Missbrauchs-Vorwurf: Ex-Stadtrat wartet auf den Prozess

Erstellt am 28. März 2018 | 04:51
Lesezeit: 2 Min
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr
440_0008_7170633_mar07mar_justizanstalt.jpg
Der Marchfelder sitzt in der Justizanstalt Korneuburg in Untersuchungshaft. Eine betroffene Mutter ist von seiner Unschuld überzeugt.
Foto: NÖN
Strafverteidiger des Beschuldigten geht davon aus, dass in zwei Monaten die Hauptverhandlung stattfinden wird.

Der am 1. Februar festgenommene ehemalige VP-Stadtrat – wie berichtet, soll er einen 13-jährigen Burschen sexuell schwer missbraucht haben – sitzt weiterhin in Untersuchungshaft. Sein Strafverteidiger, Roland Friis, geht nun im NÖN-Gespräch davon aus, dass es in etwa zwei Monaten zum Gerichtsprozess kommen könnte.

Was geschah eigentlich zuletzt? Friis: „Sechs Jugendliche wurden kontradiktorisch einvernommen, wobei nur einer behauptet, dass es zu strafrechtlichen Handlungen kam. Meiner Meinung nach ist dieser Bursch aber nicht glaubwürdig.“ Warum? „Wenn man seine Version mit Puppen nachstellt, kann es so nicht passiert sein. Das ist technisch unmöglich.“ Sechs strafrechtlich relevante Ereignisse soll es gegeben haben – so der Vorwurf.

„Dann entscheidet ein Schöffengericht, ob mein Mandant schuldig oder unschuldig ist.“ Roland Friis, Strafverteidiger

Der Strafverteidiger ist trotzdem nach wie vor von der Unschuld seines Mandanten überzeugt. Wie geht es diesem in der Untersuchungshaft? Friis: „Natürlich nicht gut.“ Was macht man in so einer langen Zeit in U-Haft, außer die Stunden zu zählen? „Lesen und fernsehen.“ Viel mehr Möglichkeiten habe man dort nicht.

440_0008_7180594_mar08mar_friis_2sp.jpg
Strafverteidiger Roland Friis
Foto: privat

Wie geht es jetzt weiter? Friis: „Es wird noch weitere Befragungen von Personen geben. Ich schätze, dass dann in etwa zwei Monaten die Hauptverhandlung sein wird. Dann entscheidet ein Schöffengericht, ob mein Mandant schuldig oder unschuldig ist.“ Selbst wenn sich Letzteres herausstellt, wäre der Marchfelder seelisch ruiniert: „Er würde 30 Euro pro Tag Entschädigung bekommen.“ Den Image-Schaden könne man mit Geld aber nicht aufwiegen. Wird der Beschuldigte verurteilt, drohen ihm bis zu zehn Jahre Haft.

Zur Erinnerung: In der Wohnung des Ex-Stadtrats gingen jahrelang zahlreiche Jugendliche ein und aus. Der damalige Politiker argumentierte stets damit, dass er sich ehrenamtlich um Kids, die aus schwierigen häuslichen Verhältnissen stammen, kümmere.