Den Nordwald im Herzen: 50 Jahre Tourismus und Naturschutz

Erstellt am 06. August 2022 | 04:14
Lesezeit: 3 Min
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Beim Naturparkfest: Zeitzeuge Dieter Günter Tannhäuser, Josef Kitzler, Klaus Tannhäuser, Johannes Gattringer, Manfred Müssauer, Peter Rosenkranz, Clemens Anderl, Thomas Back sowie Obmann Hermann Hahn jun.
Foto: Karl Tröstl
Naturparkverein blickte auf fünf bewegte Jahrzehnte zurück. Einem Politiker gefiel der Nordwald schon damals ganz besonders.

Zahlreiche Besucher kamen am Sonntag zum Naturparkfest nach Bad Großpertholz. Diesmal gab es einen besonderen Anlass: Der Verein feierte sein 50-jähriges Bestehen. Eigentlich war es schon im vergangenen Jahr 50 Jahre her, dass der Verein unter dem damaligen Bürgermeister Heinz Weichselbaumer gegründet wurde, coronabedingt wurde aber heuer gefeiert.

Als Zeitzeuge erzählte der Obmann der Berg- und Naturwacht Bad Großpertholz, Dieter Günter Tannhäuser, über die Anfangszeit des Naturparkes: „Es sind viele Verhandlungen notwendig gewesen, und der damalige Landeshauptmann-Stellvertreter Hans Czettel (SPÖ), der ein besonderer Naturliebhaber war und den Nordwald in sein Herz geschlossen hatte, unterstützte unseren ÖVP-Bürgermeister Weichselbaumer bei dessen Anliegen.“ 1971 wurde der Verein gegründet, in den folgenden Jahren die Infrastruktur samt Aussichtsturm und Tiergehegen geschaffen. 1978 wurden schließlich die Naturparkflächen ausgewiesen. Man freute sich später über die Verleihung des Hans-Czettel-Preises.

„Nachdem auch ein Aussichtsturm errichtet worden war, wurde dieser von einem Mann der Berg- und Naturwacht tagsüber besetzt, es wurde Aufstiegsgebühr für die Turmerhaltung kassiert“, blickte Tannhäuser zurück.

Der heutige Vereinsobmann und Bürgermeister Hermann Hahn jun. sieht in seiner Rückschau einen Bedeutungswandel, den der Naturpark in den fünf Jahrzehnten durchlaufen habe: „Die Aufgaben des Naturparks kann man mit früher kaum mehr vergleichen. Damals war es vor allem ein touristisches Ausflugsziel, heute hat er einen hohen Stellenwert für den Naturschutz.“

Derzeit laufen etwa Projekte zum Erhalt der Magerwiesen sowie zur Wiedervermehrung der Arnika-Pflanze und des Böhmischen Kranzenzians. Das Gebiet ist Lebensraum vieler seltener Pflanzen- und Tierarten. Letzteres passt zum Schwerpunkt in den Tiergehegen: Einst waren hier auch Esel und Steinböcke untergebracht. Weil die Gegebenheiten im Nordwald nicht den natürlichen Lebensräumen entsprechen, habe man den Fokus auf alte Nutztierrassen – in den Gehegen leben unter anderem Zackelschafe, Tauernschecken-Ziegen und Steinpiperl – gelenkt, erklärt Hahn.

Zum Erhalt des Naturparks brauche es trotzdem sanften Tourismus und Besucher. Die kamen in großer Zahl zum Jubiläums-Naturparkfest: Schon beim Frühschoppen war viel los, Vikar Krysztof Sobczyczyn zelebrierte die Marianische Andacht bei der Kapelle zur Mutter Gottes inmitten des Nordwaldes. Danach spielte die Trachtenkapelle Bad Großpertholz auf. „Der Reinerlös des Festes dient der Erweiterung des ‚Abenteuerspielplatzes‘ beim Blockhaus in Scheiben“, erklärt Hermann Hahn.