Tanzen, aber mit Abstand: Let’s Dance!. Die Menschen wollen tanzen. Die Tanzschulen warten auf Vorgaben.

Wann es im Korneuburger Tanzstudio Rock’n’Vision endlich wieder losgehen kann, steht derzeit noch in den Sternen.
Tanzstudio Rock’n’Vision

Seit 13. März sind die Tanzschulen coronabedingt geschlossen. Ende Mai dürfen sie vermutlich wieder öffnen – natürlich nur unter Einhaltung aller Sicherheitsregeln. Die Tanzlehrer werden Schutzmasken tragen müssen, die Schüler wahrscheinlich nicht. Auf jeden Fall werden die Abstandsregeln einzuhalten sein.

Chris Lachmuth, Chef der Tanzschule Chris in Gänserndorf, sind – mit seinem zweiten Standort in Wien – etwa 250.000 Euro Einnahmen entgangen. Lachmuth verfügt über 35 Mitarbeiter. Die etwa acht Vollzeit-Angestellten wurden in Kurzarbeit geschickt.

„Das Lobbying für Tanzschulen ist leider zu schwach“, ärgert sich der Unternehmer, deshalb werde die Branche als letzte aufsperren. Wie wird das Tanzen ab Ende Mai in der Praxis aussehen? Lachmuth: „Pro zehn bis 20 Quadratmeter wird es aufgrund der Abstandsregeln nur ein Tanzpaar geben. Wir werden die Gruppen splitten müssen.“

Unmöglich, die Verluste aufzuholen

Große finanzielle Einbußen aufgrund der Coronakrise beklagt auch Christian Hanickel, Chef der gleichnamigen Hollabrunner Tanzschule. „Aufgrund der abgesagten Bälle werden keine Eröffnungstänze einstudiert, Hochzeitspaare können keine Tanzstunden nehmen und auch der fehlende reguläre Tanzschulbetrieb macht schwer zu schaffen.“ Es sei unmöglich, die Verluste aufzuholen.

Im Frühjahr abgebrochene Kurse sollen im Herbst fortgesetzt werden – gleichzeitig mit vielen neuen Kursen. Das werde zeitlich eine Herausforderung, sagt Hanickel. Eine finanzielle Hilfestellung vom Staat für den Zeitraum des Ausfalls erhoffe er sich zwar, „allerdings bezweifle ich aus derzeitiger Sicht, dass ich eine Unterstützung erhalten werde“.

Hoffen auf baldige Entscheidung der Regierung

Seit 16. März ist der Betrieb „vorübergehend unterbrochen“, so teilte Hermine Mühlsiegl ihren Kunden in Hollabrunn, Wien und anderen Teilen Niederösterreichs die Tanzpause mit. Ungeduldig verfolgt die Tanzschulchefin täglich die Medienberichte, Pressekonferenzen, Initiativen von Interessensvertretung und Verbänden und hofft, dass es möglichst bald eine Entscheidung der Regierung gibt. Die diplomierte Tanzmeisterin ist zuversichtlich, das 125. Bestandsjahr der Tanzschule und das 66. Jahr in Hollabrunn bald schwungvoll und erfolgreich fortsetzen zu können.

„Die Gruppe der Tanzinteressierten ist zu klein um uns in der Öffentlichkeit Gehör zu verschaffen, trotz rund 200 Tanzschulen in Österreich“, erklärt Manuela Danek. Sie betreibt mit ihrem Mann die gleichnamige Tanzschule in Korneuburg und vielen weiteren Orten im Weinviertel.

"Ich darf nicht einmal eine Privatstunde geben“

Für sie ist es völlig unverständlich, dass bei den stufenweisen Lockerungen der Covid-Bestimmungen die Tanzschulen nicht vorkommen. „Unser Saal in Korneuburg ist 350 Quadratmeter groß und acht Meter hoch – aber ich darf nicht einmal eine Privatstunde geben“, kritisiert Danek. Dabei sei das Interesse am Tanzen ungebrochen groß.

„Komm zu uns, wir wollen üben“, bekommt sie von Schülern am Telefon zu hören. Danek ist Vizepräsidentin des Tanzlehrerverbands NÖ und verlangt klare Vorgaben: Wann und unter welchen Bedingungen kann der Betrieb wieder starten? Wichtig sei eine Vorlaufzeit, um eventuelle Umbauten machen zu können oder durchzurechnen, ob Investitionen einen Sinn machen.

Gemeinsam mit seiner Frau betreibt René Taumberger das Tanzstudio Rock’n’Vision in Korneuburg. Seit 15. März ist geschlossen, mit einem Schlag war das Einkommen der Familie weg. Offiziell gehört das Tanzstudio weder zu den Tanzschulen noch zu den Fitnessstudios. Die Vermieterin hat die Miete erlassen, die Betriebskosten bleiben. Taumberger hat Online-Fitnesskarten ins Leben gerufen: „Als Form der Unterstützung und damit die Kunden daheim Fitness machen können.“