Wer wird uns einmal pflegen?. Pflegeeinrichtungen, mobile Dienste und 24-Stunden-Betreuer werden in Zukunft mehr Menschen pflegen müssen, besagt der aktuelle NÖ Altersalmanach. Die NÖN recherchierte die Situation im Bezirk.

Von Karin Pollak. Erstellt am 10. Juli 2019 (04:45)
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Symbolbild

Im Bezirk Gmünd gab es im Vorjahr 2.744 Personen, die älter als 80 Jahre waren. Dieser Personenkreis wird sich bis 2035 auf 3.496 Personen erhöhen, obwohl sich die Gesamtbevölkerung von 36.879 (2018) auf 34.938 (2035) verringern wird. Dass sich daraus ein erhöhter Pflegebedarf ergeben wird, ist klar.

Schon jetzt ist die Auslastung in den drei Pflege- und Betreuungszentren im Bezirk Gmünd sehr gut. „Es hat aber schon vor der Abschaffung des Pflege-Regresses ab 2018 eine Warteliste auf einen Heimplatz gegeben“, betont die Direktorin des Pflege- und Betreuungszentrums Weitra. Seither darf nicht mehr zur Deckung der Heimkosten auf das Privatvermögen der Heimbewohner zugegriffen werden. Der damals erwartete „große Run“ auf die Heime ist ausgeblieben, auch deshalb, weil in diesen Zentren nur Personen aufgenommen werden dürfen, die Pflegestufe 4 oder durch eine Demenzerkrankung einen hohen Pflegeaufwand haben.

Dass bis 2025 in den drei Heimen 41 Pflegebetten fehlen würden, ist seit der Veröffentlichung des Altersalmanach Niederösterreich Fakt. „Wir liegen noch gut, in St. Pölten sind es fast 400“, meint der Direktor der Pflegeheime Schrems und Litschau, Johann Deinhofer.

Mobile Betreuung

Wenn „Pflege“ in den Familien Thema wird, gibt es seitens des Hilfswerkes, der Volkshilfe oder der Caritas mobile Betreuung. Diese nahmen im Vorjahr 712 Personen im Bezirk Gmünd in Anspruch. Man erwartet bis 2025 einen Anstieg um 113 Personen (+15,9 Prozent). „Die Förderung des betreuten bzw. betreubaren Wohnens ist unbedingt notwendig“, betont Geschäftsführer Volkshilfe-Niederösterreich Gregor Tomschizek.

Das Hilfswerk ist mit knapp 9.000 Kunden pro Monat und über 2.000 Mitarbeitern größter Anbieter mobiler Pflege in Niederösterreich. „2050 werden wir 3,5 Mal so viel Pflegepersonal brauchen wie jetzt. Es sind dringend Maßnahmen nötig, denn der Personalmangel wird sich in Zukunft noch weiter zuspitzen“, sagt die Präsidentin des Hilfswerks Niederösterreich, Michaela Hinterholzer. Jetzt schon suche man in allen Bezirken Verstärkung.

Quelle: NÖ Altersalmanach; Illustration: Mascha Tace/Shutterstock.com; NÖN-Grafik: Gastegger

Auf Personalsuche ist man auch in den neun Sozialstationen der Caritas, die in allen Waldviertler Bezirken, außer Horn, mit 236 Mitarbeitern im Einsatz sind. „Das allgemeine Problem ist, dass jetzt geburtenschwache Jahrgänge in Ausbildung sind und geburtenstarke Jahrgänge in Pension gehen“, so Erwin Silberbauer, Regionalleiter der Caritas-Sozialstationen, der auf 25 offene Stellen verweisen muss: „Es gibt Arbeitssuchende oder Personen, die sich beruflich verändern wollen. Vielleicht wäre eine Umschulung eine ideale Lösung.“

Der Personalmangel schlägt sich auch in den Pflege- und Betreuungszentren nieder. „Da ist sicherlich noch einiges von der Politik zu tun“, so die Weitraer Direktorin Sabine Englmaier. Sie appelliert an ihre Kollegen: „Wir alle, die in der Pflege tätig sind, müssen von den schönen Seiten erzählen. Unser Beruf hat nicht nur negative Seiten“.

24-Stunden-Betreuung als Alternative

„Eine ‚Pflegelehre‘, wie es sie in der Schweiz gibt, könnte möglicherweise helfen. In eine Krankepflegeschule kann man erst ab 17 Jahren einsteigen, die Lehre beginnt nach der Pflichtschule“, so ihr Kollege Deinhofer (Schrems und Litschau).

Das Personalproblem ist derzeit bei der „Pflege 24 GmbH“ kein Thema. Diese im Waldviertel führende Agentur vermittelt 24-Stunden-Betreuung. „Wir sind mit unseren Mitarbeitern aus Rumänien gut aufgestellt. Wir sind ausgelastet, aber ausbaufähig“, erklärt Heinz Bieringer. Die 24-Stunden-Betreuung, die im Vorjahr 218 Personen in Anspruch genommen haben und die 2035 251 Personen brauchen werden, sei eine Alternative zum Heim. „Bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt“, so Bieringer. Er beruhigt: „Auf welche Länder wir in zehn Jahren zurückgreifen, ist nicht absehbar. Es wird zwar etwas teurer werden, aber wenn sich die Gesetze nicht ändern, dann geht dieses Service weiter.“

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