Die Chance auf den Job ideal genützt. Wie Integration klappen kann: Hannah Habison und ihr Traumberuf am Wanderreithof in Litschau.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 25. April 2019 (06:07)
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Hannah Habison (Mitte re.) hat nicht nur die Zügel von „Leonardo“ fest in der Hand – am Bild mit AMS-Leiter Gerhard Ableidinger, Chefin Martina Stigler und Gerald Spitaler (Caritas).

Manchmal bleibt auch Enttäuschung beim Versuch der Integration von Menschen mit besonderen Bedürfnissen in den Arbeitsmarkt. Insofern ist das, was Gmünds AMS-Chef Gerhard Ableidinger und Caritas-Arbeitsassistent Gerald Spitaler beim NÖN-Lokalaugenschein mit Hannah Habison in der Wanderreitstation Nordwaldhof in Litschau vorfinden, ein Musterbeispiel. „Uns gelang es hier sogar, einen Job genau für die Talente von Hannah zu kreieren, mit dem sie und ihre Dienstgeber glücklich sind“, sagt Spitaler.

Martina Stigler und Günther Jeschko, die in Jeschkos Elternhaus für einen sechsstelligen Betrag einen top-modernen Betrieb mit Reithalle und Gästeboxen aufgebaut hatten, entführten Gäste während der Saison mittels GPS- Gerät in die Schönheiten der Wanderreitregion und widmeten sich außerhalb der Saison primär der Ausbildung von Jungpferden. Außer ihnen halfen nur Freunde mit. Ein eigener Beschäftigter sei unfinanzierbar gewesen, sagt Stigler. Arbeit an sich habe es genug gegeben.

Hannah Habison aus Eisgarn hatte indes bei Franz Inghofer die Lehrausbildung für Pferdewirtschaft absolviert. Begleitet wurde das Mädchen, das seit einer Krankheit als Kind beeinträchtigt ist, von der Berufsausbildungs-Assistenz der Caritas durch Lernunterstützung und Coaching im Betrieb. Finanzielle Unterstützung gab das AMS. Im Reitstall Inghofer habe Hannah ihre Bestimmung gefunden, dankt ihr Vater Willi Habison dem Chef: „Sie hatte immer hohes Interesse an Pferden, jetzt dreht sich aber alles darum.“ Im Vorjahr musste eine neue Stelle für die inzwischen 23-Jährige gefunden werden – das traf sich mit dem wachsenden Bedarf bei Stigler und Jeschko. Ein Arbeitstraining übers AMS klappte. „Also galt es, die bestmögliche Lösung für Hannah und den Betrieb zu finden“, sagt Gerald Spitaler. Seit August 2018 stellt sie der Verein „Null Handicap“ mit AMS-Förderung befristet auf ein Jahr für 20 Wochenstunden an und überlässt sie dem Reiterhof. Habison taugt es, sich vom Füttern über das Ausmisten bis zum Zusammenräumen der Koppeln ums Wohl der bis zu 23 Pferde – darunter mit „Leonardo“ ihr eigenes – zu kümmern. Indem sie Routinearbeiten erledigt, bleibt den Eigentümern mehr Zeit für Anderes. Das ist auch für Stigler eine „Win-Win-Situation“. Alle hoffen, dass nach dem Jahr eine weitere Form der finanziell tragbaren Zusammenarbeit gefunden werden kann. „Wir bemühen uns um eine gute Lösung“, versprechen Caritas-Arbeitsassistent Spitaler und AMS-Chef Gerhard Ableidinger.

83 Menschen mit Beeinträchtigungen (darunter 29 Frauen) waren Ende März im Bezirk auf Jobsuche. Ziel von Ableidinger ist es, heuer noch für die Hälfte davon den Weg ins Berufsleben zu ebnen, für zwölf wurden bereits Förderungen ausgeschüttet: Zugute komme dem AMS dabei die derzeit überdurchschnittlich gute Arbeitsmarktlage im Bezirk.

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