Eva Zillinger: „Irgendwie fehlt etwas“. Direktorin des Gänserndorfer Gymnasiums kritisiert zu radikale Einschnitte.

Von Manuel Mattes und Hedwig Mohsburger. Erstellt am 15. April 2020 (04:09)
Nicht glücklich mit der „Matura light“: Gym-Direktorin Eva Zillinger.
NÖN

In die Erleichterung, dass nun endlich eine Maturavariante auf dem Tisch liegt, mischen sich durchaus auch kritische Gedanken. Wie jene von Eva Zillinger: „Nun, von Planungssicherheit würde ich nicht gerade sprechen, dazu sind viel zu viele Fragen noch offen“, sagt die Direktorin des Gänserndor fer Konrad-Lorenz-Gymnasiums.

So gebe es etwa noch keine Info, wie die „gezielte Vorbereitung auf die Reifeprüfung“ aussehen soll: „Wir haben keinerlei Information, ob in diesen drei Wochen der Vorbereitung auch andere Fächer als die Maturafächer unterrichtet werden; wir haben keine Information, wie Jahresnote und Maturanote kombiniert werden; wir wissen auch nicht, ob es Vermerke im Maturazeugnis geben wird – zumindest für diejenigen, die doch – freiwillig – mündlich maturieren wollen.“

„Mit den Maturaregeln ist jetzt mitten in den Osterferien die Unsicherheit größer geworden.“ Elisabeth Populorum, HAK-Schülerin

Sie persönlich sei mit dieser „Matura light“-Lösung nicht glücklich, sagt Zillinger: „Man bereitet junge Menschen acht Jahre auf etwas vor und dann fehlt irgendwie doch der geplante Abschluss. Es ist, wie wenn man monatelang für einen Marathon trainiert und dann erfährt, dass der Lauf nur zehn Kilometer lang ist, man aber trotzdem eine Medaille für den absolvierten Marathon umgehängt bekommen wird.“

Warum die vierte Klausur gestrichen wurde, ist für Zillinger ebenso unverständlich wie der Entfall der mündlichen Matura. „Man hätte eventuell ein bis zwei Themenbereiche kürzen können, aber ganz streichen?“ Gleiches gelte für die VWA-Präsentationen. „Gemeinsam mit der mündlichen Reifeprüfung wäre das für die meisten jungen Leute das erste Mal gewesen, dass sie sich vor einer Kommission präsentieren dürfen und somit in einem halbwegs vertrauten Rahmen etwas Wichtiges für später üben“, sagt die Direktorin und bedauert: „Diese Gelegenheit nimmt man ihnen jetzt zur Gänze.“

„Für mich ist der jetzige Stand optimal“

Schauplatzwechsel. „Wir werden die Maturavorbereitung entweder in der großen Aula oder im Turnsaal machen, weil ja keine anderen Schüler im Haus sind“, erläutert die Direktorin der HAK Korneuburg, Gerlinde Tatzber. Vor der Schlusskonferenz am 18. Mai haben die 58 Maturanten noch eine Schularbeit zu schreiben. Mit der Betriebswirtschaftlichen Fachklausur startet dann am 25. Mai die Matura.

Glücklich mit dem Eifer ihrer Schüler: HAK-Direktorin Gerlinde Tatzber.
privat

Den Kandidaten zollt Tatzber großes Lob für das bisherige Engagement. Schüler, deren Noten „fraglich“ waren, hätten sich durch Zusatzarbeiten verbessert. Nun sei wichtig, dass rasch auch alle Detailfragen geklärt werden; etwa: Wer entscheidet, welches dritte Fach geprüft wird?

„Für mich persönlich ist der jetzige Stand der Regelung optimal“, sagt Maturant Tobias Pintarich aus Stetten. „Fair und den Kandidaten entgegenkommend“, nennt Alexander Widhalm aus Niederhollabrunn die Lösung. Die Langenzersdorferin Elisabeth Populorum findet hingegen: „Mit den Maturaregeln ist jetzt mitten in den Osterfe rien die Unsicherheit größer geworden.“ Denn es fehlten noch die Detailinformationen, welche Fächer tatsächlich schriftlich geprüft werden.

Die Verlängerung der Vorbereitungszeit sehen sie alle als sinnvoll an. Im Unterricht sei es deutlich einfacher, schwierigeren Lehrstoff zu verstehen und erklärt zu bekommen, so Widhalm. Einen unterschiedlichen Zugang haben die drei Kandidaten bei der Zusammensetzung der Maturanoten: Man habe auf die Matura hingearbeitet und den Jahresnoten keine hohe Priorität gegeben, erklärt Populorum. Ihr Wunsch: „Wenn schon, dann sollte man den Schnitt aus allen fünf Jahren nehmen.“

Er habe schon in der Schulzeit viel für die Noten „gestrebert“ und könne somit auch die Früchte dieser Arbeit ernten, meint Widhalm, während Pintarich verweist: „Für Schüler, die mit ihren jetzigen Notenständen nicht zufrieden sind, gibt es ja die Möglichkeit, die mündlichen Prüfungen abzulegen.“