Besuch im Glasmuseum: Viele Schätze aus altem Glas. Die Glassammlung der Familie Apfelthaler ist weit bekannt. Was gibt es dort eigentlich zu sehen?

Von Anna Hohenbichler. Erstellt am 06. März 2021 (05:21)
Das Glasmuseum befindet sich im früheren Gasthaus der Firma Stölzle.
Anna Hohenbichler

Untrennbar ist die Glaserzeugung mit der Gemeinde Brand-Nagelberg verbunden. Eine Industrieruine erinnert heute an die einst große Glasfabrik der Firma Stölzle. Was aus dieser Zeit übrig geblieben ist, das sind vor allem viele Erinnerungen und allerhand Glasprodukte. Von beidem genug gibt es, wenn Franz Apfelthaler durch sein Glasmuseum im „Glaskunstdorf“ Alt-Nagelberg führt.

Erinnerungen an vergangene Zeiten

Im Stiegenhaus zum Museum, das sich im ehemaligen Gasthaus der Glasfabrik befindet, hängt eine Liste mit den Glashütten der Firma Stölzle von anno dazumal. Ob auch von anderen Standorten nur eine Industrieruine übrig geblieben ist? Ein paar Schritte weiter sind die ehemaligen Stölzle-Chefs zu sehen. Beim letzten Bild bleibt Franz Apfelthaler stehen. „Unter dem habe ich zu arbeiten angefangen“, sagt er. Damals war er 14 Jahre jung.

Eines der Prunkstücke im Alt-Nagelberger Glasmuseum: Dieses Kirchenfenster hat in Dresden den Zweiten Weltkrieg überstanden und kam nach der Restaurierung über eine Auktion in den Besitz der Familie Apfelthaler. Es ist nur eine der zahlreichen Glasraritäten im Museum.
Anna Hohenbichler

Zu sehen gibt es in den Räumlichkeiten des Glasmuseums viel: Diverse Erzeugnisse aus der Stölzle-Produktion – aber auch Gläser aus anderen Häusern. Nicht selten stammen die Ausstellungsstücke aus dem 19. Jahrhundert. Selten sind sie inzwischen aber geworden. Es sei eine Frage des Wohlstandes gewesen, welche Glaskrüge, Trinkglas-Sets oder Petroleumlampen die Leute besessen haben, sagt Franz Apfelthaler. Seine Sammlung ist nicht nur eine Reise durch die Zeit, sondern auch durch soziale Schichten.

Wenn aus Glas seltene Kunstwerke werden

Ein besonderer Stolz von Apfelthaler ist ein Kirchenfenster, das ursprünglich aus Dresden stammt und den Zweiten Weltkrieg trotz dort heftiger Bombenangriffe überlebt hat. Über eine Auktion hat er es vor einigen Jahren erstanden. „Für das Geld hätte ich auch ein gutes Auto bekommen“, sagt er.

Verglichen zum imposanten Kirchenfenster kommt ein Trinkglas schon unscheinbarer daher. Dennoch kann sich auch darin ein Kunstwerk verbergen: ein Original des Gutenbrunner Glasmachers Johann Josef Mildner zum Beispiel. Am Boden des Glases ist ein kleines, aber feines Abbild von Schloss Gutenbrunn zu finden. Ein geschultes Auge kenne sofort den Unterschied zwischen Original und Kopie eines Mildner-Glases, sagt Apfelthaler. Von diesen Profis kenne er einige. Auch zum Dorotheum hat er einen guten Draht – stammt doch der Großteil der Sammlung aus Versteigerungen.

Als Laie kann man heute nur mehr erahnen, wie viel Geschick es bei der Herstellung all dieser Stücke gebraucht haben muss: Ob es die von Hand aufgemalten Kinderfiguren auf alten Trinkgläsern oder mühevoll gravierte Pferde auf Glastellern sind – alle diese Abbildungen sehen realitätsgetreu und lebendig aus. „Soas kann heute niemand mehr“, sagt Apfelthaler. In den Ausstellungsstücken steckt neben Quarzsand, Kalk, Soda und Pottasche eben auch Arbeit und Wissen über die Herstellung. Viel davon sei verloren, sagt er.

Glas kann auch krank machen

Jedes Stück der Glassammlung hat seine eigene Geschichte, Franz Apfelthaler weiß viele Anekdoten über seine Krüge, Trinkglas-Sets, Glaspokale und alle anderen Raritäten. Besonders auffällig ist auch ein Glaskrug in gelb-grünlicher Farbe. Die Herstellung solcher Gläser habe viele Arbeiter regelrecht krank gemacht, erzählt Franz Apfelthaler. Denn: Es handelt sich um Uranglas. In der Verarbeitung war das radioaktive Material freilich schädlich. „Der Geigerzähler schlägt da heute noch an“, erklärt er.

Trotz des reichen Umfangs und der professionellen Präsentation: Das Glasmuseum von Franz Apfelthaler ist im Privatbesitz. „In 50 Jahren hat sich viel angesammelt“, sagt der 83-Jährige. Dafür musste auch so mancher Familienurlaub umgeplant werden: Vom Urlaub am Meer habe er mit seiner Gattin oft gesprochen, dann hat das Glas letztendlich aber auch die Urlaubsplanung beeinflusst. Es ging dort hin, wo seltene Glasstücke warteten. „Das Meer habe ich bis heute nicht gesehen“, schmunzelt Apfelthaler.

Woher kommt die Faszination fürs Glas?

Schon die Vorfahren von Franz Apfelthaler waren in der Glasproduktion tätig, das Glas sei quasi schon im Erbgut verankert, sagt er: „Bei uns war die Zukunft der Kinder vorbestimmt: Die Buben wurden Glasmacher, die Mädchen gingen in die Gravur oder den Verkauf.“ So war es auch bei ihm. Als Arbeiter bei der Firma Stölzle hat er vor der Jahrtausendwende auch die Herstellung der 90 Liter fassenden Weltrekords-Sektflöte miterlebt. Eine davon steht auch bei ihm im Museum.

Die Worte „Idealismus“, „Spinnerei“ und „Liebhaberei“ nennt Franz Apfelthaler immer wieder, wenn er durch das Museum geht. Trotzdem: Wenn er in die Räume blickt, auf die vielen gläsernen Raritäten sieht, gebe ihm das noch immer viel. Die Glas-Faszination hat er auch an Sohn Andreas weitergegeben, der die Alt-Nagelberger Glashütte inklusive des selbst angelegten Glas-Schaugartens rund um drei Teiche betreibt.

Untrennbar ist die Glaserzeugung eben auch mit mit dem Leben der vielen (ehemaligen) Glasmacher verbunden. Dementsprechend prangt an einer der Museumswände eine Abbildung eines Glasbläsers und der Spruch: „Tritt ein und gedenke der Menschen, für die Glas der Lebensinhalt war.“