Deutsch-Wagramerin fühlt sich „papierlt“. Darf Bürgerin wegen Karton nicht mehr beim Testen helfen? Stadtbaudirektor: „Das war ganz anders.“

Von Robert Knotz. Erstellt am 28. April 2021 (03:39)
Ein Karton, der unsachgemäß neben einem Altpapierkübel abgestellt war, war Auslöser für eine Kettenreaktion.
NOEN

Eine Deutsch-Wagramerin (Name der Redaktion bekannt) fühlt sich von der Stadtverwaltung ungerecht behandelt: „Weil der Altpapiercontainer vor meinem Haus voll war, habe ich einen Karton mit feinsäuberlich geschlichtetem Altpapier daneben hingestellt. Das war bisher so üblich. Ich wohne 30 Jahre hier und die Extra-Kartons wurden immer mitgenommen.“

Das soll allerdings diesmal nicht passiert sein. Im Zuge eines Anrufes am Stadtamt habe man der Bürgerin erklärt, dass das Mitnehmen von Extra-Kartons durch die gemeindeeigene Müllabfuhr aufgrund von Überlastung und Fahrzeugmangel nicht mehr möglich sei. „Sicher habe ich in dem Gespräch darauf etwas forsch gesagt, dass die alte Garde der Müllabfuhr wohl mehr Energie als die neuen Mitarbeiter gehabt haben muss“, schildert die Frau. Ein Bediensteter der Stadt soll einige Tage später mit einem Pritschenwagen beim Nachbargrundstück angehalten haben und ein Foto von dem abgestellten Karton gemacht haben.

Auf die Frage der Frau, ob er ihn jetzt mitnehmen würde, soll der Bedienstete geantwortet haben, dass er dies nur dokumentieren würde. „So viel zu Überlastung und Fahrzeugmangel“, ärgert sich die Deutsch-Wagramerin. Erst nach einem Anruf bei ÖVP-Bürgermeister Friedrich Quirgst soll der Karton abgeholt worden sein. Der Stadtchef soll dabei klargestellt haben, dass Extra-Kartons nicht mehr mitgenommen werden bzw. im Altstoffsammelzentrum im Bauhof abgegeben werden könnten.

Hilfe bei Teststraße nicht mehr erwünscht

„In Zeiten von Corona sollen Kontakte eingeschränkt werden. Auch im Bauhof ist die Gefahr einer Ansteckung gegeben“, meint die Frau. Apropos: Die Deutsch-Wagramerin hilft schon seit Beginn der Pandemie freiwillig in der Teststraße mit. Aufgrund des Vorfalls mit dem Karton teilte ihr Stadtbaudirektor Jürgen Priemayr via E-Mail (Text liegt der Redaktion vor) mit, dass die Dame sich beim Mitarbeiter des Bauhofes für die Aussage mit der „alten Garde“ zu entschuldigen habe und dass ihre Hilfe bei der Teststraße nicht mehr erwünscht sei.

„Ich vermute dahinter andere Gründe. Seit Kurzem bekommen die Helfer in der Teststraße zehn Euro pro Stunde als Aufwandsentschädigung. Eigenartigerweise sieht man in der Teststraße nur mehr Gesichter von Angehörigen und Freunden von Stadtbediensteten und Politikern“, schließt die Frau.

Priemayr sieht die Sache naturgemäß anders: „Erstens handelte es sich nicht nur um einen, sondern um mehrere Kartons. Die Menge ging über ein normales Maß hinaus.“ Was die Corona-Teststraße betrifft, meint der Stadtbaudirektor: „Seit Beginn der permanenten Teststraßen bekommt jeder Helfer diese zehn Euro Aufwandsentschädigung – so auch diese Dame.“ Der Vorwurf, dass man unter den Helfern nur Gesichter von Angehörigen und Freunden von Stadtbediensteten und Politikern sehe, stimme auf keinen Fall: Bürger aus Aderklaa, Glinzendorf und anderen Gemeinden würden bei den Tests mitarbeiten.

Warum ist die Frau dann nicht mehr erwünscht? „So, wie sie mit unseren Mitarbeitern redet und dann vielleicht neben ihnen in der Teststraße sitzt, wird das nichts“, so Priemayr.