Letzte Wind-Stöße – oder Energiekrise als neue Chance für Windpark?

Erstellt am 28. September 2022 | 04:34
Lesezeit: 3 Min
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Gerald Schindl glaubte trotz Gegenwindes lange ans Projekt.
Foto: Archiv
Amaliendorfs Bürgermeister Gerald Schindl sieht Hoffnung auf Windpark-Revival wieder gedämpft, WEB signalisiert weiter Bereitschaft.

Genau zehn Jahre ist es her, dass nach einstimmigen Gemeinderatsbeschlüssen in Heidenreichstein und Amaliendorf-Aalfang mit der Planung eines Windparks im Kiensass-Wald begonnen wurde. Für den Baustart wurde das Jahr 2014 anvisiert – heute steht im Gmünder Bezirk nach wie vor kein einziges Windrad.

Die anfängliche Euphorie rund um fünf Windräder wurde von einem Widmungsstopp des Landes gedämpft. Ein Zonierungsplan erlaubte hier nun höchstens vier Windräder – eines auf Heidenreichsteiner Gemeindegebiet, für das der dortige Gemeinderat dann die Zustimmung verweigerte. In Amaliendorf-Aalfang sprach sich eine knappe Mehrheit für lediglich drei Windräder aus.

Auch daraus wurde nichts. 2017 lehnte die Bezirkshauptmannschaft einen Antrag der WEB zur naturschutzbehördlichen Bewilligung ab. Einer der Gründe dafür: das Vorkommen des streng geschützten Seeadlers im Gebiet. 2020 schloss sich das Landesverwaltungsgericht der Ansicht der Behörde an, die WEB resignierte und schrieb das Projekt ab.

Zuletzt schöpfte Bürgermeister Gerald Schindl (SPÖ) angesichts des Booms rund um erneuerbare Energien wieder Hoffnung für den Windpark im Norden des Bezirkes, tat das auch in einem TV-Beitrag kund. „Das Projekt könnte morgen starten, es ist alles vorhanden. Das Umspannwerk ist nicht weit entfernt, besser könnte es nicht sein“, sagt er. Gleichzeitig habe er nun wieder den starken Gegenwind rund um die Windpark-Vision im Kiensass-Wald zu spüren bekommen: „Wenn man jetzt nicht einsieht, dass wir Windkraftwerke zur Stromerzeugung brauchen, wird man es wohl nie einsehen“, bedauert Schindl. Das Thema sei für ihn ein sehr emotionales, nur: Er betrachte es als verantwortungslos, in Atomenergie zu investieren und Winkraftwerke gleichzeitig zu verhindern.

WEB: „Sollte sich etwas ändern, stehen wir bereit“

Dass mit dem Windpark in Amaliendorf ein weitgehend fertig geplantes Projekt in den Schubladen liegt, weiß auch die WEB: „Sollte sich politisch etwas ändern und in diesen Krisenzeiten ein Weg gefunden werden, mit dem wir das Projekt umsetzen können, stehen wir bereit“, erklärt deren Sprecher Christoph Spitaler: „Denn der Windpark wäre schnell gebaut, könnte für die Menschen im Waldviertel in kürzester Zeit heimische Energie liefern.“

Das Raumordnungsprogramm sieht auch eine potenzielle Windkraft-Zone im Gemeindegebiet von Weitra, Unserfrau-Altweitra, Waldenstein, Großdietmanns und Schweiggers. Über den Status von Info-Veranstaltungen schaffte es hier kein Projekt hinaus.