Ramsar-Zentrum

Erstellt am 11. September 2012 | 00:00
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Web-Artikel 715
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Von Erich Wessely Die Entscheidung, welche der beiden Gemeinden beim Ramsar-Zentrum zum Zug kommt, verzögert sich. Mittlerweile kursiert auch ein neuer Lösungsansatz, nämlich gleich zwei kleinere Zentren zu errichten.

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Marcheggs VP-Bürgermeister Gernot Haupt öffnet für die NÖN schon einmal die (Schloss-)Eingangstür zum möglichen Ramsar-Zentrum.Schwarz
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BEZIRK GÄNSERNDORF / Ganz so fix, wie das Weinviertel-Management vor einigen Monaten gegenüber der NÖN verlautbaren ließ, scheint die Entscheidung doch nicht zu sein. Damals hieß es, die Gemeinde Marchegg hätte sich bei der Standortfrage um das sogenannte Ramsar-Zentrum im Rennen gegenüber Hohenau durchgesetzt. Jetzt ist plötzlich wieder alles offen.

„Der Bund hat noch keine Entscheidung getroffen“, sagt Weinviertel-Manager Hermann Hansy. Das Groß-Projekt - im Raum steht eine Förderung von knapp über zwei Millionen Euro - ruhe aber derzeit ohnehin, da die periodischen EU-Fördermittel bereits ausgeschöpft seien. Erst 2015 könne man wieder EU-Mittel anzapfen.

Hansy macht aber keinen Hehl daraus, dass der Startschuss für das Ramsar-Zentrum im Bezirk Gänserndorf schon weit früher hätte fallen können: „Es gab eine Entscheidung für Marchegg. Dass von Hohenau dagegen Einspruch eingelegt wurde, war nicht gerade förderlich.“

Um die Wogen wieder zu glätten, wartet Hansy nun mit einem überraschenden Vorschlag auf: „Es besteht auch die Möglichkeit, zwei kleinere Zentren - in Marchegg und in Hohenau - zu errichten und wir hören zu streiten auf. Hohenau könnte aus dem tschechischen Programm und Marchegg aus dem slowakischen Programm gefördert werden. Das hätte für mich einen Charme.“ Hansy spricht von einer Art „Perlenschnur“ mit vielen, kleinen (Tourismus-) Attraktionen entlang March und Thaya.

Naturgemäß differenzierter sieht Hohenaus SP-Bürgermeister Robert Freitag den etwas undurchsichtigen Prozess um das Ramsar-Zentrum, der vor rund zwei Jahren startete: „Es begann damit, dass uns zehn Beispiele aus ganz Österreich vorgestellt wurden, wie ein mögliches Zentrum in unserer Region aussehen könnte. Damals versteifte man sich auf die Idee, ein altes Gebäude muss es sein, dass man dann mit viel Geld renoviert, obwohl derartige Zentren meist Neubauten sind.“ Für einige Zeit wurde von der Gemeinde deshalb der alte Hohenauer Schüttkasten forciert: „Dieser ist aber leider in privater Hand, da ist nichts zu machen.“

900 Quadratmeter groß solle das Objekt sein - so die Vorgabe. Freitag: „Um Synergieeffekte zu nutzen, haben wir mit einem privaten Architekten einen neuen Entwurf ausgearbeitet. So könnte man unser Veranstaltungszentrum, das Atrium, nutzen. Dort müsste man nichts verändern - Seminar- und Ausstellungsräume, Büros und ein großer Saal sind vorhanden.“

„Das würde nur 1,5 

Und Freitag weiter: „Zusätzlich zum 450 Quadratmeter großen Atrium könnte man in greifbarer Nähe einen Neubau mit den restlichen 450 Quadratmetern installieren. Es gibt diesen sehr guten Entwurf und die Kosten würden sich auf nur 1,5 Millionen Euro belaufen.“

Freitag betont: „Das Schloss Marchegg (ebenfalls als Ramsar-Zentrum in Diskussion, Anm.) gehört saniert, aber ich bin davon überzeugt, dass ein Ramsar-Zentrum in Hohenau die beste Wahl ist. Vom Anforderungskatalog her war Hohenau übrigens die einzige Gemeinde, die alle Kriterien erfüllen konnte, dazu zählt etwa auch ein Grenzübergang.“

„Problem: Zwei Zentren in unmittelbarer Nähe“ 

Überdies hätte es einen weiteren Vorteil, wenn Hohenau zum Zug käme: „Wenn man in Marchegg das Ramsar-Zentrum installiert, hätte man mit dem Nationalpark-Zentrum in Orth zwei Touristen-Anziehungspunkte in unmittelbarer Nähe.“ Da wäre es besser, die letzten weißen verbliebenen Tourismusflecken im Norden Niederösterreichs auszufüllen. Aber auch zwei kleinere Zentren, wie Hansy es vorschlägt, seien für Freitag eine Option.

Ganz anders wiederum sieht Marcheggs VP-Bürgermeister Gernot Haupt den Entscheidungsprozess: „Tatsache ist, dass viel Geld für eine Studie ausgegeben worden ist. Dabei erhielt Marchegg den Zuschlag.“ Man solle aufhören mit der Mär, ein derartiges Zentrum würde massenweise Touristen anlocken: „Das stimmt einfach nicht. Ein Ramsar-Zentrum wäre nur eine sinnvolle Ergänzung zu einem bereits bestehenden Angebot. Und da ist das Schloss Marchegg die geeignetste Wahl. Nirgends kann man besser direkt in die Au reingehen. Mit unserem Storchen-Hotspot haben wir zudem einen absoluten Tourismus-Magneten.“ Nicht der Bau, sondern der Erhalt eines solchen Zentrums sei nämlich kostenintensiv.

Wie die Entscheidung auch ausgehe, Haupt nehme die derzeitigen Diskussionen gelassen: „Wir sind sowieso gerade dabei, das Schloss zu renovieren. Ich mache das nicht von einem Ramsar-Zentrum abhängig.“ Kämpfen werde er aber weiter darum: „Zwei kleinere Zentren sind zwar eine nette Idee, aber das hört sich so an, wie wenn ich nur keinem wehtun will.“

um die millionenschwere Tourismusattraktion im Bezirk.

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