Ort atmet auf

Erstellt am 11. Dezember 2012 | 00:00
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Von Erich Wessely Ein Jahr nach dem brutalen Doppelmord an einem Pensionisten-Ehepaar in Obersiebenbrunn ist der schwierige Fall nun geklärt. Ein 35-jähriger Slowake legte ein umfassendes Geständnis ab.
Die Erleichterung in der Marchfeldgemeinde ist groß.

OBERSIEBENBRUNN / „Eine gewisse Erleichterung ist schon da“, beschreibt Bürgermeister Kurt Steindl seine Gefühlslage im Gespräch mit der NÖN. So wie ihm geht es wohl vielen anderen in Obersiebenbrunn, der rund 1.700 Einwohner zählenden Gemeinde im Marchfeld.

„In der Anfangszeit nach dem Doppelmord war die Unsicherheit riesig“, erinnert sich Steindl. „Vor allem bei Spaziergängen in den Abendstunden hatte man ein mulmiges Gefühl. Wenn so eine fürchterliche Tat in der unmittelbaren Nachbarschaft passiert, machen sich die Leute natürlich ihre Gedanken: Was ist, wenn man den Täter kennt? Jetzt hat man den Mörder Gott sei Dank erwischt. Ein Aufatmen in der Bevölkerung ist spürbar.“

Rückblende: Es war Dienstag, der 13. Dezember 2011. Wie üblich wollte einer der beiden Söhne des Pensionisten-Ehepaars seine Eltern Erika (81) und Gerhard N. (77) in ihrem Haus besuchen. Als er die Tür öffnete, bot sich ihm ein Bild des Grauens: Die Mutter lag mit blutüberströmtem Gesicht leblos am Vorzimmerboden, den Vater fand er in dem auf dem Grundstück befindlichen Schuppen vor. Auch er wies blutige Kopfverletzungen auf. Der Sohn (51) verständigte die Polizei, die sofort die Ermittlungen aufnahm. Die Autopsie ergab, dass die Frau mit 20 Messerstichen im Kopf- und Halsbereich regelrecht hingerichtet wurde, die Leiche des Mannes zeigte ebenfalls eine massive Gewalteinwirkung im Kopfbereich. Der Pensionist wurde mit einer Rohrzange erschlagen.

Viele Rätsel: Monate mühsamer Ermittlungen 

 

Monate mühsamer Ermittlungsarbeit sollten folgen. Sichergestellte DNA-Mischspuren erwiesen sich als unbrauchbar, die Tat gab viele Rätsel auf. Zum einen die Brutalität bei der Tötung und zum anderen suchte sich der Täter gerade das desolateste Haus in der Siedlung aus, wo wenig bis gar kein Vermögen zu holen ist (gestohlen wurde eine geringe Menge an Bargeld und Schmuck).

Schließlich vor wenigen Wochen der entscheidende Durchbruch: Ein Tatverdächtiger wurde nach einem weiteren Doppelmord in der Slowakei festgenommen. Die Ermittler des Landeskriminalamts NÖ wurden hellhörig. Eine Rufdatenrückerfassung ergab, dass derselbe Mann zum Tatzeitpunkt mit einem Handy in Obersiebenbrunn telefonierte. Das geraubte Handy der ermordeten Eheleute wurde im Bekanntenkreis des Verdächtigen sichergestellt.

Am vergangenen Dienstag legte der Verdächtige, Ladislav S. (35), in Bratislava ein umfassendes Geständnis ab: Laut Polizei gab der mutmaßliche Vierfachmörder beim Verhör an, am Tag der Tat mit dem Zug von Wien in Richtung Bratislava gefahren zu sein. In Obersiebenbrunn wurde er von einem Schaffner aus dem Zug verwiesen, weil er keinen Fahrschein hatte. Nach fehlgeschlagenen Versuchen, bei verschiedenen Wohnhäusern um Geld zu betteln, verschaffte er sich Zutritt ins Haus des Pensionisten-Ehepaares. Dort tötete er zuerst den Mann und dann auf brutalste Weise die Frau. Anschließend verließ er den Tatort via Zug nach Bratislava. Den erbeuteten Schmuck - Goldketten, Armbänder und Goldmünzen - verkaufte er in der Slowakei bei verschiedenen Pfandleihgeschäften. Das geraubte Mobiltelefon verscherbelte er an einen Bekannten. Als Motiv führte der 35-Jährige finanzielle Schwierigkeiten an.

„Der entscheidende Faktor waren Ermittlungen rund um das geraubte Handy“, so Chefermittler Leopold Etz vom LKA gegenüber der NÖN. Da mögliche weitere Verbrechen auf das Konto des 35-jährigen Slowaken gehen könnten, ersucht die Landespolizeidirektion NÖ unter der Telefonnummer 059133-30-3333 um weitere Hinweise.

Der geständige Slowake Ladislav S. soll ein Vierfachmörder sein.

Mörder gefasst:

Verdächtiger in Haft / Brutale Bluttat in Obersiebenbrunn aufgeklärt:

 

Bürgermeister Kurt Steindl: „In der Anfangszeit nach dem Doppelmord war die Unsicherheit riesig.“

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