Moderne Sklaverei auf Äckern?. Anonymer Briefeschreiber bezichtigt Spargelbauern-Obmann, seine Arbeiter in Mannsdorf auszubeuten. Der weist alle Vorwürfe zurück.

Von Thomas Schindler. Erstellt am 28. Juli 2021 (05:02)
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Wie gut oder schlecht werden die ausländischen Feldarbeiter in Mannsdorf behandelt? Die Behörden prüfen.
Shutterstock/Palatinate Stock

Nach der Spargelerntehelfer-Affäre vergangenes Jahr (die NÖN berichtete) steht nun abermals ein Bauer aus Mannsdorf am Pranger – diesmal der Obmann der Spargelbauern selbst, Werner Magoschitz. In einem anonymen Brief, der auch an verschiedene Behörden ging, wird der Landwirt beschuldigt, „moderne Sklaverei“ zu betreiben. Magoschitz zeigt sich entsetzt und weist alle Vorwürfe entschieden zurück.

Wie sehen diese im Detail aus? Magoschitz’ Landarbeiter sollen von 6 Uhr früh bis 18 abends ohne WC, frische Getränke und Unterstand bei Sonne oder Regen wochenlang durch die Maisfelder „gejagt“ werden. Es gebe keine Pausen bzw. Ruhezeiten und die Arbeiter würden nur einen Hungerlohn von 5 Euro pro Stunde bekommen, wobei auch noch etwas für die Unterkunft abgezogen werde.

Die Menschen müssten in alten Scheunen, Werkstätten oder Containern hausen – ohne Zugang zu medizinischer Versorgung. Weiters würden sie wie Tiere an andere Bauern verliehen werden, wobei Magoschitz in diesem Fall 15 Euro die Stunde von den Landwirten kassiere – die Arbeiter selbst bekämen lediglich die genannten 5 Euro.

Der Brief ging an die Bezirkshauptmannschaft Gänserndorf, die Landarbeiterkammer Mistelbach, das Finanzamt Gänserndorf, das Arbeitsinspektorat und an die NÖN – „um etwas Positives für diese armen Kreaturen zu erreichen“.

Tatsächlich gehen die einzelnen Behörden den Anschuldigungen jetzt nach. „Das müssen wir“, erklärt Bezirkshauptmann-Stellvertreter Wolfgang Merkatz. Die BH interessiere sich in erster Linie für den Arbeitnehmerschutz. Merkatz: „Zum Beispiel, ob die Unterkünfte passen und ob die Arbeiter auf die Toilette gehen können.“ Der Arbeitsinspektor wiederum sieht sich vor allem die Arbeitszeiten und Arbeitsbedingungen an. Das Finanzamt wird prüfen, ob finanziell alles in Ordnung ist.

Bauer sieht sich als Opfer einer Hetzjagd

Magoschitz selbst sieht sich als Opfer einer Hetzkampagne. Gegenüber der NÖN meint er: „Diese Behauptungen sind ein Wahnsinn. Meine Frau ist schon völlig fertig. Wir versuchen, für die Leute einen Arbeitsplatz zu schaffen – das ist doch nichts Schlechtes.“

Konkret beschäftigt der Bauer Polen, Slowaken und vor allem Rumänen: „Mit dem Verdienst bei uns können die Kinder der Arbeiter in ihren Heimatländern studieren.“ Er bezahle korrekt nach dem Kollektivvertrag: „Mindestens 7,30 Euro pro Stunde.“ Auch der Verleih an andere Landwirte sei legitim: „Da verlange ich 14 Euro die Stunde, schließlich habe ich auch Lohnnebenkosten zu bezahlen.“

Die Unterkünfte seien alle top. Diese seien vor der Saison auch behördlich geprüft worden: „Die Arbeiter sagen, dass sie dort wie in einem Schloss wohnen, weil sie es daheim nicht so schön haben.“ Er, Magoschitz, habe viel Geld in die Sanierung der sieben Wohneinheiten investiert.

Der Bauer spricht abschließend von einer Win-win-Situation: „Wir versuchen, etwas für unsere Arbeiter zu tun. Wir wollen ja, dass sie jedes Jahr wiederkommen. Die Anschuldigungen sind tief und gemein – eine bodenlose Frechheit.“