„Euphorie in der Landwirtschaft ist nicht recht groß“. Die heimischen Landwirte zwischen Dürre, Borkenkäfer und Klimawandel – eine Standortbestimmung.

Von Maximilian Köpf und Markus Lohninger. Erstellt am 23. Oktober 2019 (04:12)
NÖN
Saftige, grüne Wiesen. Der Eindruck täuscht. Eigentlich müsste jetzt das Gras so hoch stehen, dass die Beine von Andreas Koll verdeckt wären. „Beim dritten und vierten Schnitt hatten wir Riesenausfälle. Wir müssen ein Drittel des Futters zukaufen“, sagt der Bio-Landwirt aus Großradischen.

Steigende Temperaturen, weniger Niederschläge, Dürreperioden, Borkenkäfer, Klimawandel. Die heimische Landwirtschaft steht einer Reihe an Herausforderungen gegenüber, die diese womöglich auch nachhaltig verändern werden.

„Das größte Problem ist der Borkenkäfer“, betont Bezirksobmann Markus Wandl. „Die Trockenheit macht es aber generell schwierig. Es gibt Ausfälle im Futterbereich, die Ackerfrucht-Ernte fiel unterdurchschnittlich aus. Die Euphorie ist nicht unbedingt groß.“ Dabei durchzieht den Bezirk Gmünd eine Linie. Im Süden gab es mehr Niederschläge, dementsprechend weniger Probleme, im Norden haben die Landwirte mehr zu kämpfen, sagt Wandl.

Koll: "Grünflächen und Wald leiden"

Einer dieser Landwirte aus dem Norden ist Andreas Koll, der vor 15 Jahren den elterlichen Betrieb in Großradischen bei Eisgarn übernommen hat. „Im Mai war‘s etwas mehr, aber sonst hatten wir kaum mehr Regen. Die Ackerfrüchte vertragen das besser, aber die Grünflächen und der Wald leiden“, schildert er. Von dem Futter, das er heuer von seinen Grünflächen ernten konnte, werden seine Rinder nicht mehr satt. Ein Drittel des Futters muss er zukaufen.

„Die ersten beiden Schnitte waren in Ordnung, aber die anderen beiden einfach zu wenig“, erzählt Koll, der auch schon nach Alternativen Ausschau hält. Im Vorjahr etwa baute er Einjähriges Raygras, das mit weniger Wasser auskommt, als Futtermittel an. „Das hat gleich gut funktioniert, also habe ich es heuer wieder probiert. Nichts…“, seufzt er.

Die geringen Niederschläge machen Landwirten zu schaffen. „Die großen Gewitterzellen bleiben aus“, sagt Koll, der seit einigen Jahren auch mit dem Borkenkäfer im Wald kämpft. „Wenn ich da in den Waidhofner Raum rüberschau: So passiert‘s in ein paar Jahren auch bei uns. Fürchterlich“, schüttelt er den Kopf. Wandl weiß: „Bäume sind 100-jährige Kulturen. Gehen die kaputt, sind das massive Einkommensverluste.“

Bauernzahl rückläufig, aber mehr Biobauern

Wo sich die Landwirtschaft durch den Klimawandel hinbewegen wird? „Eine spannende Frage“, sagt Wandl. „Jetzt heißt es, dann wird im Waldviertel Grüner Veltliner angebaut. Das halte ich aufgrund der starken Früh- und Spätfroste für problematisch.“ Die Zahlen der landwirtschaftlichen Betriebe, nicht jedoch der bewirtschafteten Fläche, sind jedenfalls seit Jahrzehnten rückläufig.

Nach oben entwickeln sich die Zahlen aber bei Bio-Betrieben. Ein Vorreiter ist in der Hinsicht der Ökologische Kreislauf Moorbad Harbach, für den auf Betreiben von Moorheilbad-Gründer Manfred Pascher lange vor dem Bio-Boom Landwirte auf Bio umrüsteten. Heute garantieren 25 Bauern aus den Bezirken Gmünd und Zwettl den „Xundheitswelt“-Betrieben Bio-Qualität von Feldfrüchten über die Milch bis zum Fleisch aus nächster Nähe. Junge Menschen hätten dadurch, so Pascher, gute Jobs aufgegeben und die Betriebe ihrer Eltern als Vollerwerbs-Bauern übernommen.

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