Edmund Kitzler tritt aus Volkspartei aus. Nach zugespitztem Zwist und VP-Pleite bei Wahl: Edmund Kitzler verlässt die ÖVP nach mehr als 40 Jahren.

Von Karin Pollak, Markus Lohninger und Anna Hohenbichler. Erstellt am 05. Februar 2020 (06:09)
Edmund Kitzler legte nach Funktionen auch VP-Mitgliedschaft zurück.
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Die politische Zukunft der Marktgemeinde Bad Großpertholz ist nach wie vor nicht geklärt. Nach dem massiven Stimmenverlust der ÖVP am 26. Jänner, der neben einem Absturz um fünf Mandate auch den Verlust der absoluten Mehrheit im Gemeinderat nach sich gezogen hat, wird jetzt einmal eines: sondiert. Zudem sorgt der kurzfristige Parteiaustritt des zuletzt heftig in der Kritik gestandenen Edmund Kitzler nach mehr als 40-jähriger VP-Mitgliedschaft für Aufsehen.

„Gegenteil“ von Machtkonzentration

„Der Vorwurf der stetigen politischen Einflussnahme meinerseits sowie die Gerüchte, dass ich verantwortlich für den Rücktritt zweier Bürgermeister bin, sind Anlass für mich, die politischen Konsequenzen zu ziehen“, bestätigt der Anwalt auf NÖN-Nachfrage, mit sofortiger Wirkung aus der ÖVP ausgetreten zu sein. SPÖ und FP-Liste hätten diese Aspekte zu zentralen Themen im Wahlkampf gemacht. Dabei habe er „weder das politische Tagesgeschäft beeinflusst“, noch seien die Bürgermeister Vogler und Tannhäuser seinetwegen gegangen.

Allerdings, so Kitzler: Viele hätten in der Geschäftsführung im Kurhaus eine Machtkonzentration gesehen, „doch genau das Gegenteil ist der Fall“. Es seien Schritte gesetzt worden, um Parteipolitik aus dem größten Betrieb der Gemeinde herauszuhalten: „Der Bürgermeister ist nicht mehr Geschäftsführer des Kurhauses. Eine wichtige Maßnahme, die für den Betrieb essenziell ist.“ Weil die Politik trotzdem nicht ganz herausgehalten werden habe können, habe er bereits im Dezember alle Funktionen in der VP zurückgelegt. „Ich möchte gemeinsam mit dem ärztlichen Leiter Werner Tölle und Prokuristin Bernadette Kitzler den eingeschlagenen Weg im Kurhaus fortsetzen“, begründet Kitzler seine Entscheidung, die ÖVP nun ganz zu verlassen.

„Wahrgenommener Mitspieler“

Innerhalb von zweieinhalb Jahren sei es geschafft worden, ein „wahrgenommener Mitspieler in der Branche zu werden“. Das sei noch nicht das Ende der Fahnenstange, doch mit einer internen Neuaufstellung des gesamten Kurhauses sei man bestens gerüstet für die Zukunft. Die Zahlen aus dem Jahr 2019, dass das beste Jahr seit Bestehen gewesen sei, hätten den richtigen Weg angezeigt. „Dass ich auch die Zukunft des Hauses mitgestalten soll, hat das Team in den letzten Tagen immer wieder betont. Daher war es der einzig folgerichtige Schritt für mich, meine Parteimitgliedschaft zu beenden.“

Koalitions-Poker

Die Gemeindepolitik wird auf komplett neue Beine gestellt werden müssen, und am Weg dazu hat es nach Auskunft der Beteiligten bereits Gespräche zwischen allen Fraktionen gegeben: Die VP stellt wie berichtet künftig acht Mandatare, die SP sechs und die FP-Liste „Pertholz Aktiv“ fünf.

Martina Sitz: inklusive Gang in die Opposition in alle Richtungen offen.
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„Wir sind in alle Richtungen offen. Wie es kommt, so kommt es. Wir werden dem Wählerwillen entsprechen, das ist demokratisches Denken“, betont Bürgermeisterin Martina Sitz. Sie schließe weder den Gang in die Opposition, noch eine Zusammenarbeit mit SP oder FP aus.

Josef Scharinger von der SPÖ sagt zur ersten Verhandlungsrunde: „Es ging vorerst darum, wo man sich einigen kann.“ Nächste Woche würden die Verhandlungen in die zweite Runde gehen: „Da geht es dann um die Personaldebatte und darum, wer mit wem kann.“ Nach dem Wahlkampf mit dem Ziel, „die Vorherrschaft der ÖVP zu brechen“, stelle sich nämlich die Frage, „ob die ÖVP überhaupt mit uns will“, so Scharinger.

Seitens der FP-Pertholz Aktiv spricht Hermann Hahn jun. von konstruktiven Gesprächen mit SP und auch VP: „Ich bin guter Dinge, dass wir eine Lösung finden werden.“ Zur SPÖ habe es gegenseitig positive Signale gegeben, auch die Gespräche mit der ÖVP seien thematisch und inhaltlich angenehm gewesen. Zu viel preisgeben will er nicht. Aber: „Die Gespräche waren wahrscheinlich mit der SPÖ besser als mit der ÖVP.“

NÖN.at-Leser mehrheitlich für VP-Gemeindechef

Eine Umfrage zur Frage, wer den nächsten Bürgermeister der Marktgemeinde stellen soll, entfielen auf NÖN.at 66,7 Prozent der immerhin 1.849 Stimmen auf die ÖVP, 24,4 Prozent auf Pertholz Aktiv und 9,4 Prozent auf die SPÖ.