Landwirtschaft: „Wer will uns künftig helfen?“. Die Erzeugergemeinschaft bat Wissenschaftler, Bauern und Politiker aufs Podium, um nach Lösungen zu suchen.

Von Christoph Szeker. Erstellt am 21. September 2019 (04:41)
Szeker
Links: Franz Bauer meint, dass landwirtschaftliche Betriebe von der Politik im Stich gelassen werden.; Rechts: Gottfried Bauer: „Wir kommen mit dem Klimawandel zurecht, wenn man uns lässt.“

Als „extrem belastend“ für die Landwirtschaft bezeichnet Gottfried Bauer die letzten drei Jahre. Der wirtschaftliche Spielraum werde immer enger, viele schließen ihren Betrieb. Gottfried Bauer, der gemeinsam mit seinem Bruder Franz die Erzeugergemeinschaft Zistersdorf (EGZ) anführt, lud daher vergangenen Donnerstag zu einer Informationsveranstaltung im K9.

Zwei große Herausforderungen ortet Gottfried Bauer für die Landwirtschaft in naher Zukunft. Zum einen sei da der Klimawandel, wobei er diesen relativiert: „Wir kommen damit zurecht, wenn man uns lässt.“

Den Verlust des standörtlichen Bezuges der Landwirtschaft sieht er als größeres Problem. Gründe dafür seien etwa generalisierte Förderungen, „aufoktroyierte“ Regulierungen und auch Börsenusancen. Die EGZ fordert von der Politik Maßnahmen, die der Landwirtschaft einen größeren standörtlichen Bezug geben – im Fall der EGZ sei das der zum pannonischen Klima.

Um ihren Standpunkten mehr Gewicht zu verleihen, lud die EGZ die Wissenschaftler Klaus Haslinger (ZAMG) und Franz Sinabell (WIFO) ein. Hinsichtlich der Wetterdaten von Hohenau stellte Haslinger fest, dass die Anzahl der Frosttage abgenommen habe, die Anzahl der heißen Tage sei gestiegen. Regenfälle seien seltener, aber intensiver. Die wichtigsten Zahlen betreffen aber folgenden Aspekt: „Das Weinviertel ist die einzige Region mit negativer Wasserbilanz“, so Haslinger. Soll heißen: Die Verdunstung überwiegt gegenüber dem Niederschlag.

Franz Sinabell zeichnete ein Bild der wirtschaftlichen Entwicklungen. Klima, Weltmarktpreise und niedrige Zinsen seien die Faktoren, die die Landwirtschaft in Zugzwang bringen, da sie Investoren zum Kauf von Ackerland verleiten. Ein spezifisches Problem im Weinviertel sei der schwankende Output, denn bei steigenden Kosten für die Landwirte bedeute dieser unstete Gewinne.

Zahl der bäuerlichen Betriebe sinkt stetig

Die Zahl der Hauptbetriebe in Zistersdorf sei schon von 162 (2012) auf 128 (2018) gesunken.

Die EGZ fordert daher mehr Freiheit beim Einsatz von Schädlingsbekämpfungsmitteln, um auf standörtlich verschiedene Bedingungen besser reagieren zu können. Außerdem möchte man, dass die EU-Ausgleichszahlungen an den Index angepasst werden, denn sie befinden sich seit 1995 auf demselben Niveau. Insgesamt fühlen sich die EGZ-Landwirte im Stich gelassen. „Wer will uns künftig helfen?“, fragt etwa Franz Bauer.

Allzu große Hoffnung auf Erfüllung dieser Wünsche konnten VP-Landtagsabgeordneter Manfred Schulz und Landwirtschaftskammer-Obmann Manfred Zörnpfenning den Bauern nicht machen. Viele Forderungen seien nicht so einfach umzusetzen. Manfred Weinhappel von der Landwirtschaftskammer NÖ führte als Beispiel bessere Herkunftskennzeichnungen ins Feld, um die regionalen Produkte bei den Kunden beliebter zu machen.