Urlaub hinter der Maske?. Das Motto für die zweite Hälfte 2020 werde lauten: Urlaub im eigenen Land. Diese Prognose geben alle Reisebüros ab.

Von Hedwig Mohsburger, Stefan Havranek, Belinda Krottendorfer und Florian Mark. Erstellt am 17. Mai 2020 (03:05)
Rudolf Busam jun. blickte einem erfolgreichen Jahr entgegen. Dann kam Corona.
privat

„Als Anfang des Jahres die ersten Meldungen aus China kamen, hat natürlich niemand gedacht, dass sich diese Geschehnisse auf uns alle auswirken werden“, blickt Rudolf Busam jun. von Busam Reisen in Lassee (Bezirk Gänserndorf) nachdenklich zurück.

Das Reisebüro sei ambitioniert ins Jahr gestartet, die Buchungslage war gut und ein außergewöhnlich erfolgreiches Jahr für das Unternehmen wurde erwartet. „Dass wir nur drei Monate später alle Reisen absagen werden und das gesamte Land stillsteht – damit hat niemand gerechnet.“

„Die Leute haben ihr Geld bekommen und keine Gutscheine. Das war uns sehr wichtig.“ Rudolf Busam jun., Busam Reisen, Lassee

Nicht alle Unternehmen werden die Krise überstehen, da ist Busam sicher. Er hofft, dass sich dadurch in der Touristik einiges ändern wird: Den Menschen müsse wieder bewusst werden, dass man um 29,90 Euro nicht nach Barcelona fliegen kann. Thomas Cook hätte es nicht einmal bis zur Coronakrise geschafft, die deutsche TUI würde es ohne Staatshilfen auch nicht mehr geben.

Natürlich sei auch Busams Unternehmen hart getroffen. „Momentan gehe ich noch nicht davon aus, zeitnah irgendwelche Reisen durchführen können“, ist er realistisch. Stolz bemerkt er, dass seine Kunden zumindest finanziell keine Auswirkungen spüren: „Alle an uns geleisteten Anzahlungen haben wir umgehend rücküberwiesen. Die Leute haben ihr Geld bekommen und keine Gutscheine. Das war uns sehr wichtig.“

Etwa ein Drittel der Mitarbeiter ist in Kurzarbeit, alle anderen sind im Linienverkehr des Busunternehmens eingesetzt: „Unsere Linienbusse in der Region waren durchgehend im Einsatz“, berichtet Busam, der stolz auf die Linienbuslenker ist, die unter erschwerten Voraussetzungen „dazu beigetragen, unser Land am Laufen zu halten“.

„Für unsere Branche ist das eine extrem schwierige Zeit“

Wie soll es jetzt weitergehen? „Da wir seit vielen Jahren vermehrt das Reiseland Österreich im Programm haben, gibt es jede Menge Inlandsreisen, die wir – sobald Klarheit über die Rahmenbedingungen herrscht – anbieten werden.“

Nur an drei Tagen – und selbst da nur an den Vormittagen – hat das Reisebüro Mitterbauer in Stockerau (Bezirk Korneuburg) geöffnet. „Es sieht heuer ganz nach Urlaub im eigenen Land aus“, erklärt Melanie Kraft. Eine Nachfrage gebe es noch nicht. Momentan werde abgewartet, unter welchen Bedingungen die Hotels wieder öffnen dürfen. „Ich verstehe, dass die Kunden auf Informationen warten“, sagt Kraft, denn ein „Urlaub hinter der Maske“ sei nicht erstrebenswert.

Das Reisebüro Schneider Reisen in Hollabrunn ist nach wie vor mit Anfragen zu Stornierungen beschäftig. „Für unsere Branche ist das eine extrem schwierige Zeit“, erzählt Ingrid Futtelnig von der Filiale, die vergangenen Freitag (8. Mai) das erste Mal nach dem Shutdown wieder geöffnet war. Für den Kundenservice hat Schneider Reisen sowohl in Hollabrunn als auch in Pulkau einen halben Tag pro Woche geöffnet, um ein persönlicher Ansprechpartner zu sein.

Ingrid Futtelnig ist jeden Freitagvormittag für ihre Kunden in Hollabrunn da.
Krottendorfer

Das Reiseunternehmen könne nur abwarten, wie sich alles entwickelt und nur kurzfristig sehen, wie es weitergeht. „Von den Reiseveranstaltern wurde alles bis Ende Mai abgesagt“, informiert Futtelnig. Die Busflotte von Schneider Reisen steht ebenfalls still. Am ehesten sei Urlaub heuer in Österreich möglich, erst frühestens im Juni, da die Hotellerie nicht eher aufsperre. Die Zeit ab Juli könne man nicht abschätzen.

Interesse an Reisen sei trotz Unsicherheiten ungebrochen

„Etwas eingeschränkt“ ist man bei Raiffeisen Reisen für seine Kunden da, nämlich per Telefon und E-Mail. Das Reisebüro hat einen Standort in Wolkersdorf (Bezirk Mistelbach). „Die letzten Wochen haben wir genutzt, um unser Österreich-Angebot in den Fokus zu stellen“, erzählt Martin Lauermann auf NÖN-Nachfrage. Im Bereich „Places to be“ in Österreich seien tolle Insider-Tipps zu finden.

Das Interesse an Reisen sei trotz Unsicherheiten ungebrochen. Das merkt Lauermann zum einen daran, dass viele Kunden umgebucht und den Urlaub auf den Herbst oder das nächste Jahr verschoben haben. Zum anderen haben sich Kunden bei einer abgesagten Reise für einen Gutschein entschieden, um diesen später einlösen zu können. „Alle warten nur noch auf den Startschuss, ab wann es wieder geht!“

Lauermann bleibt positiv: Länder, in denen die Lage ähnlich sei wie in Österreich, wollen ihre Grenzen öffnen, etwa Kroatien, Deutschland, Griechenland oder auch die Balearen. Je nach Entwicklung blicke die Branche einem Reiseverkehr zwischen Österreich und ausgewählten Ländern schon im Sommer 2020 positiv entgegen.