Öffnungspläne: Perspektiven sind noch nicht ganz da. Die neuen Pläne für die Gastronomie bringen auch neue Herausforderungen mit sich. In der Kultur – etwa den Kinos – bleiben vorerst nur Spekulationen.

Von Johannes Bode und Anna Hohenbichler. Erstellt am 03. März 2021 (05:11)

Verlangt wurde in den vergangenen Wochen in Gastronomie, Kultur, Thermen und Sport vor allem nach einem: Perspektiven. Am Montag wurde der neue Plan bekannt gegeben, der für die Kultur kaum Klarheit bringt und in der Gastronomie eine Öffnung der Schanigärten mit 27. März vormerkt. Aber entspricht das den Perspektiven, die sich die Branche gewünscht hat?

Auf den Wettergott hoffen

„Es ist eine kleine Chance, aber was macht ein Wirt, der keinen Gastgarten hat?“, sagt Wirtschaftskammer-Bezirksobfrau und Wirtesprecherin Doris Schreiber nach der Verkündung der neuen Regelungen: „Eine wirkliche Perspektive nach vorne ist es für mich nicht.“

Das hat gute Gründe: Durch die Abhängigkeit vom Wetter seien Reservierungen de facto unmöglich, in der Planung und Organisation stünden Gastwirte großen Herausforderungen gegenüber. „Eine ungefähre Wetterprognose weiß man schon, und wir Wirte sind generell sehr spontan, aber das ist wirklich schwierig“, erklärt Schreiber. Der Lebensmittel-Einkauf für Gasthäuser werde dementsprechend schwerer zu kalkulieren sein. Und auch den Mitarbeitern werde das viel Flexibilität abverlangen, meint sie.

Wie werden sich die Wirte auf die Öffnungen vorbereiten? „Jeder Wirt wird für sich schauen, wie er ohne große Investitionen draußen Plätze schaffen kann.“ Die Freifläche bei Schreibers Waldschenke ist zwar groß, dafür aber nicht überdacht. Umso größer ist die Abhängigkeit vom Wetter. Für kühle Temperaturen habe sie jedenfalls schon mit Infrarot-Lampen vorgesorgt.

Gastro fehlt beim Shoppingerlebnis

Als Wirtschaftskammer-Bezirksobfrau ist Doris Schreiber auch für die Unternehmen abseits der Gastronomie und Hotellerie zuständig. Wie läuft es dort eigentlich? „Aus dem Handel höre ich immer wieder, dass die Gastronomie fehlt“, sagt sie. Es laufe zwar gut, für das richtige Shoppingerlebnis fehle aber noch etwas: „Das Zusammenspiel aus Gastronomie und Handel ist ganz wichtig.“

Kultur am Existenzminimum

Eine verlässliche Perspektive oder gar Planungssicherheit für die Kultur gab die Pressekonferenz der Regierung am 1. März nicht her. Auch Julia Gaugusch-Prinz, Geschäftsführerein der Waldviertler Kinos in Gmünd und Zwettl, kann über Öffnungsschritte nur spekulieren. Dabei, sagt sie, sei jeder Monat entscheidend: „Es wird immer schwieriger, die Leute zurück ins Kino zu holen. Und es ist frustrierend, weil wir wieder keine Perspektive haben.“ Unternehmen in der Größe eines Kinos hätten nicht derartige Rücklagen, um diese Lage unbeschadet überstehen zu können, meint sie. Die rasch und reibungsfrei ausgezahlten Förderungen sowie die Kurzarbeit seien derzeit existenzsichernd. Nur: „Es wird verdammt eng.“

Auch wenn auf der Homepage der Waldviertler Kinos noch der Filmstart von „Ostwind - Der große Orkan“ Ende März angekündigt wird – an eine Öffnung der Kinos vor Mai glaubt Julia Gaugusch-Prinz nun nicht mehr: „Es war nach dem ersten Lockdown so, dass die Kinos erst nach der Gastronomie aufsperren durften. Und ich fürchte, es wird auch jetzt wieder so sein.“

Präventionskonzepte fürs Kino

Aus rein gesundheitlicher Perspektive würde aus der Sicht von Gaugusch-Prinz nichts gegen eine Öffnung sprechen: Man habe ein gutes Präventionskonzept, und „es gab auch bisher keine Cluster in den österreichischen Kinos.“

An die zwei Stunden eine FFP2-Maske aufzusetzen, hält sie für „weniger prickelnd.“ Allerdings sei das mit Verweis auf die anderen Maßnahmen auch nicht nötig. „Wichtig ist auch die Lüftungsanlage. Ich habe im Corona-Rechner der Regierung unsere Daten eingegeben und das Ergebnis bekommen, dass wir auch ohne Maske ein geringes Risiko in den Sälen haben. Man sitzt am Platz, redet nicht und schaut nach vorne“, sagt Gaugusch-Prinz. Auch Eintrittstests könnte sie sich vorstellen.

Filmmangel?

Gegen eine baldige Öffnung spricht allerdings, dass es derzeit schwierig ist, überhaupt Filme zu bekommen. Für die großen Filmverleihe ist der österreichische Markt allein zu klein, deshalb zahlt es sich für sie erst aus, wenn auch in Deutschland geöffnet wird.

In Zukunft werde man genauer schauen, welche Filme überhaupt ins Kino kommen, analysiert Gaugusch-Prinz die Situation, die derzeit vom Wachstum der Streaming-Anbieter geprägt ist: „Die großen Filme werden weiterhin zuerst im Kino zu sehen sein. Eine Marvel-Verfilmung will sich jeder auf der großen Leinwand anschauen. In den USA haben sich in manchen Fällen die Kinos behauptet. Außerdem sind die Leute auch schon von den Netflix-Serien übersättigt.“ Das zeige auch ihre derzeitige Erfahrung: „Ich bin mit Leib und Seele ein Kinomensch und vermisse vor allem auch die sozialen Kontakte und den Austausch. Und so geht es auch meinen Stammgästen.“

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