Kind im Bus vergessen: "War kein Einzelfall". Aufsichtspflicht sei verletzt worden, Ähnliches vor 3 Jahren schon passiert.

Von Karin Pollak. Erstellt am 10. Juli 2019 (04:45)
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Symbolbild

Das vergessene Kind in einem neunsitzigen Kindergartenbus, über das die NÖN in der Vorwoche berichtet hat, ist ein großes Thema in der Gemeinde Bad Großpertholz, wo sich dieser Vorfall ereignet hat. Die Polizei ist bereits am Ermitteln.

„Es wurde die Aufsichtspflicht verletzt. Bei dem Vorfall handelt es sich um ein Offizialdelikt,“, erklärt Bezirkspolizeikommandant Wilfried Brocks. Das bedeutet, dass strafbare Handlungen von der Staatsanwaltschaft von Amts wegen verfolgt werden. Die Polizeibeamten ermitteln bereits, das Ergebnis werde der Staatsanwaltschaft übermittelt, die dann über die weiteren Schritte entscheiden wird. Näheres zu diesem konkreten Fall konnte Brocks gegenüber der NÖN nicht sagen: „Es handelt sich um ein laufendes Verfahren.“

Dass dieses im Bus vergessene Kind in dieser Gemeinde kein Einzelfall ist, bestätigte eine Mutter. Vor drei Jahren sei bereits ein Mädchen in einem Kindergartenbus vergessen worden. „Das war im April, da war es nicht so heiß wie jetzt im Hochsommer“, sagt die Mutter.

Eltern nicht informiert

Das Mädchen sei im Bus gesessen, eine Frau hätte es entdeckt und den Busunternehmer darüber informiert. Das Mädchen sei dann mit dem Bus in den Kindergarten gebracht worden. Über diesen Vorfall wären aber die Eltern des Mädchens nicht informiert worden. Erst jene Frau, die das Kind entdeckt hat, habe dessen Eltern in Kenntnis gesetzt.

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Will im Fall des vergessenen Kindes Klarheit schaffen: Vizebürgermeisterin Marina Sitz.

Für dieses kleine Mädchen wären die rund 1,5 Stunden im Bus ein „Horror“ gewesen. Es hätte sogar ihre Jause aus der Plastikdose genommen, um darin ihre Notdurft zu verrichten. „Das Kind wollte das nicht im Bus tun“, so die Mutter gegenüber der NÖN, die schon damals nicht verstehen konnte, warum dieser Vorfall „unter den Tisch gekehrt worden ist“. Ihre Befürchtung, dass das wieder passieren könnte, traf im aktuellen Fall nicht ein.

Seitens der Gemeinde ist man bestrebt, Klarheit zu schaffen und dafür zu sorgen, dass es nicht wieder zu einem derartigen Vorfall kommt. „Uns ist die Sicherheit der Kinder das Wichtigste“, betonte Vizebürgermeisterin Martina Sitz, die derzeit die Amtsgeschäfte führt. „Die geeignetste Person, die Gespräche mit allen Beteiligten führen wird, ist Kindergarteninspektorin Elisabeth Heiß. Sie ist neutral“, betont Sitz. Diese Gespräche werden aber erst nach dem vierwöchigen Urlaub der Kindergarteninspektorin stattfinden.