„Fensterputzer“ bekamen je drei Jahre Haft. Bosnisches Einbrecherduo, das nach 40 Coups in den Bezirken Gänserndorf und Mistelbach gefasst wurde, zeigte sich umfassend geständig und reumütig.

Von Christoph Reiterer. Erstellt am 04. Juni 2020 (03:58)
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Diebesgut im Wert von fast 100.000 Euro, Sachschaden in Höhe von 65.000 Euro: Zwei in Wien lebende Bosnier, 24 und 38 Jahre alt, mussten sich am Landesgericht Korneuburg vor einem Schöffensenat unter Richterin Monika Zbiral für 40 Wohnhauseinbrüche verantworten, die sie ab Dezember 2019 in den Bezirken Gänserndorf und Mistelbach verübt hatten. 14 Mal davon blieb es beim Versuch. Am 9. Jänner klickten in Staatz die Handschellen.

Bei der Polizei standen die Ermittlungen unter dem Titel „Fensterputzer“. Denn die Einbrecher verwischten nach jedem Coup mit einer chlorhaltigen Flüssigkeit ihre DNA-Spuren. In die Häuser drangen sie durch Fenster oder Türen ein, die sie mit einem Schraubenzieher aufbrachen.

Auf die Spur der Täter kamen die Ermittler zufällig durch einen Tipp aus der Wiener Drogenszene: Weil der 38-Jährige in Verdacht stand, im Weinviertel eine Cannabis-Plantage zu betreiben, wurde er observiert.

„Wir sind herumgefahren und wo ein Haus ohne Alarmanlage war, haben wir es halt versucht.“Angeklagter

Eine Plantage wurde nicht entdeckt, doch der Mann und sein Komplize – der 24-Jährige soll der Kopf der Einbrecherbande gewesen sein – konnten mit den Wohnhauseinbrüchen in Verbindung gebracht werden. „Die Beweislage ist erdrücken“, riet Staatsanwalt Ronald Schaffer dazu, reinen Tisch zu machen. Und das taten die beiden bislang unbescholtenen Männer.

„Ich trage die Schuld, ich habe ihn überredet. Ich hatte damals Probleme“, sagte der 24-Jährige. „Wirklich überreden musste er mich nicht, denn ich habe auch Geld gebraucht. Ich hatte eine Fülle von Problemen und stand jeden Tag unter Einfluss von Drogen“, zeigte sich der 38-Jährige ebenfalls reumütig. Auf Nachfrage der Richterin beteuerte er, dass er es nach seiner Gefängnisstrafe schon allein wegen seiner drei Kinder schaffen werde, sein Leben ohne Drogen zu meistern.

Die Tatorte wählten die beiden Bosnier zufällig. „Wir sind herumgefahren und wo ein Haus ohne Alarmanlage war, haben wir es halt versucht.“

Die Verteidiger wiesen mehrfach darauf hin, dass sich die Männer stets versichert hätten, dass niemand zu Hause sei. Das sei ein wichtiger Unterschied, denn die Zahl der Einbrecher, denen das egal ist, habe extrem zugenommen und so komme es immer wieder zu körperlichen Übergriffen. „Wir hätten nie jemanden bedroht“, beteuerte der 24-Jährige. Er wolle sich bei allen entschuldigen und nach dem Gefängnis eine Beschäftigung finden: „Es war eine große Lektion für mich. So etwas wird nie wieder passieren.“

„Ironischerweise“, so die Richterin, habe das Putzmittel letztlich dazu geführt, dass man alle Tatorte zusammenführen konnte. Diese befanden sich unter anderem in Ulrichskirchen, Auersthal, Mistelbach und Ladendorf. Nach zwei weiteren Wohnhauseinbrüchen gingen die beiden Täter den Ermittlern schließlich ins Netz.

Bei einer Strafandrohung von bis zu zehn Jahren begnügte sich der Schöffensenat schließlich bei beiden Männern mit einer unbedingten Gefängnisstrafe von drei Jahren. Das sei noch genug, um zu signalisieren, dass es sich hier um keine Bagatelle handelte, meinte Richterin Zbiral. „Ich hoffe, Sie schaffen es, Ihr Leben in den Griff zu kriegen.“ Nach nur kurzer Beratung mit ihren Verteidigern nahmen die Angeklagten das Urteil an. Der Staatsanwalt gab keine Erklärung ab.