Klima wird das größte Problem im Bezirk Gänserndorf. Bauern im Bezirk müssen sich in den nächsten Jahren verstärkt an die sich verändernden Umstände anpassen.

Von Stefan Havranek und Thomas Schindler. Erstellt am 23. Oktober 2019 (03:53)
Unterreiter
Am Gänserndorfer Frischemarkt bieten Bauern ihreregionalen Waren feil – sehr zur Freude der zahlreichen Kunden.

Wie ist es eigentlich um die Landwirtschaft im Bezirk bestellt? Wie sieht ihre Zukunft aus? Dieser Frage ging die NÖN nach und sprach mit jenen, die auf den Äckern in der Region „zu Hause“ sind.

Bezirksbauernkammer-Obmann Manfred Zörnpfenning gibt Auskunft: „Die Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe im Bezirk beträgt aktuell 1.422, im Jahr 2009 waren es noch 1.772 und 1995 gar 3.204 Betriebe.“ Die Zahl der Bio-Landwirte steigt hingegen, waren es vor fünf Jahren noch unter 20 Prozent so wirtschaften heute schon 25,30 Prozent biologisch.

Zörnpfenning berichtet: „Durch Klimawandel und Preis hat sich die Produktion verändert, es wird etwa weniger Getreide angebaut.“ Das unterstreicht er mit einem Beispiel. Wurden 2009 auf 28.500 Hektar Weizen angebaut, waren es 2019 nur noch 20.590 Hektar. Die Maisfläche habe sich in der gleichen Zeit wiederum von 3.200 auf 7.800 Hektar mehr als verdoppelt. „Auch die Sojabohne ist stark im Zunehmen, Gänserndorf ist mit 3.600 Hektar der Bezirk mit der zweitgrößten Sojafläche in NÖ“, so der Obmann.

Die Zuckerrübenfläche habe sich allerdings durch Preisabfall und Schädlingsdruck fast halbiert. „Das Klima wirkt sich auf den Schädlingsdruck aus“, erklärt Zörnpfenning: „Aber nicht nur die Kosten zur Bekämpfung von Rübenderbrüssler, Erdfloh und Drahtwurm steigen, sondern auch die für Beregnung, die durch Trockenperioden stärker nötig ist – dort, wo es im Bezirk möglich ist.“

Otto Gasselich, Bio-Landwirt aus Lassee, sieht die Zukunft der Landwirtschaft naturgemäß im Ausbau der Bio-Betriebe: „Die Gesamtfläche der biologisch bewirtschafteten Flächen im Bezirk hat sich in den letzten zehn Jahren fast verdoppelt.“ In manchen Ortschaften sind es sogar über 70 Prozent.

Wie beurteilt Gasselich die Auswirkungen des Klimawandels auf die Landwirtschaft? „Dieser stellt uns vor enorme Herausforderungen. Bauern müssen mit steigenden Temperaturen, immer extremeren Hitzeperioden und immer längeren Trockenperioden fertig werden.“ Die Betriebe versuchen, ihre Kulturführung entsprechend anzupassen und geeignete Sorten zu finden, die mit den neuen Bedingungen harmonieren: „Dort, wo die Möglichkeit besteht, wird zudem in Bewässerungssysteme investiert.“

Zufrieden zeigt sich Gasselich beim Thema Soja: „Hier ist es uns gelungen, die Nachfrage nach Bio-Soja zu 100 Prozent mit heimischem Anbau zu decken. Für österreichische Bio-Schweine, Bio-Hühner und Bio-Rinder muss kein einziger Hektar Regenwald gerodet werden.“

Auch was das Bio-Gemüse betrifft, gebe es grundsätzlich gute Nachrichten, so Gasselich: „Die Nachfrage nach Bio-Tiefkühl-Gemüse ist gleichbleibend, beim Bio-Feldgemüse – dazu zählen zum Beispiel Bio-Zwiebel, Bio-Karotten und Bio-Sellerie – steigt die Nachfrage, ebenso bei Bio-Kartoffeln.“

Und wie e sieht es auf den Höfen mit der Nachfolge aus? Gasselich: „Im Bio-Bereich gut – selbst wenn sich innerhalb der Familie keine Nachfolge findet, gibt es genügend Interessenten. Es bleibt kein Hektar Bio-Land, der nicht einen Neubewirtschafter findet.“

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