Mutter im Clinch mit Krankenhaus

Erstellt am 18. Februar 2014 | 23:59
Lesezeit: 4 Min
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr
Web-Artikel 3876
Foto: NOEN, Pfabigan
EBENTHAL / Mistelbacher Spital soll Erkrankung der Tochter nicht erkannt haben. Die beschuldigten Mediziner weisen Kritik entschieden zurück.

Tamara Berger ist mehr als sauer: „Meine Tochter Katharina war kürzlich im Krankenhaus Mistelbach stationär in Behandlung. Meiner Meinung nach ist es ein Wahnsinn, wie dort vorgegangen wurde.“ Die Ebenthalerin hat auch eine Sachverhaltsdarstellung an die NÖ Patientenanwaltschaft geschickt. Die geht nun den Vorwürfen nach.

Was genau war passiert? Katharina (10) rief von der Mittelschule aus weinend ihre Mutter an. Sie klagte über heftige Bauchschmerzen an der rechten Seite. Berger erinnert sich: „Ich holte sie sofort ab. Das Kind hatte neben den Schmerzen auch 38,7 Grad Fieber.“

Hausarzt  überwies ins Krankenhaus Mistelbach

Noch am selben Nachmittag suchten Mutter und Tochter eine diensthabende Allgemeinmedizinerin auf. Die meinte, es könnte sich um eine Magen-Darm-Verstimmung handeln. Sollten die Schmerzen bleiben, sollten die beiden am nächsten Tag ihren Hausarzt aufsuchen.

Berger: „Am Abend hatte meine Tochter dann zweimal erbrochen, auch die rechtsseitigen Bauchkrämpfe besserten sich nicht. Am nächsten Tag suchten wir unseren Hausarzt auf.“ Der tippte auf eine Blinddarmentzündung und überwies Katharina ins Krankenhaus Mistelbach.

Aufnahme: Verdacht auf Blinddarmentzündung 

„Dort angekommen wurde meine Tochter sofort von einem sehr kompetenten Oberarzt untersucht.“ Das Ultraschall-Ergebnis war zwar nicht aussagekräftig, der Mediziner nahm das Kind aber mit Verdacht auf Blinddarmentzündung stationär auf. „Er sagte, dass es zu 90 Prozent der Blinddarm ist.“

Auf der Kinderstation fühlte sich Tamara Berger dann weniger wohl: „Meine Tochter wurde hier ziemlich oberflächlich behandelt.“ Was die Ebenthalerin auch kritisiert: „Man gab ihr Schmerzmittel, bevor der Chirurg den Bauch abtastete. Klar, dass die Schmerzen dann leichter waren, als der Chirurg seine Untersuchung vornahm. Weil sein Drücken kaum wehtat, lehnte er eine Operation ab.“

Blutbefund zeigte keine erhöhten Werte

Ein Bluttest brachte keine erhöhten Entzündungswerte zum Vorschein. Die Schmerzen wurden indes wieder stärker: „Dies schob man auf den angeblichen Magen-Darm-Infekt. Eine Blinddarmentzündung wurde mittlerweile völlig ausgeschlossen, weil keine Zeichen im Blut sichtbar wären. Und im Übrigen sollten wir doch froh sein, dass nicht operiert werden müsste.“

Berger empört: „Ich wurde als hysterisch hingestellt und meine Tochter als wehleidig. Am nächsten Vormittag wurde Katharina mit der Diagnose Magen-Darm-Infekt entlassen.“ Gegen 15 Uhr spitzte sich die Lage wieder zu. Das Kind krampfte und weinte. Berger fuhr umgehend ins Wiener SMZ-Ost. Auch hier wurde die 10-Jährige mit Verdacht auf Blinddarmentzündung stationär aufgenommen.

Berger will künftig das Mistelbacher Spital meiden

Obwohl Ultraschall-Untersuchung und Blutbefund erneut nicht aussagekräftig waren, entschieden sich die Wiener Ärzte für eine OP. Berger: „Die dauerte im Endeffekt zwei Stunden, weil während der Operation nicht nur ein entzündeter Blinddarm festgestellt wurde, sondern auch Darmverwachsungen sowie ein Leistenbruch. Zum Glück konnte gleich alles auf einmal behoben werden.“

Für die Ebenthalerin steht somit fest: „Die betroffenen Mediziner in Mistelbach agierten desinteressiert, inkompetent und zum Teil sogar menschenverachtend.“ Berger will künftig das Mistelbacher Spital meiden: „Das vorbildliche Verhalten der Mitarbeiter im SMZ-Ost hat mich jedoch wieder daran erinnert, wie man sich fühlt, wenn auch die Ängste und vor allem die Schmerzen von Kindern ernst genommen werden.“

Spital: „Es gab keine Blinddarmentzündung“ 

Was sagt nun das Krankenhaus Mistelbach zu den Vorwürfen? „Das Mädchen hat bei uns alle erforderlichen Untersuchungen erhalten, um eine eventuelle Blinddarmentzündung abzuklären. Zum Untersuchungszeitpunkt konnte keine Blinddarmentzündung festgestellt werden, es wurde ein Magen-Darm-Infekt diagnostiziert.“ Und weiter: „Das Mädchen wurde dementsprechend behandelt und bestmöglich versorgt. Bei deutlich verbessertem Allgemeinzustand wurde es entlassen.“

Die Leiterin der Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde, Primaria Jutta Falger, bedauert, dass „die Familie während des stationären Aufenthalts weder den Ärzten noch der Pflege gegenüber ihre Beschwerden formuliert hat und uns damit eine Klärung unmöglich war“. Falger versteht aber die emotionale Betroffenheit der Familie aufgrund der Sorge um die Gesundheit des Kindes, betont jedoch, dass medizinische Diagnostik und Pflege korrekt abgelaufen sind.