Erntehelfer: Ein Fall für das Gericht? . Die Gewerkschaft will jetzt landwirtschaftlichen Betrieb verklagen. Der nimmt die Drohung gelassen: Man sei unschuldig.

Von Thomas Schindler. Erstellt am 08. Juli 2020 (03:11)

Kein Ende ist im Streit einer rumänischen Erntehelferin – unterstützt durch den Verein Sezonieri sowie der Gewerkschaft – und dem Landwirtschaftsbetrieb Sulzmann – vertreten durch Unternehmensberater Michael Slamanig – in Sicht. Wie die NÖN exklusiv berichtete, nahmen, nachdem die Erntehelferin Wohn- und Arbeitsbedingungen angeprangert hatte, mehrere Behörden (Sozialversicherung, Finanzpolizei, Arbeitsinspektorat) den Bauernhof unter die Lupe und sollen so gut wie nichts Verwerfliches entdeckt haben.

Die Produktionsgewerkschaft PRO-GE will den Streit nun vor Gericht austragen. NÖ-Landessekretär Patrick Slacik zur NÖN: „Wir verklagen die Firma Sulzmann. Es gibt noch sechs weitere Erntehelfer, die die Vorwürfe bestätigen. Sie mussten zum Beispiel bis zu 17 Stunden am Tag arbeiten.“

Auch eine Aktivistin des Vereins Sezonieri meldete sich am NÖN-Telefon. Sie könne bezeugen, dass die Quartiere der Erntehelfer – insgesamt gibt es drei Häuser – eine Zumutung waren. Fotos würden dies beweisen. Unternehmensberater Slamanig kontert die Anschuldigungen. Er selbst habe die Unterkünfte, die mittlerweile von der Firma Sulzmann gereinigt wurden, besucht und mit der Kamera festgehalten: „Das sind schöne Dienstwohnungen.“ Die „Meuchelfotos“ würden vom Lagerraum stammen: „Keine Ahnung, warum, aber dort stellten die Erntehelfer ohne Wissen des Betriebes die Betten hinein. Der Lagerraum war nie als Schlafzimmer gedacht.“

Dies sei übrigens das einzige Zimmer, das der Arbeitsinspektor beanstandet habe: „Dort waren auch Deckenleuchten, Schalter und Steckdosen verschwunden.“ Mysteriös seien auch die Stundenaufzeichnungen der Erntehelferin: „An der Schrift sieht man, dass die Aufzeichnung in einem runtergeschrieben wurde und noch dazu auf Deutsch. Das wurde eindeutig im Nachhinein geschrieben und nicht von der besagten Rumänin, die kaum Deutsch spricht.“

Slamanig wünscht sich für seinen Klienten zwar keinen Gerichtsprozess, rechnet aber mit diesem: „Immerhin gibt es dann Klarheit. Dort muss die Gewerkschaft nämlich Beweise vorlegen und nicht – wie jetzt – nur Behauptungen aufstellen.“