Als die Wurstsemmel 10 Schilling kostete: Blick zurück im Bezirk Gmünd

Erstellt am 19. Januar 2022 | 05:07
Lesezeit: 3 Min
Großzügiges Trinkgeld & Gefühl für den Wert: Was hat sich in 20 Jahren verändert?

Obwohl der Euro als Währung mittlerweile etabliert ist, werden auch nach 20 Jahren bei vielen noch Erinnerungen an die Zeit der Währungsumstellung wach.

Einer davon ist der Heidenreichsteiner Fleischermeister Alfred Großmann: „Natürlich waren nicht nur die Kunden, sondern auch wir etwas irritiert, besonders als in der Übergangszeit noch mit beiden Währungen bezahlt werden konnte“, blickt er zurück: „Wir hatten uns dazu eine neue Kassa angeschafft, die die Beträge genau umrechnete. Der Kunde bezahlte in Schilling und das Wechselgeld kam als Euro und Cent zurück.“ Das neue Zahlungsmittel wirkte sich – gepaart mit der Inflation – auch auf die Preisgestaltung aus.

„Rohstoffe und Zutaten wurden teurer. Eine Wurstsemmel, die damals um 10 Schilling zu haben war, bewegt sich heute im Bereich zwischen 1,70 und 2 Euro“, sagt Großmann.

An die ersten Tage nach der Währungsumstellung kann sich auch Wirtinnen-Legende Maria „Lilly“ Trinkl, die wie berichtet im Herbst Abschied vom Gasthaus „Zum Waldviertler Sepp“ in Schrems genommen hat, erinnern: „Anfangs sind wir mit zwei Brieftaschen herumgelaufen, hatten in der einen Euro und in der anderen Schilling.“ Preiserhöhungen seien insgesamt nach und nach eingetreten.

Drei Nachkommastellen sind geblieben

Auf die Treibstoffpreise an sich hatte der Wechsel von Schilling auf Euro zwar keine Auswirkung, eines ist an den Tankstellen aber bis heute ungewöhnlich geblieben: „Die dritte Nachkommastelle ist nach wie vor ein Thema, weil man sonst im Alltag nicht damit zu tun hat und dadurch auch kein Gefühl dafür hat“, sagt Andreas Weber, Geschäftsführer der Avia-Station in Gmünd.

„Den Umsatz hat es bei uns nicht besonders verändert, aber man hat gemerkt, dass die Leute noch nicht im Gefühl hatten, wie viel der Euro Wert ist“, sagt Wirtin Maria Trinkl. Das hat sich auch im Trinkgeld geäußert: „Die Gäste waren sehr freizügig. Wir haben sie darauf hingewiesen, wollten ja niemanden abzocken.“ Dieser Aspekt ist auch Fleischermeister Alfred Großmann in Erinnerung geblieben: „Es kam schon mal vor, dass Menschen, die vorher fünf Schilling gaben, plötzlich fünf Euro zückten und erst auf ihre großzügige Gabe aufmerksam gemacht werden mussten. Aber spätestens nach zwei Jahren war das neue Zahlungsmittel dann alltäglich.“

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