Abschied nach 35 Jahren

Erstellt am 28. Oktober 2016 | 06:13
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Brigitta Friedrich übergab ihre rege frequentierte Imbiss-Stube in der Bahnhofstraße an ihren früheren Stammgast Herbert Parnigoni. Der startet nach einer dreiwöchigen Umbauphase am 16. November mit „Parni’s Treff“ neu durch.
Foto: NOEN, M. Lohninger
Brigitta Friedrich tritt nach Jahrzehnten im Textil- und Gastro-Geschäft in den Ruhestand. Herbert Parnigoni führt ihre legendäre Imbiss-Stube nach Umbau weiter.

35 Jahre lang hat die gelernte Großhandels-Kauffrau Brigitta Friedrich in Gmünd als Selbstständige ihre Frau gestanden. Am heutigen Standort der Generali-Versicherung in der Bahnhofstraße hatte sie jahrelang ein Modengeschäft mit bis zu vier Angestellten geführt und im Jahr 1990 schließlich als Betreiberin der Imbissstube in der Bahnhofstraße 51 ihre Berufung gefunden. Am 25. Oktober war nun Schluss: Sie übergab das beliebte Geschäftslokal an ihren Stammgast Herbert Parnigoni.

Seit dem Nationalfeiertag ruht der Betrieb im „Imbiss Friedrich“ – Parnigoni plant einige Adaptierungen, bevor er am 16. November zur Wiedereröffnung als „Parni‘s Treff“ einladen will. So sollen der Eingangsbereich samt der großen Auslagescheiben und die Lüftung komplett erneuert werden. Das Innere soll einen neuen Anstrich, neue Schank, Arbeitsflächen, Stühle und Regale erhalten. Das Bier wird aber weiterhin aus dem Hause Trojan fließen, und auch inhaltlich will Herbert Parnigoni seinen Treff so weiterführen, wie er ihn schätzen gelernt hat: „Ich kenne die Gäste sehr gut, hier herrscht eine wirklich familiäre Basis. Wer Geburtstag hat, der bringt etwas mit.“

„Warum brauchen immer mehr Menschen einen Psychiater? Weil sie nicht mehr miteinander reden.“

Brigitta Friedrich erklärt, warum es bei ihr kein TV gab

Der 52-Jährige hat sich die Entscheidung zum Jungunternehmertum nicht leicht gemacht. 33 Jahre lang war er Beamter in der Wasserrechts-Abteilung der Bezirkshauptmannschaft gewesen. Dann hatte er sich eine Auszeit genommen, schließlich zum Gastronomen umgesattelt und im Sommer die Konzessionsprüfung abgelegt. „Es war ein mutiger Schritt. Aber Geld ist nicht alles, man muss glücklich sein in seinem Job – das war ich nicht mehr“, sagt Parnigoni, Cousin des früheren SP-Abgeordneten Rudolf.

Worauf er sich nun einlässt, darauf hat ihn Brigitta Friedrich schonend vorbereitet. „Der Job bedeutet 60 Stunden die Woche hier herinstehen, nebenbei Einkauf und Buchhaltung abwickeln“, sagt sie. Geld bleibt nur für eine geringfügig Angestellte.

Es komme aber auch sehr viel zurück, sagt Friedrich: „Wir sind eine große Familie. Die kleinen Lokale, wo die Leute ihre Sorgen teilen und jeder jeden kennt, werden immer weniger.“ Auch sie sei von ihren Kunden durch persönlich schwere Zeiten getragen worden. „Warum brauchen immer mehr Menschen einen Psychiater? Weil sie nicht mehr miteinander reden“, sagt sie. Aus dem Grund gab es kein Fernseh-Gerät und auch kein Radio im „Imbiss Friedrich“, das unter Stammgästen bis zuletzt den Namen des Vorgänger-Geschäftes „Plop“ trug. Plop war lange vor den Textil-Discountern drei Jahre lang die Filiale und Billigschiene von „Friedrich-Moden“. Dann wurde es 1990 zur Imbiss-Stube als zweites Standbein – und wurde erst neun Jahre lang gemeinsam mit ihrem Gatten geführt.

Eigentlich ist die 66-Jährige seit 2010 in der Pension. Nachdem sie nun jemanden fand, dem die Imbissstube genauso am Herzen liegt wie ihr, kann sie sich wirklich in den Ruhestand verabschieden. Nun will sie vieles nachholen, was in den vorigen Jahrzehnten zu kurz gekommen ist, sagt sie. Und natürlich immer wieder mal im „Parni‘s Treff“ vorbeischauen. Familie ist eben Familie.