„Homeschooling“: Zuhause in der Schule. Betreuung kaum genutzt, Matura-Verschiebung sehen manche positiv.

Von Anna Hohenbichler. Erstellt am 09. April 2020 (10:16)
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Aufstehen, Frühstücken, sich auf den Weg zur Schule machen: So sieht der Morgen bei vielen Schulkindern aus. Seit drei Wochen ist das anders. Der Schulweg fällt aus, das rege morgendliche Treiben vor den Schulen ist weg. „Ab ungefähr acht Uhr wird begonnen zu lernen“, erzählt Siegfried Riedl. Er ist Elternvereins-Obmann der Volksschule Litschau und Vater zweier Töchter. Am Vormittag wird der Lernplan durchgearbeitet, Pausenglocken gibt es beim „Homeschooling“ nicht.

Geregelter Alltag ist wichtig

„Wir haben versucht, den Tag sehr strukturiert zu gestalten“, sagt auch Thomas Miksch, Obmann des Elternvereins der Volksschule Gmünd. Feste Lern- und Spielzeiten seien wichtig, denn: „Einfach so in den Tag hinein zu leben wäre für Kinder nicht gut.“ Karin Kreindl, Elternvereins-Obfrau der Mittelschule Weitra: „Meine Kinder machen vormittags ihre Aufgaben und haben am Nachmittag Zeit zum Spielen. Die wollen das alles auf einmal erledigt haben.“ Es gebe aber auch Kinder, die sich ihre Aufgaben über den Tag verteilen. Und freilich auch die, „die überhaupt nichts tun wollen.“ Der Großteil sei aber selbst sehr engagiert.

Ferien sollen der Erholung dienen

Direktoren verweisen auf NÖN-Anfragen an die Bildungsdirektion. Dort heißt es: „In den herausfordernden Zeiten der Corona-Krise sind auch die bevorstehenden Osterferien anders als sonst.“ Ein Betreuungsangebot bestehe auch in den Ferien. Sie sollten aber „auch wirklich zur Erholung und Entspannung genutzt werden“. Das Betreuungsangebot in Bildungseinrichtungen des Bezirkes wird kaum genutzt. Sowohl im achtgruppigen Schremser Kindergarten als auch im Storchennest sei die Nachfrage „sehr gering“, bestätigt etwa Bürgermeister Karl Harrer.

Hilfestellungen nicht immer möglich

Dass die Eltern zu Lehrern werden, sei bei Volksschülern noch machbar, sagt Miksch: „Man versucht, die Kinder nach bestem Wissen zu unterrichten.“ Es sei aber nicht einfach und abhängig davon, wie man sich beruflich arrangieren kann. „Ich glaube, dass das schon eine große Belastung für Eltern ist.“

Herausfordernd sei laut Siegfried Riedl, Kindern beizubringen, was für Erwachsene selbstverständlich ist: „Eine Addition oder Multiplikation ist für uns ganz alltäglich.“ Hilfestellungen in höheren Mittelschul-Klassen seien teils schon schwieriger, sagt Karin Kreindl: „Dann können die Kinder den Lehrer anrufen, der es ihnen erklärt.“ Die Zusammenarbeit unter Eltern und mit Lehrern funktioniere – das bestätigen alle drei Elternvertreter – gut. Riedl: „Wir Eltern sind jetzt der verlängerte Arm der Lehrer. Das ist sehr gute und professionelle Arbeit, die unsere Lehrkräfte leisten.“

Ungewissheit über Maturatermin

Jenny Stütz, fünfte HAK 
Stütz,

Fast schon Gretchenfrage für die Maturanten: Wann wird die Matura stattfinden? „Wir reden oft darüber“, erzählt Jenny Stütz, Klassensprecherin der fünften HAK. Das Planen fürs „Danach“ sei schwer – egal ob für Studium oder Beruf. Erste Auswirkungen auf Reife- und Diplomprüfungen am Schulzentrum hatte das Virus bereits: Präsentationen der schriftlichen Diplomarbeiten fallen aus. „Mit der mündlichen Präsentation hätte man nochmal beweisen können, wie sehr man sich mit dem Thema beschäftigt hat“, meint Stütz.

Und die Maturareisen?

Jakob Haumer, Gym-Sprecher
NOEN

„Generell steht man in den Maturaklassen den ständigen Neuinformationen zwiegespalten gegenüber“, sagt Jakob Haumer. Er ist Gym-Schulsprecher und selbst Maturant. Matura-Verschiebungen werden teils positiv aufgefasst: „So wird mehr Vorbereitungszeit geboten.“ Teils aber auch skeptisch: Die Sorge, dass letztlich „nur wenig Zeit bleibt, sich stoffmäßig auf die Klausuren vorzubereiten“. Ein mögliches Problem für geplante Maturareisen: „Dass man bis zur Reise eventuell noch kein Maturazeugnis in den Händen hält“, sagt Haumer. Ob die Maturanten zu Hause bleiben müssen oder beruhigt verreisen können, stehe noch in den Sternen.