Verwirrende Gesetzeslage: Wenn keiner den Tod feststellt

Erstellt am 06. Oktober 2022 | 04:39
Lesezeit: 3 Min
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Vater Peter Wolf und Tochter Sabrina trauern um die verstorbene Brigitte. Sie haben kein Verständnis für den Bürokratie-Wahnsinn.
Foto: privat
Bürokratie-Wahnsinn sorgte bei Witwer aus Zistersdorf für Kopfschütteln.

Im Juli verstarb die Ehefrau und liebende Mutter Brigitte Wolf-Pelz in den eigenen vier Wänden. Schlimm genug für den Ehemann und die trauernde Tochter, doch was die beiden anschließend erleben mussten, lässt sich kaum in Worte fassen.

Peter Wolf kontaktierte wenige Minuten nach dem Tod seiner Ehefrau den Ärztenotdienst, um einen Beschauarzt anzufordern. Dieser teilte dem Witwer jedoch mit, dass dafür nicht der Ärztenotdienst zuständig wäre und Wolf sich doch bitte an den örtlichen Bestatter wenden solle.

Dann der nächste Schock: „Das lokale Bestattungsunternehmen verlangte unglaubliche 3.800 Euro.“ Verzweifelt kontaktierte Wolf seinen Hausarzt, der sich sofort hilfsbereit zeigte und den Kontakt zu Beschauärztin herstellte.

Doch auch damit war der bürokratische Hürdenlauf noch nicht zu Ende. „Plötzlich tauchte doch noch der Ärztenotdienst auf, um den Tod mittels EKG festzustellen. Der Arzt konnte jedoch keine Todesanzeige ausstellen, weil er kein Beschauarzt ist“, schildert Wolf die Situation: „Und da keine Todesanzeige vorlag, konnte das Wiener Bestattungsunternehmen meine verstorbene Gattin nicht abholen.“

„Nach ewigem Hin und Her organisierte die Bestattung dann erneut die Beschauärztin, die nach mehr als drei Stunden Bürokratie-Wahnsinn die Todesanzeige ausstellte“, erinnert sich der verzweifelte Witwer.

Gesetzeslage sorgt in der Praxis für Chaos

Laut Notruf Niederösterreich gibt es klare Zuständigkeiten, was die Todesfeststellung betrifft: Die Maßnahmen nach einem häuslichen Todesfall sind im NÖ Bestattungsgesetz geregelt. Die Gemeinden haben wiederum den gesetzlichen Auftrag, die Verfügbarkeit der Totenschau sicherzustellen.

Genau hier liegt jedoch die Problematik: Da die Gemeinde nämlich aufgrund des Gesetzes einen gemeindeeigenen Totenbeschauer angeloben muss, obliegt es nur diesem, den Tod bei einem Gemeindebürger festzustellen. Der Ärztenotruf kann lediglich unterstützend handeln, den Tod feststellen kann er nicht.

FPÖ-Landtagsabgeordneter Dieter Dorner aus Pframa zeigt sich schockiert: „Leider ist das Schicksal der Familie Wolf kein Einzelfall, es kommt regelmäßig zu derartigen Situationen. Die betroffenen Angehörigen befinden sich in einer seelischen Ausnahmesituation und müssen von kompetenter Stelle rasch betreut werden.“

Alle mit dem Gesundheitswesen telefonisch kontaktierbaren Stellen sollten die betroffenen Angehörigen über die weiteren Schritte informieren können, so Dorner. Die Anstellung eines eigenen Beschauarztes pro Bezirk sei nicht notwendig. „Meines Erachtens wäre es für das Land Niederösterreich ein finanziell akzeptabler Aufwand, pro Bezirk oder Region einen befugten Beschauarzt im Journaldienst einzustellen. In anderen Bundesländern funktioniert das auch“, sieht Dorner ganz klar Handlungsbedarf.