Kleinkinder verloren Väter bei Zugunglück. Zwei Väter von Kleinkindern aus dem Bezirk kamen nicht von der Arbeit zurück.

Von Karin Pollak und Markus Lohninger. Erstellt am 17. Juli 2019 (05:01)
privat
Robert Volkmann † und Alois Schmitner †

Fassungslosigkeit nach dem Zusammenstoß eines Pritschenwagens der Baufirma Leyrer+Graf mit einer Zuggarnitur auf einem Bahnübergang bei Raasdorf im Bezirk Gänserndorf am 9. Juli: Zwei der drei Insassen des Klein-Lkw aus dem Bezirk Gmünd verstarben an Ort und Stelle, der Fahrzeuglenker wurde mit schweren Verletzungen ins SMZ Ost geflogen. Gerüchte, wonach dieser mittlerweile ebenfalls seinen Verletzungen erlegen sei, dementiert die Landespolizeidirektion gegenüber der NÖN.

Während die Staatsanwaltschaft Korneuburg die Ermittlungen zur Ursache des Unglücks aufgenommen hat, müssen die hinterbliebenen Familienangehörigen neben Fragen nach dem „Warum“ die so schmerzvoll auf sie zugekommenen neuen Herausforderungen stemmen: Barbara Schmitner aus Nondorf und Sabrina Kurz aus Haugschlag verloren bei dem Unfall ihren Gatten bzw. Lebensgefährten, zwei Kleinkinder verloren ihre Väter.

„Der Riss, der entstanden ist, ist gewaltig…“Sabrina Kurz wollte Robert Volkmann heiraten und mit ihm das Haus fertig sanieren

So muss Barbara Schmitner ihrem zweijährigen Sohn jetzt erklären, warum sein Vater Alois (25) nicht mehr heimkommt. Das junge Paar übersiedelte vor drei Jahren von Wien nach Nondorf, bevor der gemeinsame Sohn zur Welt gekommen ist, wurde geheiratet. Seit einem Jahr arbeitete Alois Schmitner bei Leyrer+Graf. Erst vorige Woche habe er, wie seine Gattin sagt, seine allererste Montagetätigkeit für diese Firma übernommen, war damit auch zum ersten Mal von zuhause weg. Am zweiten Tag dieser neuen Aufgabe verlor er sein Leben.

„Ich kann nicht mehr in diesem Haus leben. Alles erinnert mich an Alois. Ich will mir in der Nähe seines Vaters eine Wohnung suchen, damit mein Sohn viel Kontakt zu seinem Opa, hat“, sagt Barbara Schmitner tiefbetroffen im NÖN-Gespräch. Das Haus in Nondorf ist gemietet, die Witwe hat keine Verwandten mehr. „Ich bat im Internet um Hilfe beim Ausräumen. Ich bin alleine und schaffe das alles sonst nicht“, meint sie. Sie erhielt sehr positive Rückmeldungen, hat vielleicht jemanden gefunden, der die Arbeiten übernehmen würde.

Dank für Hilfe von Kriseninterventionsteam

Großen Dank spricht sie dem Kriseninterventionsteam aus: „Die Mitglieder waren sofort nach Erhalt der furchtbaren Meldung fünf Stunden bei mir, ohne diese Unterstützung wäre ich aufgeschmissen gewesen. Sie haben Wege begonnen, die ich jetzt fortführe.“ Ihr Sohn sei jetzt ihr ganzer Halt, meint Barbara Schmitner, die vorübergehend in St. Pölten Hilfe erhält. Ihren Gatten muss sie als strebsamen, arbeitssamen Menschen und vor allem als Vater, der seinen Sohn über alles geliebt hat, in Erinnerung behalten.

Auch der Lebensgefährte von Sabrina Kurz, Robert Volkmann (37), kehrte nicht von der Baustelle nahe des späteren Unglücksortes nach Haugschlag zurück. Die 27-Jährige weiß nicht, wie es weitergehen soll. „Unsere Tochter wird im August zweieinhalb Jahre alt. Wir hatten noch so viele gemeinsame Ziele“, sagt sie: „Wir wollten heiraten und noch weitere Kinder bekommen.“ Sie wird mit ihrer kleinen Tochter in Haugschlag bleiben. „Hier wohnt Roberts Mutter, sein Stiefvater geht im Herbst in Pension. Dann zieht er auch hierher“, erzählt die junge Mutter, die sich ebenfalls beim Kriseninterventionsteam bedankt. „Diese Betreuung ist sehr wichtig, ich erhalte nach wie vor Hilfe einer Psychologin, möchte noch diese Woche mit einem Facharzt Kontakt aufnehmen. Meine Tochter wird Trauerbegleitung erhalten“, zeigt Kurz auf.

Smax
Ein Großaufgebot an Rettungskräften musste zum folgenschweren Zugunglück im Bezirk Gänserndorf ausrücken.

Das Mädchen hat einen fürsorglichen und liebevollen Vater verloren, die junge Mutter muss nicht nur für sie Stärke beweisen: Die Verlassenschaft des unverheirateten Paares muss geklärt werden, zugleich sind große Herausforderungen bei dem noch nicht fertigen gemeinsamen Haus zu bewältigen. „Wir haben vor zweieinhalb Jahren begonnen, das alte Haus zu sanieren. Es fehlen noch so viele Sachen wie Balkon, Terrasse oder Stützmauer“, sagt die 27-Jährige: „Der Riss, der entstanden ist, ist gewaltig…“

Die Partnerinnen der Verstorbenen hatten bereits Kontakt mit derem Arbeitgeber. „Die Leyrer+Graf-Familie verliert zwei junge, engagierte Mitarbeiter, die ihre Aufgaben hoch motiviert verrichtet haben. Unsere Gedanken sind bei ihren Angehörigen, denen wir viel Kraft für diese schwere Zeit wünschen“, drückt CEO Stefan Graf die immer noch tiefe Betroffenheit bei Leyrer+Graf aus. – Alois Schmitners Verabschiedung findet am 17. Juli in Maria Jeutendorf statt. Robert Volkmann wird am 19. Juli (14.30 Uhr) in der Aufbahrungshalle in Haugschlag verabschiedet, seine Urne wird später im Familienkreis beigesetzt.