Ausstellung im Museumsdorf: Maria wachte über Schlaf. Eine Sonderausstellung in Niedersulz zeigt, welche Bilder früher über Betten hingen.

Von Edith Mauritsch. Erstellt am 15. Mai 2021 (04:17)
Geschäftsführer Christoph Mayer, wissenschaftliche Leiterin Veronika Plöckinger-Walenta und ÖVP-Bürgermeisterin Angela Baumgartner bei der Sonderausstellung „Schlafzimmerbilder“. 
Mauritsch

Wer beim Thema der heurigen Sonderausstellung im Museumsdorf an etwas Erotisches denkt, ist auf dem Holzweg. Unter dem Titel „Schlafzimmerbilder – Zeugnisse populärer Frömmigkeit“ zeigt das Museumsdorf eine Auswahl von Christus- und Mariendarstellungen. Bilder, die bis vor gar nicht so langer Zeit ober den Betten hingen. Darunter sind auch Bilder, die dem Museumsdorf als Schenkung nach einem entsprechenden Aufruf überlassen wurden.

Wissenschaftliche Leiterin Veronika Plöckinger-Walenta berichtet: „Die Bilder im „Handtuchformat“ ahmen historische Gemälde nach und zeigten bestimmte religiöse Motive. Mariendarstellungen mit Kind oder Jesus als anklopfender Hirte fanden sich häufig. Die Stuben waren niedrig, das Format 52 mal 120 Zentimeter war deswegen sehr beliebt. Schutzengeldarstellungen hängte man vorzugsweise über Kinderbetten auf. Ein häufiges Motiv waren Kinder am Abgrund, dahinter der Schutzengel, der die Kinder vor Gefahren beschützt.“

Ölgemälde blieben jahrhundertelang adeligen Wohnsitzen und bürgerlichen Haushalten vorbehalten. Technische Verbesserungen machten ab der Mitte des 19. Jahrhunderts den Druck von Bildern möglich und diese somit günstiger. Durch diese Massenproduktion waren sie auch in Bauern- Handwerker- und Arbeiterfamilien weit verbreitet. Fahrende Händler verkauften die Bilder fertig gerahmt an der Haustüre. Billig waren sie trotzdem nicht. Sie kosteten ungefähr zwei Monatslöhne einer Magd.

Die Ausstellung ist noch bis 1. November im Pfarrhof-Saal am Dorfplatz zu sehen.