Physiotherapie: Wenn Berührungen zum Beruf gehören. Hohe Nachfrage und Hygienemaßnahmen: Wie sieht der Arbeitsalltag von Physiotherapeuten in der Covid-Pandemie aus?

Von Anna Hohenbichler. Erstellt am 20. Februar 2021 (05:28)
„Hands-on Therapie“: In der Physiotherapie lassen sich Berührungen – wie hier bei Sabine Solar – oft nicht ganz vermeiden. Umso wichtiger sind andere Hygienemaßnahmen.
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Ob Dauerpatient, zur Regeneration nach Operationen oder zur generellen Unterstützung des Bewegungsapparates: Wer zur Physiotherapie kommt, braucht aktuell keinen negativen Covid-Test vorzuweisen. Hygienemaßnahmen und das Tragen von Masken gehören dennoch auch für Physiotherapeuten zum Berufsalltag. Ganz auf Berührungen zu verzichten, scheint bei dieser Arbeit aber kaum möglich.

„Physiotherapie ist eine Hands-on Therapie“ , sagt Sabine Solar. Die Physiotherapeutin ist in der Großeibensteiner Gruppenpraxis um Karin Opelka tätig – und macht auch Hausbesuche. Einige Patienten würden zwar aktive Übungen machen, zur Korrektur müsse sie aber fast immer hingreifen. Nadine Thaler, Physiotherapeutin im Weitraer Ordinationszentrum „W4.med“, sieht das ähnlich: „So wie ich arbeite, funktioniert es ohne Berührungen nicht. Wir müssen stattdessen auf Desinfektion und Schutzmaßnahmen setzen.“ In der Ordination könne darauf freilich genauer geachtet werden als bei Hausbesuchen.

Viel Kontakt zu Risikogruppen

Die Arbeit mit und am Menschen funktioniere trotz Masken gut, erzählen beide. Bloß: Bei Patienten, die ohnehin schon Schwierigkeiten beim Atmen haben, sei besondere Vorsicht geboten. „Wenn Patienten Probleme mit den Atemwegen haben, kann die Maske störend sein – gerade bei Kraft- und Ausdauertrainings“, sagt Solar.

Weil Physiotherapeuten nicht selten mit Personen aus Covid-Risikogruppen arbeiten, ist sie noch vorsichtiger: „In manchen Fällen überlegt man sich, ob es sinnvoll ist, die Behandlung fortzusetzen. Ich trage seit dem ersten Lockdown FFP2-Masken, auch im Sommer. Patientenkontakt gibt es nur mit Maske.“

Wird Therapie coronabedingt aufgeschoben?

Da gebe es unterschiedliche Gruppen, sagen die beiden Therapeutinnen: Einige seien vorsichtiger, warten mit der Therapie lieber. „Das sind aber meistens keine frisch operierten“, erklärt Sabine Solar: „Bei Akutpatienten oder frisch operierten Patienten müsste man sowieso sofort anfangen.“ Die Frage nach einem Aufschub stelle sich dann gar nicht. „Ich kenne auch Patienten, die sagen, sie hätten jetzt endlich Zeit für eine Physiotherapie“, erzählt Nadine Thaler.

Mehr Telefonate, mehr Pausen, wenig Personal

Um genügend Abstand im Wartebereich des Weitraer Ordinationszentrums zu gewährleisten, sei gute Logistik gefragt gewesen, sagt Thaler. Zum Hörer greife sie jetzt wesentlich öfter: Nach neuen Verordnungen wollen die eigenen Patienten freilich informiert werden. Das Lüften – und die eigene kurze Verschnaufpause – haben sich auf die Einteilung ausgewirkt: „Ich achte darauf, dass ich nach jedem Patienten Zeit habe, um die Maske kurz runterzunehmen“, erzählt Sabine Solar. Zehn-Stunden-Tage in der Praxis sind auch für die Therapeutinnen fordernd.

Eine weitere Herausforderung sei der Informationsfluss: Als freiberufliche Physiotherapeutin fühle man sich manchmal allein gelassen, sagt sie. Außerdem sei der Bezirk an der Physio-Front unterbesetzt, es fehle an Personal: „Einige Patienten fahren jetzt nicht auf Reha, manche haben zugewartet, und jetzt gibt es keine Möglichkeit mehr, es aufzuschieben.“

Dass die Dienste so begehrt sind, hat aber auch Vorteile – nämlich gesteigerte Wertschätzung der Arbeit von Sabine Solar, Nadine Thaler und ihren Kolleginnen und Kollegen: „Ärzte sehen inzwischen vermehrt die Notwendigkeit der Physiotherapie“, sagt Solar.