Griechenland: Vom Urlaubs- zum Arbeitsort. Die 23-jährige Stephanie Eipeldauer ist heuer Animateurin auf Rhodos. Das Leben daheim ließ sie dafür hinter sich zurück.

Von Anna Hohenbichler. Erstellt am 23. Juli 2021 (04:48)

Die ganze Woche sonnig, immer um die 30 Grad Celsius, das prognostiziert die Wettervorhersage für Rhodos. Bewölkt, zeitweise Regen und vereinzelt gar Gewitter, das sind die Aussichten für Amaliendorf. Dazwischen liegen rund 1.750 Kilometer Luftlinie – so weit weg ist Stephanie Eipeldauer aktuell von ihrem Zuhause. Der Grund: Sie ist als touristische Entertainerin beim internationalen Animations-Unternehmen „Pink Wave“ tätig. Der NÖN erzählte sie, wie aus einem Sommerurlaub mehr wurde, was sie in Griechenland fürs Leben lernt, und wofür sie das Regenwetter dem Sonnenschein vorziehen würde.

Von der pinken Welle überrollt. Begonnen hat alles im Sommer 2019: Stephanie Eipeldauer war mit einer Freundin im Griechenland-Urlaub, als sie die Agentur kennengelernt hat und von der „pinken Welle“ überrollt wurde. „Mir hat diese Energie so gefallen, dass ich mich mit dem Animationsteam angefreundet habe“, erzählt sie: „Ich bin dann voller Vorfreude nach Hause gekommen, weil ich wusste, dass ich das machen will.“ Einen Tag später war die Bewerbung verschickt. Es folgte ein Gespräch, im Jänner 2020 ging es zum Bootcamp nach Berlin. Dort wurden Spontanität und Flexibilität getestet – Stephanie Eipeldauer bestand.

„Es ist wirklich beeindruckend, wie leicht das Leben plötzlich wird.“ Stephanie Eipeldauer

Im Tourismus war sie schon vorher tätig: Nach Fachschule und Matura am Aufbaulehrgang im Gmünder Schulzentrum arbeitete sie bis Februar 2020 an der Rezeption im Hotel Sole-Felsen-Bad. Zugunsten des Animations-Jobs kündigte sie dort.

Destinationen werden zugeteilt. Normal startet die Saison an vielen Destinationen im Mai. Wegen der Covid-19-Pandemie war das im Vorjahr anders: „Die Destinationen haben sich verändert, alles hat sich irrsinnig weit verschoben“, blickt Eipeldauer zurück. Schließlich ging es im Juli auf Kreta los. Die Destination konnte sie sich nicht aussuchen. Das war auch heuer so. Essen und Unterkunft werden von der Agentur zur Verfügung gestellt, die Verträge gelten allerdings nur für eine Saison. Zu Jahresbeginn stellte sie deshalb einen neuen Antrag und bekam die Destination im März zugeteilt. „Dann hat man 48 Stunden Zeit zu überlegen.“ Sie hat angenommen, es ging nach Rhodos – nur ein paar Hotels davon entfernt, wo vor zwei Jahren Stephanie Eipeldauers Begeisterung fürs Dasein als Animateurin begonnen hat.

Animations-Programm muss gut vorbereitet werden. Stephanie Eipeldauer ist im Hotel für Fitness-Animationen zuständig, gibt am Vormittag zwei Kurse und am Nachmittag einen. Das umfasst zum Beispiel Morgen-Workouts, Wassergymnastik, Yoga und Pilates. Die ALW-Ausbildung kommt ihr freilich zugute – aber auch, dass sie selbst recht sportlich ist. Und, das erzählt sie mit einem Schmunzeln: „Ich habe auch die Mappe von meiner Lehrerin aus dem ALW mit. Aber man wird von Pink Wave gut vorbereitet.“

Ganz so einfach ist es mit den Vorbereitungen allerdings nicht. Üblicherweise gibt es dafür einen längeren Zeitraum, coronabedingt mussten die eigenen Übungseinheiten zur Vorbereitung in einen engen Zeitplan gequetscht werden – mitunter am einzigen freien Tag der Woche oder in der Mittagspause. Aber: „Heuer ist alles viel lebendiger“, sagt sie. Da macht nicht nur der eigene Fitness-Kurs, sondern auch das Mitgestalten des Abendprogrammes mehr Spaß.

Wenn das Leben zuhause Pause macht. Als Animateurin in Griechenland hat Stephanie Eipeldauer – wie sie selbst sagt – ein ganz anderes Leben und viele verschiedene Mentalitäten kennengelernt. „Das Leben zuhause existiert in dieser Zeit quasi gar nicht mehr.“ Es seien Freundschaften über die ganze Welt entstanden: „Ich könnte eine Deutschland-Tour machen, ohne ein Hotel zahlen zu müssen.“ Aber genauso zu Leuten außerhalb des Hotels: „Man kennt plötzlich jeden hier in der Ortschaft.“ Endlos ist der Sommer freilich auch in Griechenland nicht, die Saison neigt sich irgendwann dem Ende zu.

Winterdestinationen gäbe es zwar, zuletzt war das coronabedingt aber weitgehend hinfällig. Stephanie Eipeldauer hat die Wintermonate deshalb zuhause in Amaliendorf verbracht und vorübergehend im Contact Tracing an der Bezirkshauptmannschaft Gmünd gearbeitet.

Besondere Momente und Highlights. Viele schöne Erinnerungen hat die 23-Jährige schon jetzt gesammelt: „Das Highlight ist, wenn Leute ihren Urlaub beenden, ein Foto mit dir machen und sich bedanken, weil du der Grund warst, dass ihr Urlaub toll war. Das ist wirklich das beste Gefühl, immerhin sind wir in Fotobüchern dieser Menschen“, sagt sie voller Stolz.

Manche Erkenntnisse will sie fürs weitere Leben mitnehmen: „Es ist wirklich beeindruckend, wie leicht das Leben plötzlich wird. Du lernst, mit viel weniger zu leben. Der Standard ist niedriger, aber man ist viel glücklicher. Es ist einfach ein ganz anderes Leben.“ Was Stephanie Eipeldauer in beinahe zwei Saisonen erlebt hat, ist schwer in ein 40-minütiges Videotelefonat zu packen.

Ob sie schon mal übers „Danach“ nachgedacht hat? Daran denke man oft, die Frage habe sie den ganzen Winter über beschäftigt. „Ich habe überlegt, ob ich doch zu studieren beginne, wie lange ich das noch mache, oder ob das vielleicht meine letzte Saison ist“, sagt sie. Auch die Unsicherheit durch Covid-19 hat bei diesen Überlegungen mitgespielt. Bloß: „Jetzt bin ich hier und es ist wieder so schön.“

Nichtsdestotrotz gesteht sie: Langfristig müsse man sich das Lebensumfeld aufbauen. Deshalb schmiedet sie schon Pläne in Richtung eines Eventmanagement-Studiums, will vielleicht schon im nächsten Jahr damit beginnen. Ein paar Wolken überdecken diese Gedanken aber noch – dann wäre die heurige Saison vorerst Stephanie Eipeldauers letzte.

Auch der Freund kommt aus dem Süden. Was die Entscheidung rund um Zukunft und Lebensmittelpunkt auch beeinflussen dürfte: Ihr Freund ist Italiener. Wer jetzt an einen Umzug von Amaliendorf nach Rom denkt: trotzdem weit gefehlt. „Ich wollte immer ins Ausland ziehen, aber seitdem ich auf Saison war, gefällt es mir zuhause so gut. Ich möchte nicht aus Österreich wegziehen“, sagt Stephanie Eipeldauer. Familie und Freunde will sie nämlich gerne in ihrer Nähe wissen.

Gute Gründe also, griechischen oder italienischen Sonnenschein gegen österreichisches Regenwetter einzutauschen. Und das ist meistens ohnehin nur temporär.