Totales Chaos wegen Dampflok. Nach Abtransport aus Strasshofer Heizhaus wurde nun der neue Aufstellungsort in Wiener Neustadt abgelehnt.

Von Robert Knotz. Erstellt am 20. Februar 2019 (04:03)
Wikipedia/Herbert Ortner
Die 12.10 war eine der schnellsten und stärksten Dampf-Lokomotiven in Österreich.Herbert Ortner

Ein ehemaliges Prunkstück des Eisenbahnmuseums Heizhaus befindet sich derzeit auf einer Irrfahrt quer durch das Bundesland. Wie die NÖN im Oktober des Vorjahres berichtete, war die Dampflok 12.10 – eine Leihgabe des Technischen Museums in Wien – aus dem Heizhaus nach Korneuburg zur Restauration gebracht worden. FP-Landtagsabgeordneter Dieter Dorner aus Untersiebenbrunn deckte die Vorgänge damals auf und ortete Steuergeldverschwendung.

Für Andreas Kisling, Präsident des Österreichischen Straßenbahn- und Eisenbahn-Klubs, der das Museum betreibt, war der Abtransport ein schmerzlicher Verlust. Das Heizhaus ist dafür bekannt, dass es historische Fahrzeuge nicht nur optisch aufbereitet, sondern sie wieder betriebsfähig macht.

"Das Ganze war zu wenig durchdacht"

Die Reise der Lok sollte nach der Restaurierung nach Wiener Neustadt führen, wo sie angeblich gebaut worden war. Ein Aufstellungsort an der B 17 war vorgesehen. Das historische Fahrzeug hätte damit nicht unmittelbar die Landesausstellung bewerben, sondern das Thema „Welt in Bewegung“ samt der Industrialisierung der Stadt präsentieren sollen. Mittlerweile haben sich gleich mehrere Eisenbahn-Experten zu Wort gemeldet: Der Geburtsort der Maschine ist nicht in Wiener Neustadt, sondern definitiv in Wien. Die 12.10 wurde in der Lokomotivfabrik Floridsdorf (LOFAG) gebaut.

Nicht nur aus diesem Grund, sondern auch wegen der hohen Kosten wird die Lok jetzt doch nicht nach Wiener Neustadt kommen. Für die Direktorin des Technischen Museums, Gabriele Zuna-Kratky, tritt nun Plan B in Kraft: „Die Restaurierung der 12.10 ist noch nicht abgeschlossen. Wir werden sicher einen anderen interessanten Standort finden.“ Wo dieser allerdings sein soll, wollte sie nicht bekannt geben. Der Kurator des Heizhauses, Rupert Gansterer, zweifelt daran, dass das Fahrzeug nach Strasshof zurückkommen wird.

„Das Ganze war zu wenig durchdacht“, so Gansterer, der hofft, dass es nicht in einem Depot seine Endstation findet, wo es niemand zu sehen bekommt. Die Dampflok 12.10 ist das letzte erhaltene Exemplar jener Schnelldampf-Lokomotiven, die zwischen 1930 und 1940 gebaut wurden.

Diese waren genauso leistungsstark wie elektrisch betriebene Züge und verkehrten zwischen Wien und Salzburg bzw. Passau. „Strasshof hat eine seiner Attraktionen verloren und das Technische Museum hat darüber hinaus für einen unnötigen Straßentransport Tausende Euro vernichtet“, so Dorner.