Sommerhalbzeit: „So viel wie heuer war‘s noch gar nie“. Ausgelastete Quartiere, hoher Zustrom zu meisten Badeplätzen im Gmünder Bezirk – und positive Erfahrungen hinsichtlich Disziplin.

Von Maximilian Köpf, Markus Lohninger und Sebastian Dangl. Erstellt am 05. August 2020 (04:17)
Bruno Holzweber und Lukas Zrout freuen sich über eine gute Sommersaison am Herrensee. 
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Passau, Kitzbühel, Wien, Tschechien, Autos aus allen Teilen des Waldviertels. Schon der Gang über den Parkplatz zeigt, welcher Anziehungspunkt das Gmünder Strandbad heuer ist. „Erst heute hat ein Wiener Neustädter angerufen, ob wir eh offen haben, weil er mit Familie und Hunden kommen will“, erzählt Kiosk-Wirt Karl Ferus. Die Hundezone ziehe viele Gäste an. „Die ist praktisch immer voll.“

Auch sonst klagen Ferus & Team nicht über zu wenig Arbeit. „So viel wie heuer war es überhaupt noch gar nie“, sagt er. Dabei sorgte der Corona-Lockdown für den verspäteten Saisonstart erst am 29. Mai, dann war das Wetter sehr launisch. „Aber sobald es schön war, haben die Leute schon angerufen, wann ich aufsperre“, erzählt Ferus. In der jüngsten Schönwetterphase war der Parkplatz fast zwei Wochen lang zum Bersten voll – das Strandbad dank seines weitläufigen Liegebereiches zum Glück nicht so sehr.

Schwierige Voraussetzungen

Generell ist 2020 für die Bäder ein schwieriges Jahr. Erst Corona, dann die Öffnung samt einem Dickicht an Bestimmungen für die diversen Bereiche, dann das durchwachsene Wetter.

Beim Teichheurigen am Gemeindeteich Heidenreichstein lassen die Gäste etwa laut dem neuen Pächter Alfred Cerny auf sich warten. „Corona hat großen Einfluss“, meint er. „Gerade jetzt, wo von der zweiten Welle geredet wird, haben viele Angst.“ Für Abstand zwischen den Tischen sei gesorgt, die tatsächliche Kontrolle der Einhaltung aber schwierig. „Die Menschen wollen die Regeln möglichst gut befolgen, aber ich bin auch nicht ihr Papa…“

Einziges Strandbad mit Eintritt außer Betrieb

Das größte Strandbad im Bezirk Gmünd und einzige, für das Eintritt bezahlt werden müsste, wird von der Stadtgemeinde Litschau wegen der Corona-Auflagen wie berichtet heuer nicht betrieben. „Wollen wir im rechtssicheren Bereich sein, dann ist der Betrieb aufgrund der enormen Fläche des Areals unmöglich“, sagt Amtsleiter Jürgen Uitz. Die Einhaltung der Vorgaben müsste nicht nur im Freibad, sondern auch auf der weitläufigen Liegewiese, im Herrensee oder auf der beliebten Wasserbühne überwacht werden, „dafür bräuchte es den ganzen Tag über eigenes Personal“. Im Kinderbecken müsse gewährleistet sein, dass sich immer maximal drei Kinder aufhalten und Abstände zueinander wahren. Es blieb trocken, das Hauptbecken ist laut Uitz unter anderem zwecks Notchlorung gefüllt, die Nutzung aber untersagt. Dafür herrscht freier Zutritt zur Liegewiese und zum Badebereich des Sees.

An sich tolle Zwischenbilanz am alten Sommerfrische-Ort

Und dort läuft es an sich tadellos. Gegenüber ist Bruno Holzweber mit dem Betrieb in der Litschauer Hafenbar inklusive Bootsverleih sehr zufrieden. „Ich kann mich nicht über mangelnde Gäste beklagen.“ Vor allem der Trend zum Kurzurlaub sei sehr förderlich. Zusätzlicher Faktor seien die Litschauer Festivals, die fast den ganzen Sommer füllen. „Das ‚Schrammelklangerl‘ belebt einfach die ganze Region.“

Auch Festivalgründer Zeno Stanek, der nun zusätzlich auch das Hoteldorf und Herrenseeplatzl betreibt, ist happy: „Wir sind diesen Sommer ausgebucht, auch die Kulturveranstaltungen sind gut besucht.“ Er habe Gästen tagelang kein Quartier mehr in Litschau vermitteln können, bestätigt Uitz, der neben hohem Zustrom an Radlern auch eine extreme Dichte an Wanderern registriert: „Wir mussten noch nie so viele Wanderkarten ausgeben.“

Vor der Festivalsaison sah die Lage anders aus. „Covid hat einiges durcheinandergewirbelt“, sagt Stanek. Gefehlt hätten vor allem größere Gästegruppen.

Besuche verbinden

In Schrems profitiert laut SP-Bürgermeister Karl Harrer das Moorbad vom Unterwasserreich: „Viele verbinden die Besuche.“ Im heuer einzigen Schremser Bad (Eliasteich wegen Dammbruchs gesperrt, mehr: Seite 5) sei viel los, aber weniger als sonst. Die Gemeinde sei in Coronazeiten noch mehr um Hygiene bemüht: „Auch die Wasserqualität ist top.“

Disziplin wird überall gelobt

Der Hausschachenteich in Weitra ist ein beliebtes Naherholungsgebiet. Auch heuer – trotz Corona. „Generell ist die Situation heuer schwierig, aber sobald das Wetter schön ist, kommen die Leute“, sagt Kerstin Weißenböck, Betreiberin im „WaLaBad“. Es sei nun „gut besucht, sind auch viele Fremde hier. Ob mehr oder weniger als in den Vorjahren, lässt sich schwer abschätzen.“ Die Disziplin sei sehr gut. „Auch die Desinfektionsmittel, die wir zur Verfügung stellen, werden genutzt“, so Weißenböck, die auf eine härtere Saison eingestellt war. Ihre Beobachtungen gleichen sich praktisch mit allen anderen Strandbädern, auch aufgrund der meist sehr weitläufigen Liegewiesen.

Zurück zum Gmünder Strandbad

Das schlug im ersten Jahr voll ein, kämpfte danach mit wechselnden Kiosk-Betreibern und nachlassenden Besucherzahlen. Dann übernahm die Stadtgemeinde durch Karl Ferus selbst den Kioskbetrieb. Seither geht‘s mit den Besucherzahlen nach oben, sagt er: „Man weiß einfach, dass jemand da ist.“ Mittlerweile habe sich eine Stammgästeschar gebildet, auch Geburtstage werden hier gefeiert. Covid-19 tat dem Trend keinen Abbruch, im Gegenteil. „Viele fliegen nicht fort, machen es sich daheim schön“, sagt Ferus. „Wir bleim do, bis der Schnee kommt“, scherzt ein Besucher beim NÖN-Besuch. Ob Ferus bereits ein Event für Silvester im Strandbad planen sollte?

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