Ist Zuckerfabrik in Leopoldsdorf noch zu retten?. Polit-Vertreter sind zuversichtlich, dass notwendige Anbaufläche durch eine Wiederanbauprämie erreicht werden kann.

Von Stefan Havranek. Erstellt am 23. September 2020 (04:47)
Die Agrana betreibt die einzigen beiden Zuckerfabriken in Österreich, eine in Tulln und eine in Leopoldsdorf (Bild).
NÖN-Archiv

Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger, NÖ-Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf (beide ÖVP), Agrana-Vorstandsvorsitzender Johann Marihart und Rübenbauernverband-Chef Ernst Karpfinger unterzeichneten einen „Pakt zur Rettung des heimischen Zuckers“, unter anderem mit einer Wiederanbauprämie in Höhe von 250 Euro pro Hektar Schadfläche. Die Kosten teilen sich Bund und betroffene Bundesländer.

Wiederanbauprämie als Risiko-Minimierung

Außerdem übernimmt die Agrana die Kosten für das Saatgut beim Wiederanbau. „Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir ein deutliches Signal an die Bauern aussenden“, so Köstinger. Die Wiederanbauprämie werde das Risiko für die Rübenbauern minimieren. Ziel des Pakts sei die Versorgungssicherheit in Österreich mit Zucker sicherzustellen.

Das Aus für die Zuckerfabrik Leopoldsdorf sei vom Tisch, wenn bis Mitte November die mit den Bauern vereinbarte Rübenanbaufläche für die Jahre 2021 bis 2023 auf 38.000 Hektar steige, so Agrana-Chef Johann Marihart. Dann wäre der Standort für die nächsten drei Jahre gesichert. Ende August hatte der Agrana-Konzern wegen der stark gesunkenen Zuckerrübenanbaufläche in Österreich das Aus der Rübenzuckerfabrik in Leopoldsdorf im Jahr 2021 anvisiert. Weiters fixiert wurde die mögliche Notfallzulassung von neonicotinoidhaltigen Pflanzenschutzmitteln für die Saatgut-Beizung.

Karpfinger: „Wir werden die Landwirte wieder zurückzuholen.“ Er sei zuversichtlich, dass die Bauern die anvisierte Anbaufläche von 38.000 Hektar zusagen, aber es werde „eine große Herausforderung“. Auch Pernkopf war mit den Ergebnissen des „Rübengipfels“ zufrieden. Er rechne damit, dass der Standort Leopoldsdorf gesichert sei. „Die heimischen Bauern wollen produzieren, man muss sie aber auch lassen“, so Pernkopf. Eine lokale Zuckerproduktion sei auch aus Umweltgründen sinnvoll. „Für jedes Kilo Zucker, das nicht in Europa produziert wird, brennt der Regenwald.“

„Wir erwarten uns, dass den Rübenbauern in allen Bundesländern dieselben Werkzeuge und Unterstützungen zur Verfügung stehen werden“ Landwirtschaftskammer-Österreich-Präsident Josef Moosbrugger

SP-Landesparteivorsitzender Franz Schnabl forderte langfristige Förderungskonzepte und ein Bekenntnis zum Standort. Erleichtert über „eine erste Annäherung“ zeigte sich der Leopoldsdorfer Bürgermeister Clemens Nagel (SPÖ): „Mit nachhaltigen Pflanzenschutzkonzepten wird es möglich sein, langfristige Konzepte auf den Weg zu bringen.“

Agrarvertreter sind mit dem Branchenpakt zufrieden. „Wir erwarten uns, dass den Rübenbauern in allen Bundesländern dieselben Werkzeuge und Unterstützungen zur Verfügung stehen werden“, forderte Landwirtschaftskammer-Österreich-Präsident Josef Moosbrugger. Es dürfe „keine Benachteiligungen geben“. Auch NÖ-Bauernbunddirektor Paul Nemecek lobt den Pakt: „Ein erfolgreicher Schritt ist, dass die 4.500 österreichischen Rübenbauern wie die Betreiber nun wieder eine gemeinsame Perspektive haben.“

Der FP-Landwirtschaftssprecher im NÖ Landtag, Reinhard Teufel, übte hingegen deutliche Kritik am Zuckerpakt. Die Einigung sei eine „Verhöhnung der Rübenbauern“. Die Agrana würde eine Dividende sowie Managerboni auszahlen und gleichzeitig mit der Schließung der Zuckerfabrik drohen.

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