Corona im LKH Gmünd: „Manchmal ist einem zum Heulen“. Wie sehr prägt das Coronavirus die Arbeit am Landesklinikum Gmünd vom Einkauf über die Notfallmedizin und den Hygieneaspekt bis zur Pflege? – Die NÖN-Miniserie mit fünf Beschäftigten, die von ihrem neuen Alltag und ihren neuen Herausforderungen berichten. Heute: Roswitha Zlabinger, Stationsleitung Pflege Chirurgie (derzeit Covid-Station I).

Von Markus Lohninger. Erstellt am 03. Dezember 2020 (04:45)
Roswitha Zlabinger, Stationsleitung Pflege Chirurgie (derzeit Covid-Station I)
Landesklinikum Gmünd

„Weil die Chirurgie zur Covid-Station wurde, ist unser Alltag nicht mehr mit früher vergleichbar. Wir haben drei Verdachts- und 20 Covid-Betten, aber keine chirurgischen Patienten mehr.

Der Aufwand ist wesentlich größer , alleine schon deshalb, weil fünf Mal am Tag Atemfrequenz, Fieber, Blutdruck oder Blutsättigung gemessen werden müssen – überlappend mit der Intensivmedizin ist teils Sauerstoff zu verabreichen. Die Arbeit ist in den heißen Schutzanzügen körperlich sehr belastend. Die Kollegen sind waschlnass, müssen häufig T-Shirts wechseln. In der ersten Zeit standen einige vor dem Kollaps. Man muss immer wieder anstoßen – setzt euch, rastet, trinkt etwas. Fünf Mal am Tag müssen sie sich derzeit auf jeden Fall „andirndln“ und wieder „ausdirndln“, den Nachtdienst noch gar nicht mitgerechnet.

Der Job wurde unberechenbarer , fixe Dienstpläne sind wegen Ausfällen oder kurzfristigem Unterstützungs-Bedarf an anderen Abteilungen nicht möglich. Natürlich gibt es hie und da Reibereien, aber wir helfen als kleines Haus zusammen – dafür, wie das die Kollegen managen, bewundere ich sie: Immer wieder höre ich ‚komm zu mir, wenn du was brauchst‘. Wenn eine Partie eine Pause braucht, habe ich immer das Gefühl, dass andere parat stehen. Ich verwöhne sie dafür mit Schokolade.

Kollegen anderer Abteilungen, die bei uns aushelfen, sind häufig aus dem OP-/Ambulanzbereich, waren teils schon länger von der Arbeit an einer Station weg. Sie mussten erst eingeschult werden und sich im Team einfinden. Da bestehen natürlich Ängste, etwas falsch zu machen, aber sie sind sehr tough und bemüht.

Der Trend in der Chirurgie geht in Richtung immer kürzerer Aufenthaltszeiten. Eine Gallen-OP als einer der schwereren Eingriffe zieht meist drei bis vier Tage auf der Station nach sich. Viele Covid-Patienten sind aber zwei und oft drei Wochen im Spital. Es entwickelt sich eine ganz andere Beziehung zum Patienten, der nur mit uns kommunizieren kann und auch da nur die Augen sieht, ansonsten von der Umwelt abgeschottet ist. Der Kontakt wird sehr geschätzt, wir empfangen große Dankbarkeit und bekommen immer wieder nette Schreiben von Leuten, wenn sie wieder zuhause sind.

Ich werde aus der Bevölkerung derzeit häufig auf unsere aktuelle Arbeit angesprochen, erhalte großen Zuspruch. Als wirklich verletzend und entwertend empfinde ich aber, wenn immer noch manche Menschen glauben, das Virus ginge sie nichts an, und sie sich zum Beispiel weigern, im Geschäft die Maske zu tragen. Wenn man täglich sieht, wie es Covid-Patienten geht und was im Spital unternommen werden muss, um ihnen helfen zu können, dann ist einem manchmal zum Heulen.

Angst um mich selbst habe ich nicht , wir alle bekommen ausreichend Schutzkleidung. Dennoch kann immer etwas sein, daher ist natürlich ein bisschen Sorge dabei, doch einmal etwas heimzubringen. Ich komme derzeit oft später nachhause – ohne meine Familie und meine Tochter, die den Haushalt managt, ginge es bei mir nicht.“