Volksbank: Mitglieder gegen Fusionierung. Keine Mehrheit für Zusammenschluss mit sechs weiteren Volksbanken. Eigenständige Lösung doch noch Alternative?

Von Edith Mauritsch. Erstellt am 29. April 2015 (06:30)
NOEN, Mauritsch
Vorstand Hartwig Trunner (2.v.l.) bemühte sich engagiert, die Mitglieder von der Alternativlosigkeit einer Verschmelzung zu überzeugen – leider erfolglos. Weiters im Bild: Aufsichtsratsvorsitzende Andrea Seidl, Vorstand Erich Fellner (2.v.r.) sowie die Aufsichtsräte Rudolf Busam (l.) und Johann Fürhacker (rechts).

Großes Interesse herrschte bei der außerordentlichen Generalversammlung der Volksbank Marchfeld: Zahlreiche Mitglieder der Genossenschaft, darunter auch viele Mitarbeiter, drängten in den Saal. Schließlich ging es um die Zukunft des Bankinstituts. Abzustimmen war die Fusion mit sechs weiteren Volksbanken zu einer – so der Arbeitstitel – „Volksbank Wien-NÖ-Burgenland“.

Gleich vorweg: Die Abstimmung fiel nicht so aus wie Vorstand und Aufsichtsrat, wenn auch nicht ganz freiwillig, aber doch eindringlich erbeten hatten. Die Volksbank Marchfeld ist ein durch und durch gesundes Unternehmen mit einer außergewöhnlich hohen Eigenkapitalquote, die bereits heute künftige Anforderungen nach BASEL III erfüllt. Man hätte also von sich aus keine Notwendigkeit für eine Fusion gesehen.

Generalversammlung als Teil der Neustrukturierung

Die außerordentliche Generalversammlung war nur ein Teil der Neustrukturierung des Volksbankenverbundes, der im kränkelnden Spitzeninstitut ÖVAG (Österreichische Volksbanken AG) seinen Ursprung nahm. Entstehen sollen acht starke regionale Banken anstatt der jetzt kleineren 43 Institute.

Die operativen Agenden der ÖVAG werden in die Volksbank Wien-Baden ausgelagert, die Volksbank Marchfeld sollte ihre Geschäfte in dieses Institut einbringen, ebenso wie fünf andere Volksbanken aus dem Wein- und Industrieviertel sowie dem Burgenland. Diese haben übrigens dem Zusammenschluss bereits zugestimmt. Sogenannte Bad Loans („Faule Kredite“) würden in einer Abwicklungsbank verbleiben und den Sektor künftig nicht mehr belasten.

Die Vorstände Hartwig Trunner und Erich Fellner bemühten sich intensiv um eine Stand-alone-Lösung mit einem Kooperationspartner, der ihnen jedoch nach massivem Druck der Finanzmarktaufsicht (FMA), trotz bereits sehr weit vorgeschrittenen Verhandlungen, abhandenkam. Einen Alleingang der Volksbank Marchfeld– in welcher Form auch immer – goutierte die Behörde keinesfalls.

Zweidrittelmehrheit bei Abstimmung verfehlt 

So blieb nichts anderes übrig, als die Mitglieder gesetzeskonform zur beabsichtigten Einbringung des Geschäftsbetriebes in die neue „Volksbank Wien-NÖ-Burgenland“ zu befragen – nur dass dieser Tagesordnungspunkt nicht die erforderliche Zweidrittelmehrheit fand. Die anderen Beschlüsse wie Verbundvertrag-Neu wurden zwar angenommen, sind aber ohne die Verschmelzung problematisch.

Diese Alternativlosigkeit und die Befragung zu einem Punkt, dessen Ergebnis nach Willen der Behörden bereits festgesetzt war, entrüstete die Mitglieder über die Maßen. Aussagen wie „Hat man als Eigentümer keine Rechte?“ oder „Was steckt dahinter, dass so ein Unsinn vorgeschlagen wird?“ waren noch die freundlicheren. Sehr klare Worte fand Mitglied Fritz Pikel: „Die FMA hat jahrelang auf allen Linien versagt und stellt jetzt Regeln auf, die gesunde Banken entmachten.“

Wie es jetzt weitergeht, weiß niemand. Fest steht, dass die Volksbank Marchfeld aufgrund umsichtiger Geschäftspolitik seit Jahrzehnten auf soliden Beinen steht und kein Kunde Angst um seine Einlagen haben muss. Die Volksbank Marchfeld als letztes gallisches Dorf? Da wird wohl auch ein großes Fass Zaubertrank notwendig sein.