Müllverbrennungsanlage zehn Jahre in Betrieb. Schadstoffe sind nach einem Jahrzehnt kein Thema mehr, dafür die Lkw-Zulieferungen.

Von Christoph Szeker. Erstellt am 09. März 2019 (04:01)
Szeker
Als blauen Riesen könnte man die Müllverbrennungsanlage in Zistersdorf bezeichnen, sie ist schon von Weitem sichtbar. Nach zehn Jahren in Betrieb ist sie manchen noch immer ein Dorn im Auge.

„Der Verkehr geht ja über die Umfahrungsstraße“, antwortet eine Zistersdorferin auf die Frage, ob denn die Müllverbrennungsanlage für Probleme in der Gemeinde sorge. Seit mittlerweile zehn Jahren ist der Energieerzeuger in Betrieb, große Kritik, wie einst durch die Initiative „Zistersdorf in Bewegung“, gibt es keine mehr. Die Grünen sind allerdings verärgert über den Lkw-Verkehr zur Anlage.

Ein Rückblick: Johann Hofstetter wurde 1992 VP-Stadtchef, ein Jahr später griff er das Projekt Müllverbrennungsanlage auf, da man in Niederösterreich einen Standort suchte. Hofstetter war das Projekt wichtig, da es Arbeitsplätze versprach und zusätzliche Einnahmen. Aus Letzteren wurde nichts, allerdings konnte die Gemeinde anfallenden Klärschlamm zehn Jahre kostenlos beim Betreiber der Anlage entsorgen.

„Durch Zistersdorf fahren am Tag maximal 70 Lastwagen.“ Johann Hofstetter, VP-Altbürgermeister

Die Bewilligung am Standort erfolgte 2004, drei Jahre später startete dann der Bau, 2009 brannte das erste Feuer. „Die Schadstoffe sind nicht messbar“, erklärt Hofstetter. Die Argumente der ZIB-Initiative, dass durch die Verbrennung viele Schadstoffe freigesetzt würden, konnten entkräftet werden.

Helmut Aigner, Gemeinderat für die Grünen, kritisiert allerdings, dass vom Land NÖ eine Erhöhung der Lkw-Zulieferungen genehmigt wurde. „Der Anteil des Mülls, der pro Lkw angeliefert wird, hat sich verdreifacht“, so Aigner. Das entspricht jährlich 113.750 Tonnen, die NÖN berichtete darüber bereits. Hofstetter sieht die Transporter nicht als Problem: „Durch Zistersdorf fahren am Tag maximal 70 Lastwagen.“ Außerdem zieht er den Vergleich mit Markgrafneusiedl, wo das Problem deutlich größer sei.

Aigner sieht in der Müllverbrennungsanlage insgesamt aber keinen Vorteil für die Stadtgemeinde. Auch ein Vorschlag der Grünen, die Abwärme der Verbrennung zum Zwecke der Fernwärmeversorgung Zistersdorfs zu verwenden, sei ins Leere gegangen. Das Leitungsnetz dafür müsste erst errichtet werden.