Vom Biber zur Ödlandschrecke: Fauna & Flora im Wandel?. Negative Bilanz: Es gehen mehr Tierarten verloren als zurückkommen.

Von Karin Pollak. Erstellt am 20. Februar 2019 (04:45)
Ernst Wandaller
Der „Bienenfresser“, der bisher nur in der Wachau vorgekommen ist, lebt seit dem Vorjahr auch im Bezirk Gmünd.

Die strengeren Schutzmaßnahmen, das Umdenken in Bevölkerung und Jägerschaft, und steigende Temperaturen machen es laut dem Biologen Axel Schmidt aus, dass es neue Arten in der Fauna und Flora gibt. „Leider kommen mehr Arten weg als neue dazukommen“, unterstreicht Bezirksjägermeister Ernst Strasser.

„Natürlich ist das nicht nur eine Freude, es gibt dadurch auch neues Konfliktpotenzial“, so Schmidt. Das Vorkommen von Wolf, Luchs oder Fischotter scheidet bekanntlich die Geister: „Diese großen Säugetiere sind aber seit dem Wegfall des Eisernen Vorhanges bei uns. Sie haben ihre urtümlichen Wanderrouten aufgenommen. So wurden damals schon zwei Elche zum Abschuss freigegeben.“

Bei Wölfen herrscht derzeit im Bezirk Gmünd „Winterruhe“. Auch in Tschechien, gleich hinter der Grenze bei Litschau oder Moorbad Harbach, gibt es immer wieder Sichtungen. Bürgermeister Vladimir Hokr aus Nové Hrady: „Wir haben Wölfe mit Fotos dokumentiert, Probleme hat es aber bisher nicht gegeben.“ Zuletzt wurden Wolfsbilder im Raum Obora (Thiergarten) aufgenommen – rund zehn Kilometer vor Gmünd.

„Natürlich ist das nicht nur eine Freude, es gibt dadurch auch neues Konfliktpotenzial“Biologe Axel Schmidt

Konflikte seien laut Schmidt auch bei Bibern zu erwarten, die bereits in Suchdol und bei Vitis vorkommen, oder bei Kranichen, die im Vorjahr erstmals seit 1885 im Waldviertel gebrütet haben. „Wir sind erfreut, dass die Population der Seeadler im Bezirk wieder zunimmt“, so der Biologe, der auch auf „neue“ Tierarten verweist: „Wir haben erstmals im Bezirk brütende Bienenfresser entdeckt. Diese bunten Vögel kommen sonst in der Wachau vor.“ Die wärmeren Temperaturen dürften auch dazu geführt haben, dass die „Blauflügelige Ödlandschrecke“, eine Heuschrecke, die bisher nur an der Donau vorgekommen ist, sich bei uns ansiedelt.

„Leider sind die Vogelarten in den letzten Jahren um 60 Prozent eingebrochen. Noch vor zehn Jahren gab es Tausende Wattvögel beim Haslauerteich. Jetzt gibt es kaum mehr welche“, sagt Jägermeister Strasser, der aufzeigt, dass die Jägerschaft hinter Artenschutz und den dazugehörigen Maßnahmen stehe.

„Wir kämpfen um jede bestehende Feuchtwiese“, so Schmidt. Durch Kommassierungen und Drainagierungen werde der Lebensraum vieler Schmetterlinge oder auch Pflanzen eingeengt: „Vom böhmischen Kranzenzian wissen wir nur mehr einen einzigen Standort im Bezirk.“

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