Bezirk Gmünd

Erstellt am 13. Februar 2019, 05:05

von Markus Füxl

Ärztemangel: „Die Situation ist brenzlig“. Immer weniger Kassenärzte in ländlichen Regionen. So ist die Situation im Bezirk Gmünd.

Seit Februar 2017 ist Clemens Binder praktischer Arzt in Heidenreichstein. Der junge Arzt begründet den Ärztemangel im ländlichen Raum mit den langen Arbeitszeiten und der unattraktiven Honorarsituation. Mit im Bild: Lisa Poindl.  |  Franz Dangl

In Niederösterreich fehlen immer mehr Kassenärzte. Auch in Gmünd ist die Lage alles andere als rosig: „Die Situation ist brenzlig“, sagt Bezirksärztesprecher Christoph Preißl. So ist nach wie vor in Litschau kein Ersatz für den praktischen Arzt Werner Böhm-Michel gefunden, der im Juni 2017 in Pension gegangen ist. Gerald Ehrlich betreut das Gebiet alleine. Preißl warnt: „Ehrlich ist in Pensionsnähe. Wenn er abtritt, steht Litschau ohne Arzt da.“

Um den Mangel an Landärzten zu decken, bräuchte es „unkomplizierte Formen der Zusammenarbeit“, so der Ärztesprecher. Seine Vision: „Ein Sprengelsystem für die ganze Woche.“ Die „Hotspots“ im Bezirk:

Der NÖN bestätigt Litschaus VP-Bürgermeister Rainer Hirschmann, dass noch immer kein Nachfolger für Böhm-Michel gefunden wurde. „Wir arbeiten an allen Fronten.“ Dass in Litschau mit dem praktischen Arzt Gerald Ehrlich nur eine von zwei Arztstellen besetzt ist, werde für die Zukunft problematisch: „Ewig wird Gerald Ehrlich nicht weiterarbeiten können, das muss uns klar sein.“

Nachdem in Heidenreichstein der praktische Arzt Gustav Zimmermann in Ruhestand ging, übernahm im Februar 2017 Clemens Binder die Ordination. Den Mangel an Jungärzten im ländlichen Raum erklärt der 39-Jährige so: „Es ist ein nicht sehr familienfreundlicher, dafür anstrengender Beruf mit bis zu über 100 Patienten am Tag.“ Er fordert eine Lockerung der Zugangsbeschränkung zum Medizinstudium. „Sorgen bereitet vor allem die Möglichkeit einer baldigen Kürzung von Laborleistungen, die nach derzeitiger Honorarordnung einen beträchtlichen Teil des hausärztlichen Honorars darstellt“, so der Arzt.

Bezirksärztesprecher Christoph Preißl prophezeit „brenzlige Situation“.  |  Andreas Wettstein

In Dietmanns ist nach der Pensionierung von Boris Seizov am 1. Oktober 2017 die Praxis laut Ärztekammer vakant. Aber Allgemeinmediziner Martin Grubök betreut die Ordination bis auf Weiteres provisorisch mit. „Seitdem hat sich nichts an der Situation verändert“, sagt Bürgermeister Erhart Weißenböck. Neuen Bewerber für die Stelle gibt es noch immer keinen.

Gmünd: Nach der Pensionierung des Gynäkologen Mohammad Heydari am 20. Dezember 2018 übernahm Mitte Jänner bis zu einer Nachbesetzung der Waidhofner Thomas Schuller die Ordination. Die Stelle ist weiter ausgeschrieben.

Eigentlich wollte Dietmar Stauffer die Kassenstelle übernehmen, durfte laut NÖ Gebietskrankenkasse aber nicht (die NÖN hat berichtet). „Er hätte rein rechtlich den Vertrag als Allgemeinmediziner zurücklegen müssen. Das wäre nicht sinnvoll, denn dann hätten wir zwar einen Gynäkologen, aber wieder einen Allgemeinmediziner weniger“, sagt Bezirksärztesprecher Christoph Preißl.

Weitra : Aufatmen heißt es in Weitra. Seit 2015 gab es nach dem Tod von Liselotte Mayer keinen Zahnarzt. Mit 1. April soll der Wiener Zahnarzt Hubert Ralf Griessnig eine Ordination eröffnen.