Not machte erfinderisch: 243 Tests aus einem PCR-Gurgelset

Wie ein NÖN-Leser aus einem 10er-Gurgelset ganze 243 (!) PCR-Tests machte. Im Labor hält sich die Euphorie in Grenzen.

Erstellt am 02. Dezember 2021 | 05:10
Lesezeit: 2 Min
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Ein aktuelles Gurgelset enthält neben zehn Probenröhrchen auch drei Bögen mit insgesamt 243 QR-Code-Stickern – also stattlichen 233 Stickern mehr als nötig.
Foto: M. Lohninger

Ein NÖN-Leser aus dem Gmünder Bezirk zeigte es vor: In Zeiten von wochenlangem Frust und Beschimpfungen von Spar-Mitarbeitern gewann er ganz ohne Horten aus einem einzigen Novogenia-Gurgelset der Aktion „Niederösterreich gurgelt“ mehr als einen Jahresvorrat an PCR-Tests. Sein Experiment funktionierte nach einer kleinen Investition, er bekommt seither ohne Anstehen ganz reguläre Ergebnisse.

Wie das ging? Und ob das „erlaubt“ ist?

Die Ausgangs-Situation

Wer zuletzt ein „Set mit 10 kostenlosen SARS-COV-2 PCR Test-Sets“ von Novogenia aus der Aktion „Niederösterreich gurgelt“ bezogen hat, dem sind nach dem Öffnen zehn Probenröhrchen mit Drehverschlüssen und Kappen, ein Säckchen Transportbeutel und drei Etikettenformulare in die Hände gefallen. Jedes dieser Formulare enthält einen Registrierungscode für die getestete Person – und dazu 81 weiße Sticker mit QR-Codes, die der Person zugeordnet sind. Macht bei drei Bögen also in Summe 243 Sticker mit QR-Codes.

Der Test wird gemacht, indem man nach digitaler Anmeldung Leitungswasser 30 Sekunden lang gurgelt (die Kochsalzlösung ist nicht mehr nötig) und es danach ins Röhrchen spuckt. Das wird dann zugeschraubt, an der Kappe wird einer der Sticker mit QR-Code aufgeklebt, das Teil dann in einen Transportbeutel verstaut und in eine der Sammelboxen eingeworfen. Danach geht’s ins Labor zur Auswertung.

Was daran ungewöhnlich ist?

"Warum liegen einem Testset die Codes für 243 Proben bei, aber nur zehn Röhrchen? Was geschieht mit den 233 anderen Stickern?“, fragte sich ein NÖN-Leser aus dem Bezirk Gmünd, nachdem er mehrmals keine neuen PCR-Testsets ergattern konnte. Er startete ein Experiment: Er deckte sich für 17 Euro mit einer 50er-Packung an durchsichtigen und verschraubbaren Probenröhrchen mit Zusatz „sterilisiert, medizinisch, sauber und hygienisch“ ein, kaufte noch ein Set passende Druckverschlussbeutel, gab seine ersten Gurgelproben ab – und erhielt tatsächlich reguläre Ergebnisse.

So einfach ist das.

Ist das so einfach?

„Das ist praktisch wahrscheinlich möglich, rechtlich aber nicht zulässig. Man sollte es nicht machen“, warnt Marco Herten von Novogenia auf NÖN-Nachfrage vor einem Verstoß gegen das Medizinrecht. Die Testkits seien entsprechend EU-weiten Regelungen registrierte Medizinprodukte, müssten damit strengen Voraussetzungen hinsichtlich Herstellung, Lagerung oder Dokumentation entsprechen, spezifische „LOT“-Nummern aufweisen. Man könne praktisch auch mit einem nicht registrierten Auto fahren, rechtlich zulässig sei es genausowenig.

Warum werden 243 Codes vergeben? In der Zusammenarbeit mit mehreren Partnern mit verschiedenen Vorgaben habe sich der einheitliche Druck von A4-Bögen mit je 81 QR-Codes auf kleinen Stickern auch angesichts einer Knappheit an Klebern am Weltmarkt als schnell und effektiv bewährt, sagt Herten. Er kündigt aber kleinere Bögen mit weniger Stickern an.

Die offiziellen Probenröhrchen sind übrigens recycelbare PET-Rohlinge – die eigentlich entwickelt wurden, um aufgeblasen und im Anschluss mit Cola & Co befüllt zu werden.