Blick in die Pfarren: Advent in Stille und Glauben

Religion auch im Lockdown leben: Welche Möglichkeiten sehen Pfarren im Bezirk Gmünd dafür?

Erstellt am 01. Dezember 2021 | 05:07
Lesezeit: 3 Min

Die erste Kerze am Adventkranz wurde angezündet, die ersten Türchen am Adventkalender geöffnet. An einigen Traditionen ändert auch der Lockdown nichts, auf das gesellschaftliche Beisammensein in der Vorweihnachtszeit hat er freilich große Auswirkungen. Die NÖN fragte in Pfarren nach, wie sie die ruhige Zeit heuer gestalten werden.

Herbert Schlosser, Dechant und Schremser Pfarrer, ist froh, dass Gottesdienste stattfinden können. Die sonst im Advent traditionellen Besuche in Schulen und Kindergärten fallen aber aus: „Das fehlt sehr, denn diese Feiern sind wunderschön“, bedauert er. Auch wenn im heurigen Advent vieles nicht möglich ist: Anderen eine Freude zu bereiten, brauche nicht unbedingt persönlichen Kontakt, sagt Schlosser: „Es gibt viele Menschen, die einsam sind. Momentan ist das ein großes Problem, das man nicht unterschätzen darf – vielen fällt wirklich die Decke auf den Kopf.“ Einen Anruf könne jeder tätigen: „Füreinander da sein, tröstende Worte schenken und ein offenes Ohr haben. Damit ist schon viel getan“, rät er.

„Advent und Weihnachten würde es ohne Kirche gar nicht geben“, betont Pater Markus Feyertag, Pfarrer von Weitra, St. Wolfgang und Spital: „Die Seelsorge ist ein Problem, das nicht nur auf die Pandemie zurückzuführen ist. Wo sollte der Glaube gelebt werden? In den Familien. Aber das religiöse Leben gibt es dort kaum mehr. Das gilt auch für den Advent“, ist er besorgt. In die Kirche gehe man zum Stärken des Glaubens, ein Beispiel: „Man bleibt nicht bei der Tankstelle stehen, um tanken zu können. Man muss zwischen dem Tanken auch fahren. Das Tanken ist die Kirche, das Fahren der Glaube in den Familien, der gerade im Advent und zu Weihnachten besonders wichtig ist“, sagt er.

In den Pfarren Gmünd-Neustadt und Großdietmanns werden alle geplanten Gottesdienste durchgeführt, nur mit zwei Meter Abstand für die Gläubigen. „In der Kirche Gmünd-Neustadt ist das kein Problem, in Dietmanns könnte es schon etwas eng werden“, sagt Pater Georg Kaps. Er hofft, dass Gläubige, die nicht in die Kirche kommen können oder wollen, daheim vor dem Radio oder Fernsehgerät Messen mitfeiern und somit den Glauben aktiv mitleben. Advent- oder Weihnachtsbräuche gibt es bei Kaps privat nicht: „Ich bin dabei immer mit der Pfarre verbunden. Aber vielleicht wird das heuer anders, denn bisher war ich ja immer alleine, jetzt lebt Kaplan Pius Obioma Nwagwu im Pfarrhaus.“

Evangelische Pfarre: Veranstaltungen abgesagt

In der evangelischen Pfarre waren einige Feiern und Aktivitäten im Advent geplant. „In der Vorwoche haben wir aber alles abgesagt“, erklärt Pfarrerin Dace Dislere-Musta. Die Gottesdienste in den Bezirken Gmünd und Waidhofen werden hingegen gefeiert. „Weihnachten ist eines der wichtigsten Feste in christlichen Konfessionen“, sagt sie. In ihrer Familie werde wieder der vor rund 20 Jahren von der Pfarrerin genähte Adventkalender hervorgeholt: „Wir basteln auch gerne kleine Adventkalender für unsere Freunde.“ Mit dem ersten Adventsonntag begann in den evangelischen Pfarren das „Jahr der Schöpfung“ – in dem 2022 übrigens zum „Aktiv- und Zukunftsjahr“ ernannt wird.

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