Junger Steinkauz in Karton auf Mistplatz "entsorgt". Ein Rascheln, das sie beim Spaziergang mit ihrem Hund von einem nahen Mistplatz vernahm, hat eine Spaziergängerin in Parndorf (Bezirk Neusiedl am See) stutzig gemacht. Die Frau sah nach und fand einen Karton, in dem sich ein kleiner Steinkauz befand. Das Tier wird nun in der Eulen- und Greifvogelstation Haringsee (EGS) aufgezogen, berichtete die Tierschutzorganisation "Vier Pfoten" am Mittwoch.

Von APA, Redaktion. Erstellt am 03. Juni 2020 (09:50)
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Der kleine Steinkauz habe körperlich keine Schäden davongetragen und habe nun auch wieder Gesellschaft: "Er wurde in der EGS zu Ammeneltern der gleichen Tierart gesetzt. Von diesen Zieheltern wird er nun aufgezogen, bis er fit für die Freiheit ist", schilderte Brigitte Kopetzky von "Vier Pfoten".

Warum das Tier dort ausgesetzt wurde, ist unklar. Vorfälle mit jungen Eulen seien jedoch nicht ganz ungewöhnlich, da diese in der Nacht mit ihren Eltern ziemlich laut kommunizieren, erläuterte Kopetzky.

Diese nächtliche Unruhe stoße leider manchmal auf Unverständnis bei Anrainern. So sei erst kürzlich im Burgenland eine Zwergohreule wegen nächtlicher Ruhestörung illegal abgeschossen worden. "Wir hoffen, dass nicht auch unser Findling aus einem solchen Grund 'entsorgt' wurde", sagte Kopetzky. "Die nächtlichen Rufe von Eulen-Ästlingen dauern meist nur einige Tage, maximal wenige Wochen. Wir appellieren generell an die Toleranz von Anrainern, damit die Eulenbabys in Frieden aufwachsen können."

Steinkäuze sind laut "Vier Pfoten" eine seltene und bedrohte Art. Sowohl im Burgenland als auch in Niederösterreich gibt es spezielle Schutzprogramme. Dabei werden Nisthilfen für die bedrohten Eulen aufgehängt.

In der von "Vier Pfoten" geführten Eulen- und Greifvogelstation Haringsee konnte im Jahr 2019 1.851 Tieren geholfen werden. Alle jungen Eulen und Greifvögel wurden, wenn möglich, durch Ammeneltern der gleichen Art großgezogen und zu 90 Prozent wieder freigelassen. Auch Sumpfschildkröten, Igel, Fledermäuse und andere Kleinsäuger wurden fachmännisch versorgt und, wenn möglich, wieder in die Natur entlassen.