschriftenliste wurde organisiert, das Ergebnis ist eindeutig: Von 317 Wahlberechtigten haben 266 dagegen unterschrieben. Die Befürchtungen: gesundheitliche Beeinträchtigung, Zerstörung der Natur und des Ortsbildes, Wertminderung der Häuser und Einschränkungen bei künftigen Bebauungszonen.

Eichinger bemängelt die Kommunikation mit der Gemeinde: „Wir haben am 5. Oktober das Ergebnis unserer selbst organisierten Befragung unter anderem an ÖVP-Bürgermeister Stefan Flotz übergeben. Wir wurden auf das Ergebnis der Abstimmung in Bad Pirawarth verwiesen.“

Wir haben das Ergebnis unserer selbst organisierten Befragung unter anderem Ortschef Stefan Flotz übergeben.“
„Gegenwind“ Bürgerinitiative

Auch auf die Fragen, wie die Gemeinde jetzt zu einer Entscheidung kommt, waren die Antworten laut der Bürgerinitiative unbefriedigend. Auf einen Tagesordnungspunkt in der Gemeinderatssitzung wartete man ebenfalls vergeblich. Man fühlt sich von der Politik nicht mehr vertreten.

Erst am 10. November erging ein Schreiben der Gemeinde an den Sprecher. Inhalt: Das Projekt hat in der derzeitigen Form keine Zustimmung erhalten. Getroffen wurde diese Entscheidung im Gemeindevorstand. Eingang in die Agenda der öffentlichen Gemeinderatssitzung fand das Thema aber nicht.

Was sagt der Ortschef dazu? „Wenn das im Vorstand beschlossen wurde, muss das nicht mehr auf die Tagesordnung. Den Mangel an Information kann ich nicht nachvollziehen. Es gab insgesamt drei Informationsveranstaltungen (mit Bad Pirawarth, Anm.), da hat es Gelegenheit genug gegeben. Das Projekt wurde auch in dieser Form abgelehnt.“

Die NÖN fragte auch beim Planungsbüro Krill nach: „Wir freuen uns, dass die Volksabstimmung in Bad Pirawarth mit 69,6 Prozent Zustimmung für die zwei Windräder äußerst positiv ausgefallen ist und wir sind darüber auch sehr dankbar.“

Auch wenn das Projekt vorerst vom Tisch ist – die Unsicherheit bei der Bürgerinitiative bleibt bestehen. Eichinger meint abschließend zur NÖN: „Aus unserer Sicht liegt definitiv kein Grund vor, im Süden Bad Pirawarths Windräder zu errichten, wo es ausreichend unbebaute Fläche gibt.“