Rohrweihe durch illegale Schüsse verletzt. Am Donnerstag wurde eine illegal angeschossene Rohrweihe in die von "Vier Pfoten" geführte Eulen- und Greifvogelstation Haringsee (EGS) gebracht. Sie hatte drei Schrotkugeln im Körper, zwei im Flügel und eine im Rumpf.

Von Redaktion noen.at. Erstellt am 14. Mai 2019 (09:49)
VIER PFOTEN
Noch ist nicht sicher, ob die Kugeln entfernt werden können

Autofahrer hatten sie an der A4 im Bereich Nickelsdorf neben der Fahrbahn gesichtet. Sie kehrten extra um, um den Vogel zu bergen und brachten ihn zur Polizeistation Nickelsdorf. Von dort hat ihn ein Mitarbeiter der EGS abgeholt.

„Da der Vogel neben der Straße gefunden wurde, sind wir zuerst von einer Verletzung durch einen Zusammenstoß mit einem Auto ausgegangen“, erzählt VIER PFOTEN Expertin Brigitte Kopetzky. „Die Rohrweihe hatte eine dicke Schwellung und einen Bluterguss am rechten Flügel. Erst nach Rückgang der Schwellung war ein deutliches Einschussloch zu sehen.“

Ob es überhaupt möglich sein wird, die Kugeln operativ zu entfernen, wird sich in den nächsten Tagen entscheiden.

VIER PFOTEN
Flügel und Rumpf der Rohrweihe wurden angeschossen

„Dieser Fall ist leider ein neuerlicher Hinweis, der vermuten lässt, dass der Artenschutz in gewissen Kreisen der Jägerschaft keinen hohen Stellenwert hat“, kritisiert der wissenschaftliche Leiter der EGS Haringsee, Hans Frey. „Rohrweihen sind nämlich seltene Brutvögel in Österreich. Durch ihren bodennahen Flug sind sie bedauerlicherweise besonders häufig Opfer von illegalen Schussattacken.“

Der Einfluss von Rohrweihen auf das Niederwild, z.B. Hasen und Fasane wird laut Frey von Jägern bei weitem überschätzt: „Die Hauptnahrung dieser Greifvögel sind Mäuse und Kleinvögel. Als Bodenbrüter haben es Rohrweihen besonders schwer, in unserer heutigen Agrarlandschaft zu überleben. Deshalb ist der Verlust von jedem einzelnen Vogel sehr bedauerlich.“

Der Vorfall wurde der Meldestelle gegen illegale Greifvogelverfolgung von Birdlife gemeldet, die dann Anzeige bei der Polizei erstattete.