Lassee zeigt vor wie Arbeitsmarkt-Integration geht. In der Marchfelder Gemeinde werden Menschen mit Behinderung nach Fähigkeiten eingesetzt.

Von Sandra Frank. Erstellt am 25. April 2019 (07:25)
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Martin Kowatschek (3.v.l.) führte Amtsleiterin Anna Keiler, Jobcoach Silvia Csapo, AMS-ChefAlfred Walbert, Arbeitsassistentin Verena Denk und Bürgermeister Karl Grammanitsch (v.l.) seinen E-Lastenrad gerne vor.

1.415 behinderte Personen will das AMS NÖ heuer in einer nachhaltigen Arbeitsaufnahme unterstützen. Im Bezirk ist das Ziel, 75 solcher Personen zu vermitteln. Landesweit werden vom AMS 4,3 Millionen Euro an Lohnkostenförderung für Unternehmen bereitgestellt, die Jobsuchende mit einer Begünstigung nach dem Behinderteneinstellgesetz oder mit einem Behindertenpass anstellen.

Das sind die Zahlen. Doch wie sieht’s in der Realität aus? „Es ist super, da zu arbeiten“, sagt Martin Kowatschek, Mitarbeiter der Marktgemeinde Lassee. Sein Revier ist der Bauhof. Dort ist er bereits seit 2009 im Einsatz. Er ist für die Grünraumpflege zuständig. Am Freitag dreht er mit dem E-Lastenrad seine Runden, um die Mistkübel auszuleeren.

„Die Gemeinde Lassee ist hier sehr, sehr sozial eingestellt“, führt Alfred Walbert, Geschäftsstellenleiter des AMS Gänserndorf, Lassee als Vorzeige-Gemeinde an. Insgesamt beschäftigt sie drei Menschen mit Behinderung. „Diese Leute haben es besonders schwer, wieder Fuß zu fassen, wenn sie einmal arbeitslos geworden sind“, weiß Walbert, wie wichtig eine nachhaltige Integration in der Arbeitswelt ist.

„Wir machen das seit 20 Jahren und sehen es als unseren sozialen Auftrag“, meint Bürgermeister Karl Grammanitsch. „Wir kennen die Leute und wissen, wie wir sie am besten einsetzen“, ist es ihm wichtig, Betroffenen aus seiner Gemeinde eine Perspektive zu geben.

Probleme habe es nie gegeben. Ganz im Gegenteil: „Wir hatten früher eine Dame mit Epilepsie. Jeder wusste Bescheid und hat geholfen, wenn sie Anfälle hat. Das hat alle zusammengeschweißt“, erinnert sich Grammanitsch. „Es gibt Berührungsängste mit dem Unbekannten, wie überall im Leben. Aber wenn man‘s macht, dann klappt es meistens“, weiß Walbert aus seiner Erfahrung.

Nach einer erfolgreichen Vermittlung werden die Arbeitgeber weiter unterstützt: Silvia Csapo ist Jobcoach der Caritas. Sie sieht nach dem Rechten, hilft, wenn es Kommunikationsprobleme gibt. „Ich komme nach Bedarf“, ist Csapo flexibel und besucht den Betrieb auf Anfrage. „Ich kann’s nur jedem ans Herz legen“, hofft Grammanitsch, dass andere Gemeinden es seiner gleichtun und Menschen mit Behinderung eine Chance geben.

Übrigens: Während die Zahl der behinderten Jobsuchenden in Niederösterreich leicht angestiegen (+3,4 %) ist, kann der Bezirk ein besseres Ergebnis vorzeigen: Bei behinderten Menschen ist die Arbeitslosigkeit im März um 3,6 Prozent gesunken.

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