Bangen um Rübenertrag wegen Rüsselkäfer. Bauern uneins bei Insektizid. Zuckerfabrik erwägt, Kampagne einzustellen.

Von Ulla Kremsmayer. Erstellt am 15. Mai 2019 (05:04)
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Während die einen heftige Ernteausfälle beklagen und den Einsatz von Neonicotinoiden zur Bekämpfung des Rübenrüsselkäfers befürworten, verzeichnen die anderen wiederum weniger Ausfälle als im vergangenen Jahr.

Franz Fleckl, Bauer aus Waidendorf, zeigt die Bilder der Verwüstung: Wenige Tage, nachdem die Rübenpflanzen aus der Erde gesprossen sind, sind sie auch schon wieder aufgefressen – der Rüsselkäfer hat zugeschlagen. Die Ausfälle seien so groß, versichert Fleckl, dass sogar die Zuckerfabrik Leopoldsdorf erwägt, ihre heurige Kampagne einzustellen. Vorige Woche hielt der Rübenbauernbund für Niederösterreich und Wien, der die Interessenvertretung von rund 4.600 Rübenbauern darstellt, seine Generalversammlung ab.

Präsident Ernst Karpfinger, Bauer aus Baumgarten an der March, beklagte im Zuge dessen die Ergebnisse des Vorjahres. Ein mehr als halbierter Zuckerpreis, das Verbot des wichtigsten Insektizids, dazu die klimatischen Veränderungen wie sommerliche Temperaturen im Frühling und mangelnder Regen im Sommer hätten den meisten Rübenbauern den Ertrag gekostet. Viele hätten sogar Geld zur Produktion dazulegen müssen. Nicht verwunderlich, dass heuer bereits ein Rückgang des Anbaues um rund 20 Prozent zu verzeichnen sei. Einer der größten Fehler der EU sei das Totalverbot der Neonicotinoide, des berüchtigten Bienengiftes, gewesen.

"Wer heimischen Zucken haben will, muss auch Produktionsmittel zur Verfügung stellen"

Beim Rübenbau sei aber nur das Saatgut damit umhüllt beziehungsweise „gebeizt“ worden. Die Rübe blühe nicht, und somit sei keine Biene gefährdet. Die Rübenbauern haben nun eine – in den Vorwochen heftig diskutierte – Notfallszulassung erwirkt. „Wer heute verlangt, im Pflanzenschutz das Rad der Zeit zurückzudrehen, der vergisst, wie die sogenannten guten alten Zeiten waren. Es gab Mangelernährung, Ernteausfälle, schwere Arbeit und geringe Lebenserwartung“, mahnt Karpfinger und appelliert: „Wer weiterhin heimischen Zucker haben will, muss auch die Produktionsmittel zur Verfügung stellen.“ Das Problem hätten auch die Biobauern, denn auch bei ihnen erntet zunehmend der Rüsselkäfer.

„Das stimmt so nicht“, entgegnet Bio-Obmann Otto Gasselich aus Lassee. Im Vorjahr gab es ordentliche Ausfälle, heuer gar nicht. Und die „Neonics“ würden auch gegen diesen Nimmersatt nichts nützen. Denn bevor sich das Gift in der Pflanze ordentlich verteilt hätte, wären die jungen Blätter bereits aufgefressen. „Stimmt nicht“, kontert der Rübenbauern-Geschäftsführer, „Neonics helfen sofort, das bestätigen alle Bauern.“ Gasselich betont jedenfalls, dass in der Gemeinde Lassee, in der mehr als 60 Prozent Bio-Rüben gedeihen, der Befall wohl auch deshalb weitaus geringer sei, weil sich Nützlinge besser entwickeln können. Die Diskussion wird weitergehen.

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