Wo ein Wille, da ein Weg. Josef Heinermann kann von einem bewegten Leben erzählen: Es war geprägt von Krieg, Flucht und harter Arbeit. Trotzdem blickt der ehemalige Gemeinderat zufrieden zurück.

Von Edith Mauritsch. Erstellt am 10. April 2015 (05:55)
NOEN, Mauritsch
Heinermanns Lebensgeschichte ist geprägt von Respekt gegenüber Mitmenschen und ein Beispiel für gelebte Integration.

Josef Heinermann war 27 Jahre im Gemeinderat vertreten, Gründungsmitglied der Jugendhauptgruppe Nord des NÖ Fußballverbandes und drei Jahrzehnte Funktionär, 18 Jahre Ortsvorsitzender der SP-Ortsorganisation, um nur einige seiner Aktivitäten zu nennen. Dass sein Leben so verlaufen würde, war in den letzten Kriegsjahren ganz und gar nicht nicht abzusehen.

1929 im serbischen Banat als Friseursohn geboren, genoss Josef einige unbeschwerte Kindheitsjahre. Die Heinermanns gehörten der Volksgruppe der Donauschwaben an, also Menschen, die nach der Eroberung des damals dem Osmanischem Reich zugehörigen Landstriches durch Prinz Eugen Anfang des 18. Jahrhunderts in dem fast menschenleeren Gebiet angesiedelt wurden.

Dann kam der Zweite Weltkrieg, die Besetzung durch die deutsche Wehrmacht und Titos Partisanen mit ihrem ausgeprägtem Hass auf alles Deutsche. Die Familie wurde 1944 aus ihrem Haus vertrieben, auseinandergerissen und auf verschiedene Lager zum Arbeitseinsatz verteilt – der Deportation nach Russland entkamen sie mit Glück.

Schon bald regten sich Fluchtgedanken, doch es sollte bis Juli 1947 dauern, bis nach einer Begegnung mit dem österreichischen Kriegsgefangenen Franz Pichler Taten folgten.

Risikoreiche Flucht brachte die Freiheit

Sonntagabend zogen die beiden los zur nächstgelegenen Grenze nach Rumänien – immer in Gefahr, aufgegriffen zu werden. Schon am Bahnhof in Temesvar entgingen sie nur zufällig einer Razzia. Sieben Tage dauerte die Flucht, viele hilfreiche Mitmenschen trugen zum Gelingen bei, so Bahnschaffner, die die beiden ohne Karte fahren ließen, weil das Geld schon lange ausgegangen war, oder eine resolute Wienerin, die ganz spontan Geld für die Jugendlichen sammelte.

Heinermanns Ziel waren Verwandte in Kirchberg am Wagram, bei denen er aufgrund sehr beengter Wohnverhältnisse aber nicht bleiben konnte. Er fand eine Stelle mit Kost und Logis bei einem Mühlenbesitzer und erlernte das Müllerhandwerk. Über ein Inserat führte ihn sein Weg schließlich zur Vogelsangmühle nach Kollnbrunn. Auch dort war ihm kein dauerhafter Arbeitsplatz vergönnt, sodass er sich beim Baumeister Lahofer als Hilfsarbeiter verdingte, um das Maurerhandwerk zu erlernen.

Auf Abendschule folgte Stelle bei Baupolizei

Inzwischen verheiratet und Familienvater gründete er eine Akkordpartie, um mehr Geld zu verdienen. Mit 40 Jahren bewarb er sich nach dem Besuch der Abendschule erfolgreich bei der Gemeinde Wien als Werkmeister der Baupolizei.

„Heute lebe ich mit drei Kindern, vier Enkelkindern und zwei Urenkeln zufrieden in einem Land, das mir die Chance gegeben hat, ein ordentliches Leben zu führen und dessen Menschen mit Toleranz und völlig ohne Neid oder gar Hass auf mich zugegangen sind“, schließt Heinermann die fesselnde Erzählung seines so spannenden und überaus bewegten Lebens.