Pflegebedarf: Wer wird uns einmal pflegen?. In Zukunft werden Pflegeeinrichtungen, mobile Dienste und 24-Stunden-Betreuer mehr Menschen pflegen müssen, besagt der aktuelle NÖ Altersalmanach. Die NÖN recherchierte die Situation im Bezirk.

Von Karin Pollak. Erstellt am 10. Juli 2019 (04:08)
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Symbolbild

Im Bezirk Waidhofen gab es im Vorjahr 1.908 Personen, die älter als 80 Jahre alt waren. Dieser Personenkreis wird sich bis 2035 auf 2.390 Personen erhöhen, obwohl sich die Gesamtbevölkerung von 25.918 (2018) auf 24.738 (2035) verringern wird. Dass sich daraus ein erhöhter Pflegebedarf ergeben wird, ist klar.

Schon jetzt ist die Auslastung in den drei Pflege- und Betreuungszentren im Bezirk Waidhofen sehr gut. „Es hat aber schon vor der Abschaffung des Pflege-Regresses im Jänner des Vorjahres eine Warteliste auf einen Heimplatz gegeben“, betont der Direktor des Pflege- und Betreuungszentrums Waidhofen, Rainer Hirschmann. Seither darf nicht mehr zur Deckung der Kosten im Heim auf das Privatvermögen der Heimbewohner zugegriffen werden. Der „große Run“ auf die Heime blieb aus, weil in diesen Zentren nur Personen ab Pflegestufe 4 oder Menschen, die durch eine Demenzerkrankung einen hohen Pflegeaufwand haben, aufgenommen werden dürfen.

„Ich bin mir sicher, dass da etwas Gutes entsteht.“ Rainer Hirschmann, Leiter Pflege- und Betreuungszentrum Waidhofen

Dass bis 2025 in den beiden Heimen 21 Pflegebetten fehlen würden, ist seit der Veröffentlichung des Altersalmanach Niederösterreich Fakt.

Wie man mit dem immer größer werdenden Personenkreis, der Pflege benötigt, umgehen wird, ist noch unklar. „Es ist gerade ein Entwicklungsprozess‚ Pflege und Gesundheit aus einer Hand, im Entstehen. Da ist Niederösterreich Vorreiter und ich bin mir sicher, dass da etwas Gutes entsteht“, so Hirschmann, der derzeit rund 145 Mitarbeiter beschäftigt.

Wenn „Pflege“ in der Familie Thema wird, gibt es seitens des Hilfswerkes, der Volkshilfe oder der Caritas mobile Betreuung. Das nahmen im Vorjahr 563 Personen in Anspruch, 2035 werden es um 111 Personen mehr sein (+19,8 Prozent). „Die Förderung des betreuten bzw. betreubaren Wohnens ist dafür unbedingt notwendig“, betont der Geschäftsführer der Volkshilfe-NÖ Gregor Tomschizek.

Das Hilfswerk ist mit knapp 9.000 Kunden pro Monat und über 2.000 Mitarbeitern größter Anbieter mobiler Pflege in Niederösterreich. Auch hier ist man sich bewusst, dass der Bedarf steigen wird. „2050 werden wir 3,5 Mal so viel Pflegepersonal brauchen wie jetzt. Es sind dringend Maßnahmen nötig, denn der Personalmangel wird sich in Zukunft noch weiter zuspitzen“, sagt Michaela Hinterholzer, Präsidentin des Hilfswerks Niederösterreich. Jetzt schon sucht das Hilfswerk in allen Bezirken Verstärkung.

Quelle: NÖ Altersalmanach; Illustration: Mascha Tace/Shutterstock.com; NÖN-Grafik: Gastegger

25 Mitarbeiter sucht man derzeit in den neun Sozialstationen der Caritas, die in allen Waldviertler Bezirken, außer Horn, mit 236 Mitarbeitern im Einsatz ist. „Das allgemeine Problem ist, dass jetzt geburtenschwache Jahrgänge in Ausbildung sind und geburtenstarke Jahrgänge in Pension gehen“, zeigt Erwin Silberbauer, Regionalleiter der Caritas-Sozialstationen auf. „Es gibt Arbeitssuchende oder Personen, die sich beruflich verändern wollen. Vielleicht wäre ja eine Umschulung eine Lösung.“

Der Personalmangel schlägt sich auch in den Pflege- und Betreuungszentren nieder. Brigitte Grünsteidl vom Pflege- und Betreuungszentrum in Raabs sucht Heimhelfer und Pflegeassistenten. „Es ist wichtig, dass unsere Häuser offen sind. Dadurch kann man hineinschauen und vielleicht will jemand im Pflegebereich arbeiten. Es ist ja auch eine Karriere möglich“, zeigt Grünsteidl auf. Das Personalproblem ist derzeit bei der „Pflege 24 GmbH“ kein Thema.

Diese im Waldviertel führende Agentur vermittelt 24-Stunden-Betreuung. „Wir sind mit unseren Mitarbeitern aus Rumänien gut aufgestellt. Wir sind ausgelastet, aber ausbaufähig“, erklärt Heinz Bieringer. Die 24-Stunden-Betreuung, die im Vorjahr 127 Personen in Anspruch genommen haben und die 2025 170 Personen brauchen werden, ist eine Alternative zum Heim. „Bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt“, so Bieringer. „Auf welche Länder wir in zehn Jahren zurückgreifen, ist nicht absehbar. Wenn sich die Gesetze nicht ändern, geht es weiter.“