Bezirk Gmünd ist Wochen-Spitzenreiter bei Positivtests. Binnen zweier Wochen verwandelte sich Gmünd als Musterbezirk mit den bundesweit insgesamt zweitwenigsten Corona-Fällen nach Hermagor in Kärnten zum negativen Spitzenreiter: Im Verhältnis zur Einwohnerzahl hat zum Start des Wochenendes in ganz Österreich kein Bezirk mehr positiv Getestete innerhalb der vergangenen Woche.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 26. September 2020 (12:52)
NÖN, Markus Lohninger

Die Anzahl der jemals positiv Getesteten aus dem Gmünder Bezirk hat sich in diesen sieben Tagen verdreifacht, der Bezirk schwappt von der grünen Farbe in der "Corona-Ampel" direkt auf Orange für "hohes Infektionsrisiko" und damit die dritte Stufe um. Darin kommen hier wie auf NÖN.at berichtet ab Montag die gegenüber den Bundesvorgaben strengeren Covid-Maßnahmen des Landes NÖ zur Geltung.

Im Detail ist das Zahlenmaterial von Bezirkshauptmannschaft und Bundesministerium, nachdem sich die Ereignisse infolge der Hochzeitsfeier in Schrems tagelang überschlugen, vorübergehend nicht mehr völlig ident. Das Ministerium spricht anhand des Epidemiologischen Meldesystems (EMS) mit Stand 26. September, 11 Uhr, jedenfalls von 77 jemals positiv Getesteten im Bezirk. Das sind um 48 mehr als sieben Tage zuvor.  

Um Entwicklungen in Verwaltungseinheiten hinsichtlich CoV vergleichbar zu machen, arbeitet das EMS mit dem Verhältnis zu Einwohnerzahlen (je 100.000). Die 36.500 Einwohner des Gmünder Bezirkes werden auf diese Marke hochgerechnet. 48 neue Fälle binnen sieben Tagen bedeuten also, wie auch der ORF für seine Datenbank errechnet, etwa 131 Positivtests je 100.000 Einwohner: Damit führt Gmünd die bundesweite Liste vor Ried im Innkreis (123) und Innsbruck (117) an. Unter den 94 Bezirken und Statutarstädten Österreichs ebenfalls vorne dabei, wenn auch mit geringeren Zahlen: Krems-Land (99), Waidhofen (85; Position 8), Krems-Stadt (84) und Zwettl (59; Position 18). 

Unter den bisher positiv Getesteten waren laut Bezirkshauptmannschaft Gmünd auch schwerer Erkrankte, aber bis dato wurde hier noch kein Todesfall in Zusammenhang mit der Corona-Pandemie registriert.


Positiv-Tests von Gästen, die gar nicht auf Liste stehen 


Mehrere Infektionen im Bezirk entstanden freilich völlig unabhängig vom Schremser Hochzeits-Cluster, einen zweiten Cluster gibt es bis dato laut Bezirkshauptmannschaft noch nicht. Allerdings muss offenbar die via Polizei nachgereichte Liste der Hochzeitsgäste hinterfragt werden: Der Behörde liegen, wie gegenüber der NÖN festgehalten wird, erste positive Covid-Tests von Personen vor, die sagen, sie seien auf der Hochzeit am 12. September gewesen – die aber gar nicht unter den 207 auf der Liste angeführten Personen aufscheinen. 

Die erlaubte Besucherzahl für Hochzeiten war zu diesem Zeitpunkt und auch schon den gesamten August über gemäß der offiziellen Vorgabe des Sozialministeriums auf maximal 200 beschränkt, weil Hochzeiten für den Bund hinsichtlich CoV-Risiko nicht in die Kategorie „Veranstaltungen mit fixen Sitzplätzen“ wie Kino oder Theater fallen.

Mehr Datenmaterial auf:

https://info.gesundheitsministerium.at/dashboard_Epidem.html?l=de

https://orf.at/corona/stories/daten/