Totengedenken: Vieles anders im Coronajahr. Vieles ist anders im Coronajahr – auch die Totengedenktage. Gedenken an Kriegsopfer heuer im Stillen.

Von Karin Pollak und Anna Hohenbichler. Erstellt am 28. Oktober 2020 (05:13)
Zu Allerheiligen und Allerseelen wird der Verstorbenen gedacht, Covid verändert aber die Rahmenbedingungen.
Gleiss

Gräber sind mit Gestecken geschmückt, im Andenken an die Verstorbenen sind Kerzen angezündet: Zu Allerheiligen und Allerseelen wird derer gedacht, die nicht mehr unter uns sind.

Gerade dann sorgen die Betreuer der Friedhöfe für ein gepflegtes Umfeld: „Auf die Friedhofsreinigung wird dann vermehrt Augenmerk gelegt“, sagt Thomas Emetsberger, Leiter der Städtischen Bestattung Gmünd. Für sein Team beginnt der Arbeitstag dann schon frühmorgens.

Untertags erledigen sie kleine – aber wichtige – Arbeiten im Hintergrund, wie das Ausleeren der Mistkübel: „Das sieht sonst nicht schön aus“, sagt Emetsberger.

Heer: Erinnerung an Kameraden hat großen Stellenwert

Eine Tradition zu Allerheiligen ist auch die Kranzniederlegung an Kriegerdenkmälern. „Die Erinnerung an unsere verstorbenen Kameraden und Vertriebenen hat einen hohen Stellenwert und darf nie vergessen werden“, betont der Weitraer Kasernenkommandant Reinhard Bachner. In der Herz-Jesu-Kirche in Gmünd-Neustadt wird in einem Gottesdienst an Allerheiligen der Opfer beider Weltkriege erinnert, das Gedenken vor dem Denkmal entfällt aber.

Kameradschaftsbund-Obmann rät von Spendenaktion ab

Auch für die Mitglieder des Kameradschaftsbundes steht das Gedenken an die Opfer der Weltkriege und an die verstorbenen Kameraden im Mittelpunkt. Die Heldenehrungen mit Kranzniederlegung bei den Kriegerdenkmälern gehört genauso dazu, wie die Sammlungen für das „Schwarze Kreuz“ bei den Friedhöfen.

„Diese Feierlichkeiten sind für unsere Verbände sehr wichtig. Heuer werden wir Corona-bedingt aber nur im Stillen diesen Personen gedenken, mehr ist nicht möglich“, erklärt der Bezirksobmann des Kameradschaftsbundes, Hermann Kitzler: „Maximal zwei Personen darf eine Abordnung umfassen. Kranzniederlegungen dürfen durchgeführt werden, jedoch ohne Publikum.“

Aber: „Man kann auch im Stillen an die Verstorbenen denken und sie würdigen. Das werden wir tun.“ Auf die Spendenaktionen für das „Schwarze Kreuz“ soll heuer im Bezirk Gmünd auf Anraten des Bezirksobmannes verzichtet werden. „Wir in Großdietmanns werden jenen Betrag spenden, den wir im letzten Jahr eingenommen haben“, sagt Kitzler.

Virtuell zu Kondolenz und Gedenkkerze

Die rechtlichen Rahmenbedingungen für Trauerfeiern selbst haben sich parallel zum Verlauf der Covid-Pandemie verändert. Anfangs waren nur zehn Personen erlaubt: „Das war ganz schwierig für die Trauernden. Aber das Verständnis war da, wenn man es ihnen plausibel erklärt hat“, sagt Bestatter Thomas Emetsberger: „Wir konnten auch nichts machen, wir mussten uns ans Gesetz halten.“

Inzwischen gelten für Trauerfeiern weniger strenge Regeln. Aber: Auf das Schäufelchen Erde muss verzichtet werden, bei Einsegnungen wird in Gmünd eine Taschentücherbox zum Angreifen des Aspergills bereitgestellt und das Kondolieren sowie Entzünden von Gedenkkerzen funktioniert virtuell über die Internetseite der Bestattung.

Individuelle Wünsche bei Trauerfeiern nehmen zu

Neben dem Aufnahmebüro im Gmünder Gemeindeamt gibt es auch Anmeldestellen in Schrems, Hoheneich, Brand-Nagelberg, Großdietmanns und Waldenstein. „Wir nehmen den Trauernden alles ab – von der Organisation des Leichentrunks über Musikkapellen bis zum Pfarrer oder anderen Religionsgemeinschaften“, sagt Emetsberger.

Die Individualität in der Gestaltung von Trauerfeiern nehme zu: „Persönliche Wünsche werden immer mehr. Soweit es gesetzlich gedeckt ist und umsetzbar ist, geht man natürlich mit.“ Nicht nur zu Allerheiligen gibt es für die Bestatter viel zu tun.

Gräber besuchen, Familienzusammenkünfte vermeiden

Gemeinsame Gottesdienste am Friedhof fallen heuer aus, die Gräber sollen aber trotzdem gesegnet werden – wenn auch nicht im Rahmen einer gemeinsamen Feier, heißt es von der Österreichischen Bischofskonferenz: „Die Bischöfe ermutigen aber ausdrücklich dazu, anlässlich von Allerheiligen und Allerseelen die Gräber zu besuchen und für die Verstorbenen zu beten.“

Von größeren Familienzusammenkünften möge aber Abstand genommen werden: „Wie bei jedem Gottesdienst wird gerade auch zu Allerheiligen und Allerseelen in den Kirchen der Verstorbenen gedacht und für sie gebetet.“

Friedhofsbesucher kommen auch von weiter her

„Der Stellenwert ist immer noch groß“, sagt Bestatter Thomas Emetsberger.

Ähnlich wie zu Weihnachten, Ostern oder am Muttertag gehöre auch an Allerheiligen der Friedhofsbesuch dazu – aber gerade zu den Totengedenktagen Anfang November kämen auch Verwandte, die sonst weiter weg wohnen. Und wenn gemeinsam der Verstorbenen gedacht wird, scheinen sie manchmal gar nicht so weit weg.

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