Gänserndorf

Erstellt am 17. Oktober 2018, 06:00

von Michaela Fiala

Aufregung: Rettung will 2.185€ für Krankentransport. Mediziner ließ 230-Kilogramm-Patienten mit einem Notarzt-Lkw ins Spital einliefern. NÖ Gebietskrankenkasse übernimmt die Kosten für das Spezialfahrzeug nicht.

Symbolbild   |  Popsuievych/Shutterstock.com

Franz Huber (Name von der Redaktion geändert) ist verzweifelt. Kürzlich flatterte dem Notstandshilfe-Bezieher eine Rechnung über 2.185 Euro ins Haus. Der Arbeiter-Samariter-Bund fordert diese hohe Summe für den Krankentransport vom Wohnort in das ca. 70 km entfernte Krankenhaus.

Was war passiert? Wegen extremer Bauchschmerzen verständigte ein stark übergewichtiger Marchfelder die Rettung. Die herbeigerufenen Sanitäter alarmierten den Notarzt nach, der dem Patienten Schmerzmittel sowie Blutdrucksenker verabreichte und ihn an den Überwachungsmonitor anschloss.

„Kann es das geben, dass der Sozialstaat Österreich dicke, mittellose Menschen im Krankheitsfall im Stich lässt?“ Franz Huber (Name von der Redaktion geändert)

Da der Mann aufgrund seiner Körperfülle nicht mit dem gewöhnlichen Krankenwagen transportiert werden konnte, wurde ein Spezialtransporter angefordert. Der Kranke hatte einen Darmverschluss erlitten, die Situation war lebensbedrohlich für ihn.

Kürzlich wurde der Patient in häusliche Obhut entlassen und fand in seinem Briefkasten eine für ihn unbezahlbare Rechnung. Huber klagt: „Ich kann doch nicht dafür bestraft werden, dass ich an einer Essstörung leide. Kann es das geben, dass der Sozialstaat Österreich dicke, mittellose Menschen im Stich lässt?“

Siegfried Vock wird mit 1. Oktober neuer Chef der Gänserndorfer Krankenkasse.  |  privat

Gänserndorfs NÖ Gebietskrankenkassen-Leiter Siegfried Vock erklärt: „Unsere Kasse hat eine Vereinbarung mit den Rettungsdiensten. Darin sind Krankentransporte bei medizinisch notwendiger Überstellung ins nächstgelegene geeignete Krankenhaus geregelt.“ In diesem speziellen Fall handle es sich jedoch um den Einsatz eines Spezialfahrzeugs, das nicht in der Vereinbarung enthalten sei. Der Betroffene könne sich aufgrund seiner sozialen Bedürftigkeit jedoch an den kasseneigenen Unterstützungsfonds wenden.

Gänserndorfs Rotkreuz-Geschäftsführer Wolfgang Antos sieht in diesem speziellen Transportproblem eher einen Einzelfall: „Unsere Sanitäter haben eigentlich keine Schwierigkeiten mit der Beförderung von adipösen Patienten, bei Schwergewichtigen wird einfach ein zweites Team angefordert.“ In diesem speziellen Fall sei jedoch das Material (Trage, Transportsessel und Fixierungsgurte) aufgrund von Größe, Volumen und Gesamtgewicht des Patienten an seine Grenzen gelangt. Einen ähnlichen Fall habe es zuletzt vor fünf Jahren gegeben.

Gänserndorfs Rotkreuz-Geschäftsführer Wolfgang Antos sieht generell kein Transportproblem.  |  NÖN

Markus Wieninger, Organisationsleiter beim Samariterbund, hat sich auf schwergewichtige Patienten spezialisiert: „Personen, die in kein gewöhnliches Rettungsauto passen, können von uns mit einem speziell angefertigten Notarzt-Lkw transportiert werden.“ Da die Kasse die Kosten nicht übernehme, sei die Organisation bei der Einmahnung der offenen Beträge kulant und gewähre ein langes Zahlungsziel.